Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

03.03.2010

Mit farbigen Steinen malen

Kunstwerke aus bunten Halbedelsteinen haben eine zweitausendjährige Geschichte

Aus der Ferne betrachtet sehen sie aus wie Gemälde, bei näherem Hinsehen sind die Kunstwerke aber nicht gemalt, sondern aus bunten Steinen zusammengesetzt. Die Kunst der Verlegung von Bildern aus harten Steinsorten, auch bekannt unter dem Namen Pietra Dura, ist eine Technik, die sich schon in der Antike einer großen Beliebtheit erfreute, in der Renaissance ihren Höhepunkt erlebte und auch heute noch immer praktiziert wird.

Die natürliche Maserung der Steine wird in diesem Steinbild genutzt, um die Blüten und Blätter naturalistisch abzubilden. Darstellung: public domain
Darstellung: public domain

Leuchtende rote, blaue und goldene Federn schmücken einen schillernden, exotischen Vogel, der auf einem von kräftigem grünen Blättern umgebenen Zweig Platz genommen hat. Dies ist keine Szene aus der Natur, sondern Motiv einer besonderen Kunstform, eines vielfarbigen Mosaiks aus wertvollem Stein. Goldener Achat, grüner Beryll, roter Jaspis und blauer Lapislazuli bringen das Bild aus Stein, die so genannte Pietra Dura, zum Leuchten und Glitzern.

Schon in der römischen Kaiserzeit waren farbige Marmorarbeiten sehr beliebt. Mosaiken aus polychromen Platten, entweder als abstraktes oder als figürliches Bild, erlebten ihren Höhepunkt von der augusteischen Zeit bis zum 5. Jahrhundert nach Christus.

An diese Blütezeit knüpften die italienischen Künstler im 16. Jahrhundert an, als sie die Steinschneidekunst zu neuem Leben erweckten. Bald schmückten in Rom fugenlose Flachintarsien aus harten Halbedelsteinen und weichen Marmorsorten Bauten von außen, Wand und Boden wie auch verschiedene Möbelstücke und Ziergefäße, so etwa Tischplatten und Tischstützen mit abstrakten und geometrischen Motiven von innen. Mit Achat, Beryll, Chalzedon, Jaspis, Lapislazuli, Sardonyx und vielen anderen Steinsorten kamen seltene und teure Materialien mit großer optischer Intensität zum Einsatz.

Wichtigstes Zentrum dieser kulturellen Blüte im 16. Jahrhundert war allerdings Florenz, weshalb Pietra Dura auch unter dem Namen "Florentiner Mosaik" bekannt ist. Dort gründeten die Medici 1588 eine Manufaktur, die drei Jahrhunderte lang Höchstleistungen der angewandten Kunst hervorbrachte. Diese Werkstatt hat bis heute überlebt, bringt zwar keine Neuschöpfungen mehr hervor, aber restauriert unter dem Namen "Opificio delle Pietre Dure" erhaltene Kunstwerke.

Im 17. Jahrhundert entstand parallel zu den Pietre Dure mit abstrakten und geometrischen Motiven ein neuer Typus, der die traditionelle Malunterlage aus schlichtem schwarzem Marmor durch farbigen Stein ersetzte. Die Künstler nutzten die Maserung des Materials als natürliches malerisches Element. Während dieser Zeit verbreitete sich die Gattung der Pietra Dura im Nu von Italien in ganz Europa, und die Begeisterung für die neue Mode währte bis ins 19. Jahrhundert. Das Verfahren fand aber nicht nur in Europa Verbreitung, sondern gelangte bis nach Indien. Auch das Taj Mahal wurde im 17. Jahrhundert auf diese Weise verziert.

Der Arbeitsprozess zur Herstellung eines Florentiner Mosaiks war sehr komplex: Den Entwurf, der meist nach einer Vorlage entstand, übertrugen die Künstler auf eine Pause, in die sie auch die Steinsegmente eintrugen. Dann folgte die Auswahl der passenden Farbtöne der Steine. Im Gegensatz zur klassischen Mosaikkunst aus bunten Würfeln oder Stiften verwendet das Pietra Dura-Verfahren genau angepasste Formstücke, denn sie sollten das gemalte Vorbild möglichst getreu wiedergeben.

Dafür war es nötig, über einen reichhaltigen Steinvorrat zu verfügen. Für jedes noch so winzige Teil musste der Steinschneider in einem Depot suchen. Die verschieden geformten dünnen Plättchen waren etwa zwischen zwei und vier Millimetern dünn, sodass bei sehr fragilen Plättchen eine Schieferplatte als Unterlegung diente. Jedes einzelne Element bearbeiteten die Künstler von Hand mit einer kleinen Säge und Schmirgelsand. Auch die Grundplatte sägten sie, wenn sie sichtbar blieb, so zu, dass die Steinplättchen perfekt darin eingesetzt werden konnten. Abschließend bedurfte es einer millimetergenauen Perfektion im Abfeilen der Kanten der Steinsegmente mit Metallfeilen und Schmirgelpulver, um bei der abschließenden Zusammensetzung die zahlreichen Fugen unsichtbar zu machen.

Die Künstler setzten die Stücke dann von der Rückseite zusammen, um sie danach mit einem Klebemittel auf der Grundlage von Bienenwachs und Kolophonium, einem Harz, aufzuziehen und eine Schieferplatte als Untergrund aufzukleben. Abschließender Schliff und Politur verliehen den Steinen nicht nur ihren dauerhaften Glanz, sondern auch eine widerstandsfähige und dekorative Oberfläche.

Auch heute werden in Florenz kleine Souvenirs aus Pietra Dura hergestellt. In der Werkstatt des Florentiner Museo dell’Opificio delle Pietre Dure können sich Interessierte die Herstellung der Kunstwerke zeigen lassen. Außerdem befindet sich in Florenz auch die größte Sammlung der Pietra Dura-Objekte, nämlich auf den Wänden der achteckigen Medici-Kapelle in der Kirche San Lorenzo. (an)