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08.08.2007

Pullover wechselt Farbe an der Sonne

Australische Forscher entwickeln Farbstoffe für Wolle, die unter UV-Licht ihren Ton ändern

Aus blau wird schwarz, oder aus schwarz wird rot: Der Wollpullover der Zukunft kann seine Farbe ändern, wenn sein Träger mit ihm in die Sonne geht oder sich unter das Schwarzlicht in einer Diskothek begibt. Das ist die Vision der Wissenschaftlerin Tong Cheng von der australischen Deakin-Universität, die Farbstoffe für Wolle entwickelt hat, die ihren Ton unter Einfluss von ultraviolettem Licht ändern. Designern sollen sich so ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen und zudem Wolle in der Mode zu einem trendigeren Image verhelfen.

Farbige Wolle: Neue fotochrome Farbstoffe könnten ganz neue Trends in der Mode setzten. Foto: Mikromaus, PhotoCase.com
Farbige Wolle: Neue fotochrome Farbstoffe könnten ganz neue Trends in der Mode setzten. Foto: Mikromaus, PhotoCase.com

Farbstoffe, die ihre Farbe je nach Lichteinfall ändern, werden fotochrom genannt und sind in der Technik längst bekannt. Eingesetzt werden sie beispielsweise in Sonnenbrillen, die sich mit zunehmender Sonneneinstrahlung verdunkeln. Auch Färbemittel für Textilien wie Baumwolle haben Forscher bereits entwickelt. Solche Farbstoffe jedoch mit traditionellen Methoden in Wollfasern zu bringen und dort dauerhaft festzuhalten, ist bisher an den besonderen Eigenschaften der Materialien gescheitert.

Bei dem nun von Cheng und ihren Kollegen entwickelten Verfahren finden die Farbstoffe nicht in der Faser selbst Halt, sondern in einem Polymer mit einer großen Anzahl winziger Poren, die den Farbstoff festhalten. Eine solche Kunststoffverbindung wird auf die Wollfasern aufgetragen und haftet so fest an ihr, dass sie auch durch Waschen nicht entfernt werden kann.

Eine Herausforderung für die Entwickler war die Suche nach dem richtigen Polymer: Sind dessen Poren zu groß, werden die Farbstoffe leicht ausgewaschen, sind sie zu klein, können sie keinen Farbstoff aufnehmen. Auch darf das Polymer die Trage- und Wascheigenschaften der Wolle nicht beeinträchtigen und muss zudem den Farbstoffen ermöglichen, unter dem Einfluss von ultraviolettem Licht ihre Farbe zu wechseln. Ein solcher Farbwechsel entsteht dadurch, dass das energiereiche Licht die Struktur des Farbstoffs verändert und er so andere Wellenlängen des sichtbaren Lichts absorbiert. Dieser Vorgang läuft bei den von den australischen Forschern eingesetzten Farbstoffen innerhalb von zwei bis drei Sekunden ab.

Die mit dem neuen Verfahren gefärbte Wolle sei von herkömmlichen Textilien nicht zu unterscheiden, erklärt Cheng, und behalte auch ihre ursprüngliche Weichheit und Farbbeständigkeit. Cheng kann sich vorstellen, dass Designer die Wolle in T-Shirts einsetzen, die ihr Muster erst an der Sonne zeigen oder unter dem Schwarzlicht einer Diskothek. Das könnte Modeherstellern neue Möglichkeiten im Design und im Marketing ermöglichen.

Bei der Untersuchung der mit dem neuen Verfahren gefärbten Wolle entdeckten die Forscher noch einen positiven Nebeneffekt: Das eingesetzte Polymer wirkt als zusätzlicher Absorber für die ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts, sodass damit eingefärbte Textilien nahezu UV-dicht sind. Das schützt den Träger vor Sonnenbrand und einem erhöhten Hautkrebsrisiko.