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14.07.2010

Hitze ist keine Frage der Farbe

Entgegen der landläufigen Meinung heizen sich dunkle Autos in der Sonne nicht wesentlich stärker auf

Da werden Erinnerungen an den letzten Saunabesuch wach: Wer an einem heißen Sommertag sein Auto längere Zeit in der prallen Sonne geparkt hat, den erwarten beim Öffnen der Türen Temperaturen von über 50 Grad Celsius. Dunkle oder gar schwarze Autos sollen ja besonders heiß werden, wird bei dieser Gelegenheit häufig behauptet. Besser seien Wagen in hellen Farbtönen. Doch beides ist ein Irrtum: Die Temperaturen im Innern des Wagens haben nur minimal etwas mit der Außenfarbe zu tun, belegen Tests.

Der Autotyp und nicht die Farbe entscheidet im Wesentlichen, wie stark sich ein Wagen in der Sonne aufheizt. Foto: krockenmitte, Photocase.com
Foto: krockenmitte, Photocase.com

Schwarzer Kunststoff, dunkle Sitzbezüge, rundum viel Glas und das Ganze auch noch hermetisch abgeriegelt – wollte ein Ingenieur ein ideales Treibhaus konstruieren, käme er mit einem gewöhnlichen Kleinwagen diesem Ideal schon sehr nahe. Die wesentliche Komponente eines solchen Treibhauses ist das Glas: Es hat die Eigenschaft, das von der Sonne kommende sichtbare sowie das kurzwellige Infrarot-Licht weitgehend durchzulassen, die langwellige Infrarotstrahlung, wie sie von Körpern mit gemäßigten Temperaturen ausgeht, jedoch zu blockieren. "Selektive Transparenz" nennen Physiker dieses Phänomen. In dem überwiegend mit dunklen Materialien ausgestatteten Innenraum wird die eindringende Strahlung der Sonne größtenteils absorbiert und führt hier zur Erwärmung. Die vom Material ausgehende Wärmestrahlung kann jedoch durch die Scheiben nicht mehr heraus und bleibt gefangen.

Doch zurück zur Ausgangsfrage nach dem Einfluss der Wagenfarbe: Dass sich ein dunkel lackiertes Blech stärker erwärmt als ein Blech in einem hellen Farbton, davon kann sich jeder bei einem sommerlichen Gang über einen Parkplatz überzeugen. Doch da sich bei einem gewöhnlichen Auto zwischen dem nackten Blech des Daches und dem Innenraum eine mehrlagige Verkleidung befindet, die den Wärmeübergang erschwert, fällt diese Temperaturdifferenz bei den Innentemperaturen kaum ins Gewicht.

"Das ist nicht der entscheidende Faktor", bestätigt Karsten Brandt vom Wetterdienst donnerwetter.de. Die Meteorologen des Wetterdienstes hatten die Aufheizung von rund sechzig Autotypen auf einem Supermarktparkplatz mit Infrarotmessgeräten ermittelt und gravierende Unterschiede festgestellt – jedoch nicht in Abhängigkeit von der Farbe. So zählte ein schwarzer Golf mit 41,2 Grad zu den eher kälteren Autos, während ein silberner Ford Escort stolze 62,2 Grad erreichte.

Viel stärker als die Wagenfarbe ins Gewicht fällt die Gesamtfläche und Ausrichtung der Scheiben, aber auch die Farbe der Sitze und der Innenverkleidung, ergab die Auswertung. Nicht zuletzt ist auch die Masse des Autos ein Faktor: Ein leichter Kleinwagen erreicht eben schneller hohe Temperaturen als eine tonnenschwere Limousine. Die sich hartnäckige haltende Behauptung, helle Autos seien auch im Innern kühler, ist daher wohl eher eine Folge der Hitzeerfahrung, wenn beim Einsteigen das Dach berührt wird.

Doch wie reagiert die Autoindustrie – sonst kaum um Innovationen verlegen – auf das Phänomen? Eine Lösung wäre natürlich, Gläser ohne selektive Transparenz zu entwickeln. Da solche Eigenschaften in der Praxis jedoch kaum zu erreichen ist, wird zur einfachsten und funktionellsten Lösung gegriffen: Bei der sogenannten Wärmeschutzverglasung wird ins Glas eine unsichtbare Silberoxidbeschichtung eingebracht. Diese reflektiert die Wärmestrahlung der Sonne und lässt so einen Teil der Strahlungsenergie erst gar nicht ins Innere des Wagens. Eine weitere, gängige Möglichkeit ist, ein Glas einzusetzen, das möglichst viel Sonnenenergie absorbiert – auch hier wieder mit dem Effekt, dass weniger Energie ins Wageninnere gelangt. Die beste Lösung ist freilich, das Auto gleich im Schatten abzustellen. (ud)