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02.09.2015

Jet mit schwarzer Nase

Warum Flugzeuge früher am Bug häufig schwarz lackiert waren

Früher gehörte sie zum Erscheinungsbild vieler Linienflugzeuge: die schwarze Nase ganz vorn am Flugzeugbug. Heute ist sie nur noch an älteren Maschinen zu finden. Das Schwarz war jedoch nicht etwa eine Frage der Optik – vielmehr hatte ihr Einsatz praktische Gründe.

Viele Flugzeuge hatten früher schwarze Nasen. Heute sind sie fast nur noch an historischen Maschinen zu finden – oder an Maschinen mit Retro-Lackierung wie hier dieser Jumbo der deutschen Lufthansa. Foto: Oliver Roesler/Lufthansa
Boeing 747. Foto: Oliver Roesler/Lufthansa

"Radom" nennen Flugzeugkenner die schwarze Rundung an der Flugzeugnase. Der Begriff geht auf das englische Kunstwort "radome" zurück, das sich wiederum aus den Wörtern "Radar" und "dome" für Kuppel zusammensetzt. So werden übrigens auch die Kuppeln genannt, die stationäre Radarschirme von Meteorologen, Fluglotsen oder Geräte für die militärische Überwachung vor Wind und Wetter schützen. Im Flugzeug befinden sich hinter der schwarzen Nase die Radargeräte, die den Piloten vor Gewitter und Starkregen warnen.

Radargeräte arbeiten mit elektromagnetischen Wellen, die ausgesandt und von den zu beobachtenden Objekten reflektiert werden. Daher muss das Radom aus einem Material bestehen, das elektromagnetische Wellen nicht beeinflusst. Statt Metall werden für die Flugzeugnase daher seit langem aus Kunststoffen bestehende Verbundmaterialien eingesetzt.

Früher wurden diese zum Schutz mit einer gummiartigen schwarzen Schicht überzogen – daher die dunkle Nase, die früher auf allen Flugfeldern der Welt anzutreffen war. Ein gewöhnlicher Außenlack hätte aufgrund seiner metallischen Komponenten die ausgesandten und eintreffenden Radarsignale gestört. Außerdem musste die Farbe der Nase nicht dem Farbton des gesamten Rumpfes angepasst werden, wenn das besonderen Belastungen ausgesetzte Bauteil einmal ausgetauscht werden musste.

In Anlehnung an die Bezeichnung für die Maschine ihres Präsidenten nannten die Amerikaner beim Besuch des Papstes den Jet des Kirchenoberhaupts "Shepherd One" – "Hirte Nummer Eins". Foto: public domain
Papstbesuch. Foto: public domain

Heute gibt es hingegen längst Lacke und Lackierverfahren, mit denen das Radom in den für das gesamte Flugzeug verwendeten Farbtönen lackiert werden kann – ohne dass es zu Beeinträchtigungen des Radars kommt. Daher sind die schwarzen Nasen bei aktuellen Flugzeugtypen seit fast zwei Jahrzehnten weitgehend verschwunden.

Einige wenige Fluggesellschaften wie beispielsweise die italienische Alitalia hielten aus Traditionsgründen noch einige Jahre länger als andere an der schwarzen Nase fest. So war Papst Benedikt XVI. noch 2008 mit einer Alitalia-Maschine mit schwarzer Nase auf Staatsbesuch in den USA.

Heute sind sie jedoch fast nur noch bei sehr betagten Linienflugzeugen zu finden. Die prominente Ausnahme in diesem Jahr ist ein Jumbo-Jet der deutschen Lufthansa: Anlässlich des 60. Jahrestags der Wiederaufnahme des Flugbetriebs im Jahr 1955 hat das Unternehmen die Boeing 747 in den originalen Farben der 1970er-Jahre lackiert – mit schwarzer Nase.(ud)