25.01.2012

Nutzlose Schönheit

Wissenschaftler rätseln über den Sinn der schillernden Behaarung afrikanischer Goldmulle

Das Fell des Goldmulls ist auffallend schön: Eine besondere, mikroskopisch feine Struktur der Haare lässt es in wechselnden Farben schillern – wie das Federkleid eines Vogels oder den Panzer eines Käfers.  Bei Säugetieren ist dieses Phänomen einzigartig, haben Forscher aus den USA und Australien nun entdeckt. Die entscheidende Frage können sie jedoch nicht beantworten: Welchen Sinn hat solche Schönheit? Für die Partnersuche kann sie jedenfalls nicht von Nutzen sein, denn die maulwurfsgleich unter der Erde lebenden Goldmulle sind völlig blind.

Goldmull, Foto: Killer18, CC-Lizenz
Goldmulle sind eine eigene Säugetiergruppe und kommen ausschließlich in Afrika südlich der Sahara vor. Foto: Killer18, CC-Lizenz

Zwei verschiedene Wege ist die Evolution gegangen, um Tieren zu einem farbigen Äußeren zu verhelfen: Der erste und gängigste ist der Einsatz von Farbpigmenten, die für eine entsprechende Färbung von Fell, Haut oder Federn sorgen. Die zweite, oft ergänzende Möglichkeit sind feinste Strukturen auf der Oberfläche. Diese beugen oder brechen das einfallende Licht und erzeugen so die manchmal faszinierenden optischen Effekte, wie sie bei Vogelfedern, bei den Panzern von Insekten oder auf der Haut von Reptilien zu beobachten sind.

Diese irisierenden Erscheinungen treten zwar auch bei den Haaren von Säugetieren auf und natürlich auch beim Menschen. Doch die Strukturen, mit denen der schillernde Effekt erzeugt wird, unterscheiden sich beim Goldmull von denen aller anderen Säugetieren, fanden die Wissenschaftler um Holly Snyder von der Universität von Akron nun heraus.

Die Wissenschaftler hatten mit Spektrometern und Elektronenmikroskopen die feinen Haare der Säuger untersucht, die trotz der äußeren Ähnlichkeit übrigens nicht mit Maulwürfen verwandt sind. Die Forscher stießen auf eine komplizierte Struktur aus nanometerfeinen Materiallagen. Die Haare sind zudem nicht rund, sondern – ähnlich wie ein Paddel – abgeflacht. Damit vergrößert sich auch die Oberfläche für die Erzeugung irisierender Effekte.

So ausgereift die Optik des Haarkleids der Goldmulle also ist, so rätselhaft ist deren Sinn und Zweck: Während schillernde Farben bei vielen Tieren vom Pfau bis zum Käfer dazu dient, beim anderen Geschlecht Aufmerksamkeit zu erregen, bleibt es buchstäblich im Dunklen, was bei den unterirdisch lebenden und zudem blinden Säugern zu dieser Entwicklung geführt hat. Wahrscheinlich handelt es sich um zufälliges Nebenprodukt der Evolution, spekulieren die Forscher.

So könnten die fein strukturierten, abgeplatteten Haare entstanden sein, weil sie besonders widerstandsfähig sind, wenig Schmutz aufnehmen und die Bewegung im Untergrund erleichtern. Das müssten jedoch erst weitere Studien klären. Bis diese Fragen beantwortet sind, können die Betrachter der schillernden Schönheiten des Untergrunds sich also noch einige Zeit wundern. (ud)