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20.07.2011

Planbare Kunst der Illusion

Das Künstlerduo Strauss & Hillegaart macht mit riesigen Fassadenbildern von sich reden

"Farbe ist ein absolut geniales Medium. Man kann damit eine neue Welt schaffen", sagt Markus Hillegaart. Der Farbkünstler aus Cottbus muss es wissen: Seit dreizehn Jahren kreiert er mit seinem Kollegen Thomas Strauss riesige Fassadenbilder – eine Arbeit, die letztlich immer darauf hinausläuft, mit einigen Eimern Farbe etwas zu erzeugen, was eigentlich gar nicht da ist. Zwischen zwei Häuserzeilen tummeln sich dann plötzlich Fische in einem Aquarium, eine Kommode scheint Bestandteil eines Wohnblocks zu sein, eine junge Frau durchtaucht eine Hausfassade oder an der Wand erscheint die Blüte eines Klatschmohns als schlichtes Symbol des Sommers.

Strauss & Hillegaart schaffen Kunst an Orten, wo sie niemand erwartet hätte. Foto: Strauss & Hillegaart
Schrank, Foto: Strauss & Hillegaart

Die Arbeit des Künstlerduos ist vielfältig und vor allem eines: öffentlich. Die Bilder an der Fassade sorgen für Momente der Überraschung – an manchmal eher tristen Orten, an denen man kaum damit gerechnet hätte. Bis das Künstlerduo die optische Perfektion und auch die oft gewaltigen Dimensionen erreicht hatte, mit denen es sich heute einen Namen gemacht hat, war es ein weiter Weg: Strauss und Hillegaart sind reine Autodidakten, die einfach einmal zu probieren angefangen haben, "wie man mit dem Medium Farbe den größtmöglichen Fotorealismus erzielen kann", erzählt Hillegaart. Alle Techniken, künstlerisch wie handwerklich, mussten sie sich dazu selbst aneignen – angetrieben von der Faszination, die Farbe auf sie ausübte. Das hat irgendwann so gut funktioniert ("wir waren da sehr selbstbewusst"), dass die beiden ein Unternehmen gründeten.

Genau hier liegt die zweite Komponente für den Erfolg des Duos: Strauss und Hillegaart sind keine Künstler, die sich divenhaft in ihr Atelier zurückziehen und dieses nur für Aufträge verlassen, die gerade in ihre Künstlerbiografie passen. Sie sind vielmehr auch Unternehmer. Das Ergebnis dieser Synthese formuliert Hillegaart so: "Wir machen Kunst planbar."

Größten Wert legen die beiden Künstler von jeher auf eine fotorealistische Darstellung. Foto: Strauss & Hillegaart
Schrankdetail, Foto: Strauss & Hillegaart

Das bedeutet jedoch nicht, dass es keinen kreativen, künstlerischen oder auch scheinbar chaotischen Schaffensprozess geben würde. Solche Phasen gibt es selbstverständlich auch, wenn das Künstlerduo an einem Auftrag arbeitet und nach der zündenden Idee für ein Fassadenbild sucht. Doch was danach kommt, ist Organisation, generalstabsmäßige Planung und schließlich gutes Handwerk: Minutiös bereiten die beiden Farbkünstler die praktische Umsetzung ihrer Entwürfe vor, beschaffen die Farben, kümmern sich um die Vorbereitung der Baustelle, stellen Mitarbeiterteams zusammen, planen die Abläufe. "Je schneller die Arbeit vor Ort fertig ist, desto besser läuft es auch", lautet die Erfahrung des Duos. Nur mit solch guter Vorbereitung kann beispielsweise auch der Einfluss des Wetters auf den Zeitplan minimiert werden. Mitten auf der Baustelle noch völlig neue künstlerische Ideen zu entwickeln, passt nicht in dieses Konzept.

Für diese Berliner Zahnarztpraxis entwickelten Strauss & Hillegaart in Zusammenarbeit mit der Architektengruppe GRAFT zwei Wandmotive, die sich nur aus bestimmten Blickwinkeln unverzerrt erkennen lassen. Foto: Hiepler und Brunier
Zahnarztpraxis, Foto: Hiepler und Brunier

Diese Synthese aus Kunst und Unternehmertum ermöglicht es Strauss & Hillegaart überhaupt erst, an große Aufträge zu kommen. Denn auch wenn es sich bei dem Produkt, das sie verkaufen, um Kunst handelt: Gerade große Unternehmen entscheiden sich dafür erst, wenn vorab klar ist, was es kostet. Und diese Sicherheit können die beiden Cottbuser nur aufgrund ihres hohen Grades an Organisation und Vorbereitung bieten.

Diese Erfahrung und Routine tut auf der anderen Seite auch der künstlerischen Seite der Arbeit gut, berichtet Hillegaart. "Es stellt sich eine gewisse Art von Ruhe ein", erklärt der Künstler, und diese könne hilfreich sein, Projekte kreativ weiterzuentwickeln. So haben sich im Lauf der Jahre immer mehr auch Möglichkeiten ergeben, an Projekte zu kommen, "die wir selbst mit Inhalt füllen können." Ein vermeintlich kleines Projekt kann sich so zu einer größeren künstlerischen Herausforderung entwickeln als manches große. (ud)