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22.12.2010

Leuchtende Farbigkeit in Gefahr

Die oft sehr alten Glasmalereien in Kirchen sind besonders anfällig für Umwelteinflüsse

Der Faszination des Blicks durch ein Kirchenfenster kann sich kaum ein Kirchenbesucher entziehen: Heiligendarstellungen und Geschichten aus der Bibel in leuchtenden Farben und vor hellem Tageslicht, das sich in den Farben bricht und spiegelt. Kein anderes Kunstwerk weist eine derart hohe Farbleuchtkraft und so große Helligkeitsunterschiede auf. Die oft sehr alten Glasmalereien sind ein wertvolles, aber auch sehr empfindliches Kulturgut.

Farbige Fenster gehören zu den besonders beeindruckenden Kunstwerken in vielen großen Kirchen, Foto: Rama, wikipedia.org
Kirchenfenster, Foto: Rama, wikipedia.org

Von bunten Kirchenfenstern ist schon seit dem 4. Jahrhundert die Rede. Bis heute erhalten haben sich mit Schwarzlot bemalte Glasscheiben aus dem 8. Jahrhundert. Schwarzlot, ein Gemisch aus zermahlenem Glas und Kupfer oder Eisenoxid, benutzen Maler hauptsächlich zum Konturieren und Beschriften. Im 14. Jahrhundert kam Silbergelb, eine Mischung aus Silber und Ockererde, die Farbtöne von hellem Zitronengelb bis zu dunklem Braun ergibt, hinzu. Im 15. Jahrhundert ergänzten die Maler die Farbpalette mit Eisenrot.

Schmelzfarben, auch Emailfarben genannt, erweiterten die Palette schließlich im 16. Jahrhundert. Sie bestehen aus pulverisiertem Glas, Blei und Farbkörpern wie Eisen-, Kupfer-, Zinn- und Chromoxiden sowie Sulfiden und Selenen. Die Glasmalereifarben werden bei 550 bis 640 Grad Celsius im Ofen gebrannt. Anfangs setzten die Künstler das Bild aus Glasstücken, die in der Masse gefärbt sind, mit Bleiruten mosaikartig zusammen. In einer Methode, die im ausgehenden Mittelalter aufkam, überfingen sie die Glasstücke mit einem entsprechend gefärbten Glas und erzielten durch Herausschleifen neue Wirkungen wie weitere farbliche Abstufungen und Schattierungen.

Glasmalereien in Kirchen sind besonders anfällig für Korrosion, die vor allem durch Luftverschmutzung verursacht wird. Ein typisches Schadensbild ist der sogenannte "Wetterstein", eine Korrosionsschicht auf der Außenseite der Fenster, welche die Transparenz und Leuchtkraft mindert. Außerdem geht das Schwarzlot verloren, mit dem die Künstler feine Linien auf das durchgefärbte Glas malten.

Beispiele für solche Schäden finden sich im Hohen Chor des Erfurter Doms: Die Kirche enthält einen Glasmalereizyklus aus dem 14. Jahrhundert, dem Umwelteinflüsse aus jüngerer Zeit besonders zugesetzt haben. Das zeigte ein Vergleich der Schäden an den Domfenstern mit denen an Scheiben, die Anfang des 19. Jahrhunderts verkauft worden waren. Die Glasmalereien landeten in Museen auf der ganzen Welt, wo sie unter besten klimatischen Bedingungen aufbewahrt wurden.

Die Folge: Sie wiesen im Gegensatz zu den im Erfurter Dom verbliebenen Glasscheiben kaum Verwitterungsschäden auf. Es stellte sich heraus, dass die Korrosion erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eingesetzt hatte. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit im Dom ist problematisch. Die Untersuchungen ergaben ebenfalls, dass sich die Umweltbedingungen für die Domfenster heute verbessert haben – auch die Autoabgase schaden ihnen heute nur noch wenig.

Zu Schäden haben jedoch auch frühere Restaurierungen geführt – besonders die Verwendung von Zaponlack. Dieser Lack, mit dem die Fenster an der Nordseite des Doms Anfang des 20. Jahrhunderts überzogen wurden, sollte damals die Retuschen an den Malereien sichern und Helligkeitsunterschiede ausgleichen. Es zeigte sich jedoch, dass sich mit der Lackschicht teilweise auch die Farbe ablöste. Frühere Versuche, diese Schäden zu beheben, schlugen fehl. Wie also umgehen mit dem tückischen Lack? Fachleute trugen den Lack auf Probestücke und ließen diese innerhalb weniger Tage in Klimaschränken um Jahrzehnte altern, um dann verschiedene chemische Mittel zur Entfernung des Lacks auszuprobieren, die jedoch die Farbe nicht angreifen durten. Nun wünschen sich die Wissenschaftler und Glasrestauratoren, dass das nun eingesetzte Aceton bessere Ergebnisse erzielt als der einst eingesetzte Zaponlack.

Seit 2000 wurden fünf der 13 Fenster restauriert. Kürzlich schlossen die Restauratoren der domeigenen Glaswerkstatt die Arbeiten am Helena-Fenster ab. Zwei Jahre lang hatten sie die rund 100 Scheiben des nordwestlichen Chorfensters von Schäden befreit. Vermutlich werden alle Kirchenfenster erst 2027 in ihrer ursprünglichen Farbigkeit leuchten – erst dann wird die Restaurierung abgeschlossen sein. (an)