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18.04.2007

Le Corbusiers Klaviatur der Farben

Seine Farbsammlung für Tapeten gilt als begehrtes Dokument der puristischen Farblehre

Für die Basler Tapetenfirma Salubra entwarf der französisch-schweizerische Architekt und Maler Le Corbusier 1931 eine Kollektion puristischer Farbtapeten. Seine "Ölfarbenanstriche in Rollen" sollten für unabhängig gute Qualität und präzise Farbtöne im Gebäude sorgen. Durch die Verwendung von natürlichen Farbpigmenten, die entweder mit Leimwasser oder mit Öl gebunden wurden, erreichte er eine Farbnormierung, die ohne physikalische Untersuchungen oder Farbkarten verschiedener Fabrikanten funktionierte. Die Salubra-Kollektion gilt heute als die meistgesuchte und teuerste Publikation Le Corbusiers und wird zunehmend wieder von Architekten verwendet.

Le Corbusiers Farbenklaviaturen, Foto: Birkhäuser Verlag

Der Birkhäuser-Verlag in Basel hat Le Corbusiers Farbenklaviaturen von 1931 und 1959 neu herausgebracht. Foto: Birkhäuser Verlag

Le Corbusiers Farbenklaviaturen, Foto: Birkhäuser Verlag

Zu den Farbenklaviaturen gehört eine Schablone, die den Gestaltern bei der Auswahl der Farben helfen soll. Foto: Birkhäuser Verlag

 

In seinen Tapetenentwürfen manifestierte Le Corbusier die für die Architektur geeigneten Farben seiner puristischen Farbenlehre. Es waren nicht viele: Die Grundfarben bestanden aus den vorwiegend pastellfarbenen Tönen Ultramarin, Blau, Grau, Englischgrün, Ockergelb, ungebrannte und gebrannte Siena (italienischer Ocker), Zinnoberrot, Karmin- sowie Englischrot, Weiß und Schwarz.

Für jede dieser Farben suchte er "einige Werte der Intensität", wie er es ausdrückte. Mit Pinsel und Spachtel bewaffnet ließ Le Corbusier sich bei seiner Farbauswahl ausschließlich von seinen Gefühlen leiten. Denn seiner Theorie nach war die psychologische und räumliche Wirkung von Farben konstant. Nicht physikalische Berechnungen, sondern rein subjektive Eindrücke entschieden daher über seine Farbwahl. So entstand ein Musterbuch mit 43 Farbtönen.

Um den späteren Kunden ein wirkliches Werkzeug in die Hand zu geben, wählte Le Corbusier eine besondere Gestaltung des Musterbuches. Die Farben sollten nicht einzeln nacheinander, sondern immer gleichzeitig im Zusammenhang mit anderen Farben betrachtet werden. Dazu trug er in drei breiten horizontalen Streifen Farbvarianten eines Grundtones auf, der sich gut für Hauptwände eignet. Zwischen diese Streifen legte er je zwei Bänder mit kleinen Mustern von 14 weiteren Farbtönen als mögliche Kontrastfarben für Türen, Vorsprünge oder Ähnliches.

Es entstand eine Farbtastatur auf wechselndem Hintergrund, wodurch verschiedene Farbakkorde auf das Auge wirken konnten. Diese "Claviers de couleurs", die Farbenklaviaturen, bestanden aus zwölf unterschiedlichen Musterkarten.

Jede dieser Karten beinhaltete laut Le Corbusier eine "farbige Stimmung". Sie sollte auf die zu erzielende Raumwirkung hinweisen, so zum Beispiel "Raum" für die Kombination aus hellblauen oder -grauen Wandflächen, die eine luftige Ausweitung des Raumes ergeben. Ebenso setzte er auch Materialbezeichnungen ein, wie "Sand", "Samt" oder "Mauer", die sich auf die Wirkung der Farbe als Materialtextur beziehen. Mit "Himmel" und "Landschaft" setzte er aber auch Assoziationen bezüglich der psychischen Farbwirkung als Namen ein.

Knapp dreißig Jahre später entstand eine zweite Tapetenkollektion, bei der nur zwanzig, dafür aber kräftigere Unitöne zum Einsatz kamen. Ihr lagen, ganz im Gegensatz zum puristischen Ansatz der ersten Kollektion, einige gemusterte Tapeten bei. So die Serie "Mauer" mit einem kleinen Quadratraster und die Serie "Marmor", bei der rasterlose Schattierungen der Grundfarben nur einen Teil der Tapetenwand bedeckten. Hier hatte Le Corbusier "die Pforte zum Garten der Versuchungen", wie er es nannte, doch kurz geöffnet.