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17.07.2013

Leuchtendes Blau auf weißem Porzellan

Der bis heute beliebte Bestseller aus dem alten China verhalf der sächsischen Stadt Meißen zur Berühmtheit

Das Dekor in Blau auf weißem Porzellangrund erinnert an Zwiebeln, zeigt aber Pfirsiche und Melonenzitronen, um die sich Päonie und Chrysantheme, Bambus und Rankenpflanzen schlingen und doch klar gezeichnet sind:  Die Rede ist vom berühmten Porzellandekor "Zwiebelmuster" aus der Porzellanmanufaktur Meißen. Doch die Technik, die unterglasurblaue Malerei auf Porzellan, stammt wie auch das Material selbst aus dem alten China.

Das Zwiebelmuster ist der Klassiker unter den Porzellan-Dekoren – es wird bereits seit 1739 hergestellt. Foto: public domain
Zwiebelmuster, Foto: public domain

Ausgegrabene Scherben deuten darauf hin, dass wahrscheinlich schon in der Zeit der Tang-Dynastie (618-907) das erste Blau-Weiß-Porzellan in Unterglasurtechnik gefertigt wurde. Erste Popularität erlangte die blau-weiße Keramik zur Zeit der Mongolen-Herrschaft von 1279 bis 1368. Ihren Höhepunkt hatte die Produktion unter der Ming-Dynastie (1368-1644), und das mit Blau bemalte Porzellan konnte sich bald jede Bevölkerungsschicht leisten. Den blauen Farbstoff importierten die Chinesen zunächst aus Persien, Sumatra und Malaya, ab dem 16. Jahrhundert entdeckten sie eigene chinesische Vorkommen.

Das Besondere des blau-weißen Porzellans liegt in seinem Herstellungsverfahren: Die Farbe Kobaltblau, aus Kobaltoxidpulver und Wasser gewonnen, wird auf den geschrühten, das heißt auf den im Schrühbrand bei 1060 Grad Celsius einmal gebrannten Scherben aufgetragen. Nach diesem ersten Brand ist der Scherben in einem festen, aber noch spröden und zugleich saugfähigen Zustand. Darauf tragen die Porzellanmaler das Kobaltblau auf, das tief in die poröse Oberfläche eindringt.

Die Technik hat ihren Ursprung im alten China, wie diese Vase aus der Ming-Dynastie zeigt. Foto: public domain
Chinesische Vase, Foto: public domain

Danach wird der Scherben mit Transparentglasur überzogen und im Hochtemperaturverfahren bei 1450 Grad Celsius gebrannt. Dieser letzte Brand löst die Farbe in Verbindung mit der Glasur geringfügig auf, sodass die blaue Farbe zu den weißen Flächen hin minimal ausläuft. Diese Eigenart ist neben der Leuchtkraft ein typisches Merkmal der Unterglasur-Blaumalerei.

Die harte Glasur schützt das Dekor, sie trotzt fast allen chemischen Einflüssen und kann nur mechanisch zerstört werden. Bis ins 18. Jahrhundert war Kobaltblau als einzige Unterglasurfarbe bekannt, die den hohen Brenntemperaturen standhalten kann.

Der Farbton variiert durch alkalische Zusätze in der Glasur geringfügig, sodass Kobaltblau helle, dunkle und grünblaue Farbnuancen hervorrufen kann. Mithilfe dieser verschiedenen Blautöne ist es möglich, bei alten chinesischen Porzellanen auf die Herkunft des Kobalts zu schließen und ein Porzellanstück zu datieren.

Das blau-weiße Porzellan war nicht nur in China selbst ein Bestseller. Schon im 16. Jahrhundert exportierten die Chinesen Porzellan nach Europa, wo es in fürstlichen Kunstkammern und Porzellankabinetten als Besonderheit bewundert wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert stieg der Bedarf aufgrund neuer Getränke wie Tee, Kaffee und Schokolade, und viele Schiffsladungen mit Porzellan fanden den Weg von China nach Europa. In Meißen gelangen erst etwa zwei Jahrzehnte nach der Nacherfindung des Porzellans erste Versuche, das Geheimnis der beliebten Unterglasur-Blaumalerei zu lüften. Seit 1739 wird dort das berühmte blau-weiße "Zwiebelmuster"-Dekor in Unterglasur hergestellt, das in der Folgezeit von großen und kleinen Manufakturen bis heute oft kopiert wurde – insbesondere auf günstigeren Gebrauchsgeschirren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Fast so bekannt wie das Zwiebelmuster ist das Strohblumenmuster – ursprünglich ebenfalls ein Produkt aus der Manufaktur in Meißen. Foto: public domain
Strohblumenmuster.  Foto: public domain

Mit der Herstellung des Porzellans in Europa verbreitete sich im 18. Jahrhundert auch schnell die Anwendung der unterglasurblauen Kobaltfarbe. Neben der Meißener und den Thüringer Manufakturen stellten auch Werkstätten in Berlin, Fürstenberg und Kopenhagen Blaudekore in Unterglasur her. Beliebt waren Fels- und Vogel-Muster, ostasiatische Motive oder auch das Dekor "Blaue deutsche Blume". Noch populärer allerdings als das "Zwiebelmuster" ist das "Strohblumenmuster", ebenfalls ein kobaltblaues Unterglasurdekor auf gerippten Geschirrformen, das etwa Mitte der 1730er Jahre in der Meißener Manufaktur entstand und auch von weiteren Manufakturen übernommen wurde.

Auch noch heute hat die Farbe Blau – in Unterglasurtechnik auf Porzellan aufgetragen – ihre Beliebtheit und Faszination beibehalten. Viele Manufakturen bieten in ihren Sortimenten noch immer klassische, bekannte Blaudekore wie "Zwiebelmuster" oder "Strohblumen" an. (an)