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18.08.2004

Mit erdfarbenen Pigmenten fing alles an

Seit vielen Jahrtausenden nutzt der Mensch Farbe zum Verschönern seiner Umgebung

Die Nutzung von Farben in der Menschheitsgeschichte begann an Höhlenwänden, die der frühe Mensch mit verschiedenfarbiger Erde verzierte. Zu den einfachen Erdfarben gesellten sich im Lauf der Jahrtausende immer mehr Pigmente in immer mehr Farben und ermöglichten komplexere und vor allem buntere Darstellungen. Einer der Meilensteine war schließlich der Beginn der industriellen Herstellung synthetischer Pigmente im 18. Jahrhundert.

Pigmente aus rötlichen Erden und schwarzer Holzkohle bestimmten viele Jahrtausende lang die Farbauswahl - wie hier bei Felszeichnungen aus dem heutigen Namibia.
Mit erdfarbenen Pigmenten fing alles an

Die ersten Farben verwendeten Menschen bereits vor etwa 35.000 Jahren. Sie nutzten natürliche anorganische Pigmente, um auf den Wänden ihrer Höhlen negative Handabdrücke zu hinterlassen, Tiere abzubilden oder Geschichten von der Jagd zu erzählen. Diese Höhlenmalereien, wie sie zum Beispiel in Höhlen in Frankreich oder Spanien zu finden sind, sind vermutlich die ältesten Zeugnisse für die Verwendung von Pigmenten. Graphit aus Holz- und Knochenkohle oder auch Manganoxide lieferten Schwarz, verschiedene eisenoxidhaltige Erden braune, gelbe, orange und rötliche Farbtöne. Selten wurde auch Kreide oder Gips genutzt, um mit weißer Farbe zu malen. Als Bindemittel dienten damals neben Kalk und Wasser auch pflanzliche Harze oder Blut.

Gegen 8.000 vor Christus wurden die Menschen im heutigen Nahen Osten dann zunehmend sesshaft. Mit den ersten Bauernsiedlungen und stadtähnlichen Anlagen nutzen Maler andere Materialien als nur Höhlenwände als Maluntergrund: Nun wurden auch Mauern, Holz, Statuen und Keramiken bemalt. Die Farben waren die gleichen geblieben. Allerdings wurden Gips und Kalk als weiße Pigmente häufiger genutzt.

 Den prähistorischen Künstlern und den Malern aus dem Nahen Osten standen weder Blau noch Grün zur Verfügung. Pigmente in diesen Farbtönen entwickelten erst die Ägypter etwa im 3. Jahrtausend vor Christus. Sie entdeckten durch Ausprobieren und Zufallsbeobachtungen, dass beim Erhitzen von Quarzsand, Kalk und einer Kupferverbindung eine blaue Substanz entsteht, die sich in Pulverform hervorragend als Pigment eignet. Sie hatten eines der ersten künstlich hergestellten Pigmente gefunden: Ägyptisch Blau. Das Pigment wurde zu einem der am häufigsten verwendeten im alten Ägypten und ist in zahlreichen Abbildungen auf Wänden und Totenmasken zu finden. In einem ähnlichen Versuch mit leicht veränderten Herstellungsbedingungen entstand auch Ägyptisch Grün.

Ebenso wurden in dieser Zeit Mineralien wie Lapislazuli, Malachit und Zinnober gezielt gewonnen und zu Pigmenten aufbereitet. Mit diesen mineralischen Pigmenten konnten die Künstler auf den ganzen Farbkreis zugreifen. Mit diesem Farbenreichtum erreichten Mal-, Emaillier-, Glas- und Färbetechniken ihren ersten Höhepunkt. Blau und Grün blieben allerdings zunächst überaus wertvoll.

arben wie Grün oder Blau wurden erst später mit der Verfeinerung der Herstellungsverfahren für Pigmente möglich.
Farbige Pigmente

Bei den Römern und Griechen gesellten sich dann weitere Pigmente dazu. Vor allem mineralische Pigmente erweiterten die Farbpalette. Aus der römischen Kultur sind zum Beispiel prunkvolle Wandmalereien, von den Griechen etwa die typischen Rot-Schwarz-Keramiken bekannt. Auch wurden in der Antike Pflanzenfarbstoffe wie Indigo populär. Der Handel mit Pigmenten und Farbstoffen blühte.

In den folgenden Jahrhunderten standen vor allem pflanzliche und tierische Farbstoffe wie das wertvolle aus der Purpurschnecke gewonnene Purpur im Vordergrund. Doch bestand nach wie vor Bedarf an anorganischen Pigmenten. Manche mineralischen Pigmente wie zum Beispiel Grünspan wurden bereits sehr früh künstlich hergestellt. So grub man im Mittelalter Kupferspäne und Weinessig in einem Holzgefäß in Pferdemist ein, um nach einigen Monaten das Pigment vom Kupfer kratzen zu können. Bis zum späten 17. Jahrhundert gab es keine bedeutenden Veränderungen, bis im frühen 18. Jahrhundert mit der Entdeckung der Pigmente Berliner Blau und Scheeles Grün die industrielle Herstellung synthetischer Pigmente begann. Das im Jahr 1704 entdeckte Berliner Blau gilt als das erste synthetische Pigment der industriellen Revolution.

Seit dem späten 18. Jahrhundert wurde das bei der Messingherstellung anfallende Zinkoxid oder Zinkweiß als Weißpigment verwendet. Mit der Weiterentwicklung der Chemie gab es nun auch Farben auf Chrom- und Cadmiumbasis, die allerdings gesundheitlich nicht unbedenklich waren. 1828 konnte erstmals Ultramarinblau künstlich hergestellt werden. Bis dahin wurde Ultramarin aus dem Halbedelstein Lapislazuli gewonnen und war dementsprechend teuer. Mit immer feineren Methoden und verbesserten technischen Verfahren wurden im 20. Jahrhundert dann Pigmente wie zum Beispiel Titandioxid, das heute am meisten verwendete Weißpigment, entwickelt.

Zudem verbesserten sich bereits bekannte Pigmente hinsichtlich Deckvermögen, Transparenz, Brillanz, Beständigkeit und Farbstärke. Dazu kamen in den späten 60er Jahren Pigmente mit Metall- und Perlganzeffekten. Heute ist die Industrie vor allem darauf bedacht, toxikologisch bedenkliche Pigmente zu ersetzen. Auch bemühen sich die Unternehmen um Alternativen für umweltschädliche Herstellungsverfahren. Der Anteil der ursprünglichsten aller Pigmente, der Erdfarben-Pigmente, ist heute verschwindend gering. Auch sie werden meist synthetisch hergestellt.