20.04.2005

Ochsenblutrot macht Fachwerk rot

Doch der Name trügt: Die widerstandsfähige historische Farbe enthält meist kein Blut

Die rotbraunen Balken vieler Fachwerkhäuser sind häufig in dem klassischen Farbton Ochsenblutrot gestrichen. Auch in den Innenräumen der meist alten Gebäude ist der rostrote Farbton oft anzutreffen – vor allem auf Fußböden, aber mitunter auch an alten Truhen. In den allermeisten Fällen basiert der Farbton jedoch keineswegs auf Rinderblut, sondern auf dem Pigment Eisenoxidrot.

Ochsenblutrot ist in vielen Regionen die klassische Farbe fürs Fachwerk. Foto: Brillux
Ochsenblutrot macht Fachwerk rot

Ochsenblutrot: So wird die Farbe häufig genannt, in der die Holzbalken vieler Fachwerkhäuser gestrichen sind. Der typische, rotbraune Anstrich ist haltbar, licht- und wetterbeständig und schützt das Holz. Der rostrote Farbton rührt jedoch keineswegs tatsächlich von Blut her, sondern von Eisenoxiden, also schlicht von Rost.

Eine Farbe auf der Basis von Blut würde sich vor allem für den Außenanstrich auch denkbar wenig eignen, denn sie wäre nicht wasserfest und würde kaum vor Wind und Sonne schützen. Der regional typische Fachwerkanstrich basierte in der Vergangenheit auf einer Ölfarbe auf der Basis von Leinölfirnis, die mit Eisenoxidpigment getönt war. Auch heute wird das traditionelle Eisenoxidpigment noch für Hausanstriche verwendet. Aufgrund seiner ausgezeichneten Verträglichkeit dient es als Pigment für alle Arten von Fassadenanstrichen.

Neben dem rotbraunen Ochsenblutrot findet man auch häufig ein weiteres Eisenoxidpigment, ein ein violettstichiges Braun namens "Caput mortuum", das aus Eisenoxidabfällen aus der Schwefeldioxidproduktion hergestellt wird. Die Bezeichnung geht auf die Alchemisten des Mittelalters zurück. Stammt das Eisenoxidpigment aus schwedischer Produktion, wird es auch Schwedenrot genannt.

Für Ochsenblutrot existieren dennoch einige wenige Rezepte aus dem 19. Jahrhundert, in denen tatsächlich Blut als Inhaltsstoff angegeben ist. Dann fungierte das Blut jedoch als Bindemittel und keineswegs als Farbgeber. Die typische dunkelrote Farbe getrockneten Blutes rührt zwar auch von dem im Blut in geringen Spuren enthaltenen Eisen her. Trotzdem würde sich geronnenes Blut als rostroter Farbanstrich kaum eignen, da die Hauptbestandteile Eiweißstoffe sind, die sich rasch zersetzen. Übrig bliebe in den meisten Fällen ein schmutziges Grün und der Anstrich wäre nicht nur unansehnlich, sondern auch äußerst schimmelanfällig.

Rezepte mit Blutanteil sind nach Meinung von Matthias Stappel vom Freilichtmuseum Hessenpark somit eher kurios und waren keineswegs üblich. Außerdem wäre eine solche Farbe ausschließlich für den Innenbereich – etwa für Fußböden – geeignet. Allerdings wurde vor ungefähr hundert Jahren eine Ochsenblutbeize für den Innenraum entwickelt, erklärt der Restaurator, der sich intensiv mit der historischen Farbe Ochsenblutrot beschäftigt. Dazu wurde frisches, noch warmes Rinderblut während des Abkühlens gerührt und anschließend gesiebt. Diese Blutfarbe konnte dann aufgetragen werden. Sie war jedoch kaum verdünnbar, da schon bei einer zehnprozentigen Verdünnung bereits Grün entstehen würde. Nach dem Trocken erhält man eine rostrote Farbe, die jedoch nicht wasserfest ist. Deshalb muss sie zusätzlich noch fixiert werden, etwa mit Schellack.

Ob tatsächlich Blut in einem Anstrich enthalten ist, lasse sich relativ leicht feststellen, erklärt Stappel: Man schabt ein bisschen von der Farbe ab und hält sie über eine Flamme. Eine Farbe auf Blutbasis brennt oder verkokelt, während die gängigeren Ölfarben eher schmelzen. "Ich habe aber noch kein Haus erlebt, wo wirklich Blut verwendet wurde", so Stoppel.