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10.08.2011

Kostbares Grün

Das Mineral Malachit fand in Kunst und Kunsthandwerk über Jahrtausende hinweg eine vielseitige Verwendung

Eines der am meisten diskutierten Gemälde der Kunstgeschichte ist "Die Hochzeit des Arnolfini" aus dem Jahr 1434. Der Maler Jan van Eyck spickte es mit vielen Symbolen und sorgte insbesondere bei der Darstellung der Braut für Spekulationen: Ist sie vielleicht guter Hoffnung? Beachtenswert ist auch die Farbe ihres Kleidungsstücks: Auf ihrer grünen Robe trug der Maler eine Reihe von Malachitlasuren auf. Malachit hatte als Mineral und Halbedelstein für Objekte und Schmuck sowie als Farbpigment in verschiedenen Kulturen der Welt große Bedeutung. Auch Goldschmiede wussten seine Eigenschaften zu schätzen.

Wegen seiner teilweise rätselhaften Details gehört das 1434 entstandene Bild "Die Hochzeit des Arnolfini" von Jan van Eyck zu den am meisten beachteten Gemälden der Kunstgeschichte. Repro: public domain
Arnolfini, Foto: public domain

Die frühste Verwendung des zermahlenen und pulverisierten Kupfercarbonats Malachit als grünes Pigment wiesen Archäologen bei einer Ausgrabung in Beidha, dem heutigen Jordanien, in der Nähe des Toten Meeres nach. In einer 9.000 Jahre alten Siedlung entdeckten sie mit Malachit bemalte Wände, und in den Überresten einer Werkstatt waren noch die Rohstoffe Malachit und Ocker zu finden. Auch in Ägypten und in römischer Zeit fand sich die leuchtende, smaragdgrüne Farbe aus Malachit in Wand- und Tafelmalereien. Die Ägypter schnitzten aus Malachit kleine Skulpturen wie Amulette und Skarabäen. Außerdem stellten sie aus Malachit einen Lidschatten her, die aufgrund der leicht giftigen Kupferverbindung eine antiseptische Wirkung besaß und Augenkrankheiten vorbeugen sollte. An verschiedenen Soldaten der berühmten chinesischen Terrakotta-Armee von 210 vor Christus identifizierten Wissenschaftler ebenfalls grüne Farbreste des Malachit-Pigments.

Auch später wurde Malachit als kostbares grünes Farbpigment in der Malerei immer wieder eingesetzt. Im Stundenbuch des Herzogs von Berry, einem illustrierten Manuskript aus dem 15. Jahrhundert, verwendete der Künstler für die grünen Mäntel der Frauen in der Reitergruppe des Maibildes Malachit als Farbe. Auch auf flämischen Gemälden des 15. und 16. Jahrhunderts ist Malachit mehrfach nachgewiesen.

Ebenfalls im 15. Jahrhundert entstanden ist das Stundenbuch des Herzogs von Berry. Die Mäntel der dargestellten Frauen sind mit Malachit als Pigment gemalt. Repro: public domain
Stundenbuch, Repro: public domain

Der Umfang von haltbaren und brauchbaren Grüntönen war sehr begrenzt, sodass Malachit neben den grünen Erden bis Mitte des 19. Jahrhunderts und der Erfindung von Chromoxidgrün das am weitesten verbreitete grüne Pigment in der europäischen Malerei war. Es wurde in Fresken, als Ölfarbe in der Tafelmalerei und als Pigment für die Buchmalerei angewendet. Der Farbton des Malachitpigments variiert je nach Feinheit des Korns und Ausmahlungsgrad: Je gröber die Körnung, desto intensiver ist die Nuance.

Malachit diente nicht nur den Malern als grünes Pigment, es war ebenfalls zum Löten von Goldschmiedearbeiten bis ins Mittelalter verbreitet: Dafür zermahlten es die Goldschmiede zu Staub und rührten es mit Bindemittel an. Sie bestrichen  damit die zu verbindenden Teile und verklebten sie miteinander. Die Teile wurden dann im Holzkohlefeuer mit einem Blasrohr gezielt erhitzt, bis die zu lötenden Goldteile aneinanderhafteten. Ein Beispiel für eine frühe Anwendung dieser Technik ist die Totenmaske des Pharao Tutanchamun. Doch auch die Etrusker beherrschten dieses Verfahren.

Malachit entsteht aus Kupferkies und besteht zu etwa 57 Prozent aus dem oxidierten Metall. Foto: public domain
Malachit, Foto: public domain

Malachit entsteht bei der Verwitterung von Kupfererzen in Kupfererzlagerstätten. Sauerstoff- und kohlensäurereiches Regenwasser dringt als Sickerwasser in nahe an der Oberfläche liegende Gesteinsschichten. Das Wasser lässt im Boden vorhandene metallische Erze, wie zum Beispiel Kupferkies, oxidieren. So entsteht Malachit aus dem Kupfer des Kupferkieses. Er enthält etwa 57 Prozent Kupfer.

Heute ist bekannt, dass die grünen Pigmentstäube von Malachit gesundheitsschädlich sind, da sie giftige Schwermetalle enthalten. Sie sollten nicht eingeatmet oder verschluckt werden. Deshalb verwenden heutzutage nur noch Restauratoren Malachit als Pigment, aus harten und farbstarken Stücke schleifen Künstler nach wie vor Schmucksteine. (an)