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18.08.2010

Magische Sieben

Die Farbordnung des Aristoteles diente Gelehrten viele hundert Jahre lang als Maßstab

Aristoteles nimmt in seinen Schriften Bezug auf die Farben des Regenbogens – ein Himmelsphänomen, das offenbar sein Verständnis von Farbe prägte. Foto: momosu, Photocase.com
Aristoteles nimmt in seinen Schriften Bezug auf die Farben des Regenbogens – ein Himmelsphänomen, das offenbar sein Verständnis von Farbe prägte. Foto: momosu, Photocase.com

Unermesslich scheint die Zahl möglicher Farbtöne. Und doch gibt es einfache Regeln, nach denen sich alle Farben ordnen lassen: So muss auch der griechische Philosoph Aristoteles (384 bis 322 vor Christus) gedacht haben, als er seine Farbordnung schuf – eine Farbreihe, die aus der magischen Zahl von sieben Farben bestand und die viele hundert Jahre lang, bis in die Neuzeit hinein, Beachtung fand. Dabei ist bis heute nicht einmal sicher, wie genau die von ihm angegebenen Farbbezeichnungen zu übersetzen und zu interpretieren sind.

Die Geschichte der Farbsysteme im antiken Griechenland reicht noch weiter zurück als bis zu Aristoteles: Schon der Denker Pythagoras, der im 6. Jahrhundert vor Christus lebte, machte sich Gedanken über eine universelle Ordnung der Welt, die auch die Farben umfasste. Pythagoras ging von vier elementaren Farben aus: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb – eine Anzahl, die auch in den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde ihre Entsprechung fand.

Von diesem Denken war auch Aristoteles geprägt, der dieser Farbordnung drei weitere Farben hinzufügte, womit die magische und seit alten Zeiten als heilig geltende Zahl Sieben erreicht war. Welche Farben genau hinzukamen, darüber gehen die Interpretationen und Übersetzungen der von Aristoteles verwendeten griechischen Farbbegriffe jedoch seit vielen Jahrhunderten auseinander. Schließlich hat der Philosoph zwar schriftliche Zeugnisse hinterlassen, eine gemalte Palette von Farben, die seine Übersetzer hätten auswerten können, gibt es jedoch selbstverständlich nicht. Am gängigsten ist heute die Interpretation, Aristoteles hätte sich neben den Farben Gelb, Purpurrot, Schwarz und Weiß für Violett, Grün und Blau entschieden. Diese Farbauswahl findet ihre Entsprechung in den Farben des Regenbogens – ein Himmelsphänomen, das Aristoteles genau beobachtete und das großen Einfluss auf sein Verständnis von Farbe hatte.

Die für die Zukunft prägende Leistung des Philosophen war es jedoch, dass er die Farben in einer Reihe anordnete, die vom hellsten Farbton, dem Weiß, bis zum Schwarz reichte. Damit hatte Aristoteles ein erstes, wenn auch sehr einfaches Farbsystem geschaffen, von dem sich zahlreiche Gelehrte bis ins 16. Jahrhundert hinein bei ihren Versuchen inspirieren ließen, eine Ordnung der Farben zu schaffen. Die lange Liste der Denker, auf die diese Farbreihe direkt oder indirekt Einfluss hatte, umfasst unter anderem den um 1200 lebenden Scholastiker Bartholomaeus Anglicus, den italienischen Maler und Kunsttheoretiker Giovanni Paolo Lomazzo und schließlich das Universalgenie Leonardo da Vinci (1452 bis 1519).

Auch wenn Aristoteles sieben Farbtöne in seine Reihe aufnahm, schloss er doch aus der Beobachtung der Natur, dass sich mit lediglich drei Grundfarben plus Schwarz und Weiß im Prinzip jeder beliebige Farbton erzeugen lässt. Diese drei Grundfarben, die sich nicht durch Mischung herstellen lassen, sind Rot, Grün und Blau, stellte Aristoteles fest – und erkannte damit ein Prinzip, auf dem nicht nur viele Farbsysteme beruhen, sondern auch die Technik von Monitoren und Farbmessgeräten. (ud)