18.03.2015

Markantes Zeichen in Orange

Wie auch sehr dezent eingesetzte Farbe das Erscheinungsbild eines Gebäudes prägen kann

Eine Fassade muss nicht bunt sein, um markant zu wirken. Im Gegenteil – ein einziges, wiederkehrendes Farbelement kann einem Gebäude bereits eine unverwechselbare Qualität verleihen. Ein Beispiel ist das 2011 von dem Darmstädter Architekten Florian Krieger geplante Mehrfamilienhaus auf dem Gelände der ehemaligen Wiley-Kaserne in Neu-Ulm: Einziges farbiges Element in der ansonsten hellgrauen Fassade sind die in Orangerot gestalteten Loggien. Doch das Orange macht aus dem viergeschossigen Wohnblock eine markante Erscheinung.

Das Orangerot in den ausgeschnittenen Loggien unterstreicht den kubischen Charakter des Wohnblocks und schafft einen Gegensatz zu den hellgrau gehaltenen Wandflächen. Foto: Brillux
Wohnblock Neu-Ulm. Foto: Brillux

Das Orange stellt einen ausdrucksvollen Gegensatz zu dem gegenüberliegenden Wohnblock her, der von Krieger architektonisch nahezu identisch gestaltet wurde – hier jedoch mit Gelb als Leitfarbe. "Unser Ziel war es, eine qualitativ hochwertige Architektur zu schaffen, mit der sich die Bewohner identifizieren können", erklärt Architekt Florian Krieger. "Das ist nicht zuletzt durch den Einsatz von Farbe gelungen, denn Farbe schafft Identität."

Dadurch, dass nur die ausgeschnittenen Loggien farbig gestaltet wurden, ist das Orange mehr als nur farbiges Beiwerk – vielmehr greift die Farbe aktiv in die Wahrnehmung des Gebäudes ein: "Die Zweifarbigkeit der Fassade unterstreicht die Skulpturalität des Gebäudes", erläutert Krieger weiter.

Insgesamt 47 Wohnungen vereint der Wohnblock unter einem Dach. Erschlossen werden die Einheiten mit Größen zwischen 50 und 100 Quadratmetern Wohnfläche über einen Innenhof: Offene und umlaufenden Laubengänge führen von hier aus zu den Wohnungen und schaffen gleichzeitig Begegnungsräume für die Bewohner. Farblich ist der Innenhof ganz in Orange gehalten – ergänzt lediglich durch die Brüstungen aus Beton und Stahl sowie durch die Treppenaufgänge aus Beton.

Im Innenhof ist das Orange ebenfalls die dominierende Farbe. Foto: Brillux
Innenhof Neu-Ulm. Foto: Brillux

Für Wärme sorgen hierbei Holzbohlen aus Lärchenholz, mit denen die Laubengänge ausgestattet sind. Das Gebäude ist als Mehrgenerationenhaus konzipiert und ist durchweg barrierefrei gestaltet. So soll es sowohl jungen Familien als auch älteren Menschen oder Menschen mit Behinderungen Wohnraum bieten.


Das Farbkonzept fand auch Anerkennung im Deutschen Fassadenpreis: 2012 belegten die Architekten den ersten Platz in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser. Wie prägend der Einsatz einer einzigen Farbe in der Gestaltung eines ganzen Gebäudes sein kann, hat die Architekten letztlich selbst überrascht:  "Interessant ist dabei für uns, dass die Wirkung von Farbe stark genug ist, um das Erscheinungsbild eines Gebäudes gänzlich zu ändern", erklärt Krieger. (ud)