21.01.2009

Rätselhaftes Schwarzweißprinzip

Warum Zebras so kontrastreiche Fellfarben haben, darüber spekulieren Biologen noch immer

Haben Zebras weiße Streifen auf schwarzem Grund? Oder sind es schwarze Streifen auf weißem Grund? Diese Kindern gern gestellte Aufgabe bringt Biologen zwar sicherlich nicht ins Grübeln – dass die zweite Antwort richtig ist, offenbart ein Blick auf ein Zebra-Hinterteil sofort. Doch bei der Antwort auf die Frage nach dem Sinn und Zweck dieser Streifen können sie auch nach mehr als einem Jahrhundert der Forschung nur spekulieren. Und so markant das Schwarzweißmuster ist, so vielfältig und ausgefallen sind die Spekulationen über deren Funktion.

Foto: Svdmolen, wikipedia.de (Creative Common Licence

Einen evolutionären Sinn muss das Schwarzweißmuster der Zebras haben - welchen, darüber rätseln Forscher seit langem. Foto: Svdmolen, wikipedia.de (Creative Common Licence

Foto: M. Tauwaldt


Von hinten ist es sofort klar: Zebras haben schwarze Streifen auf weißem Grund. Foto: M. Tauwaldt

 


Eine der Hypothesen lautet, die Streifen könnten den Tieren bei der Tarnung helfen, wenn unter den Bäumen der Savanne Muster von Licht und Schatten entstehen. Diese Erklärung wäre eigentlich schlüssig, würden sich die Zebras tatsächlich überwiegend unter Bäumen aufhalten wie der Zebraducker, eine kleine Antilopenart, oder wie so manches ebenfalls gestreifte Beuteltier. Doch die Zebras ziehen häufig in den weiten Steppenlandschaften Afrikas umher, wo nur wenige Bäume für Schattenspiele sorgen.

Ebenfalls wenig plausibel erscheint auch die Hypothese, die Streifen dienten der Kühlung: Da sich das weiße Fell in der Sonne weniger stark aufheizt als das schwarze, könnte durch das Muster ein kühlender Luftstrom entstehen, lautet die Idee. Das Gewebe unter den schwarzen Streifen scheint tatsächlich mehr Fett zu enthalten und daher besser vor dem Eindringen von Wärme zu schützen. Dass jedoch die These vom kühlenden Luftstrom tatsächlich stimmt, konnte bisher kein Forscher nachweisen.

Beliebt unter Zoologen ist auch die Vermutung, die Streifen dienten den Tieren als Erkennungsmerkmal. Da die Muster individuell einzigartig sind wie ein Fingerabdruck, könnten sich die Tiere schon auf größere Entfernungen anhand der Muster identifizieren. Möglicherweise ist das Streifenmuster auch ein identitätsstiftendes Merkmal der Zebragruppen, die häufig bunt gemischt mit Gnus und anderen Antilopen grasen. Droht dann nämlich Gefahr in Gestalt eines Löwen oder eines anderen Räubers, fliehen die Tiere nicht in einer wild zusammengewürfelten Herde, sondern beginnen, sich nach ihrer Art zu sortieren.

In dieser Massenpanik wäre ein markantes Streifenmuster tatsächlich ein willkommenes Orientierungsmerkmal für die Tiere, um Artgenossen zu erkennen und sich nicht versehentlich etwa der Gnuherde anzuschließen.

Das flimmernde Schwarzweiß der fliehenden Herde könnte aber auch auf die Angreifer abschreckend und verwirrend wirken, lautet eine weitere Hypothese: Die Räuber – meistens dürfte es sich um Löwen handeln – würden davon so verunsichert, dass sie nicht mehr wüssten, welches Tier sie sich als Opfer ausgesucht hätten. Doch auch das ist bisher nur Spekulation, für die auch schwerlich experimentelle Daten zu erheben sind.

Mit wenigstens etwas Statistik untermauert ist hingegen die Vermutung, die Streifen könnten Tsetsefliegen fernhalten. Diese Insekten sind gefürchtet, da sie bei Menschen die Schlafkrankheit und bei Zebras wie auch bei Nutzvieh die potenziell tödliche Nagana-Krankheit übertragen. Tatsächlich werden Zebras deutlich seltener von Tsetsefliegen und anderen Blutsaugern gebissen und gestochen als einfarbige Antilopen, zeigen Untersuchungen. Seltsamerweise werden Zebras jedoch von Tsetsefliegen häufiger am helleren Bauch attackiert als an anderen Stellen – obwohl die Fliegen ebenso wie Stechmücken sonst eher dunkle Oberflächen anfliegen.

Welche dieser Hypothesen nun tatsächlich zutrifft, das kann bisher noch kein Wissenschaftler sicher sagen. Es war wohl eine Kombination mehrerer dieser Vorteile, die im Lauf der Evolution die Streifen entstehen ließ. (ud)