30.08.2006

Rio hat das strahlendste Blau

Forscher ermitteln den Ort mit der intensivsten Farbe des Himmels

Wo auf der Welt hat der Himmel das kräftigste Blau? Dieser Frage gingen Forscher des britischen National Physical Laboratory im Auftrag einer britischen Reiseagentur nach. Über 100.000 Kilometer legte die Wissenschaftlerin Anya Hohnbaum zurück, um an 25 Orten der Welt die Lichtstärke der Wellenlänge für die Farbe Blau zu bestimmen. Das Ergebnis: Über Rio de Janeiro hat der Himmel die intensivste Färbung.

Über der Jesus-Statue von Rio ist der Himmel am blausten, sagen britische Forscher. PhotoCase.com
Über der Jesus-Statue von Rio ist der Himmel am blausten, sagen britische Forscher. Foto: PhotoCase.com

Das Licht der Sonne ist eigentlich weiß. Erst wenn sich das Licht bricht oder streut, kann der Mensch die einzelnen Spektralfarben wahrnehmen. Und um zur Erde vorzudringen, müssen sich die Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre kämpfen, dabei streuen die Luftmoleküle das Licht. Dieser Streuungseffekt ist bei kurzwelligem blauem Licht stärker als bei rotem, langwelligen. Während sich daher das rötliche Licht eher geradlinig durch die Atmosphäre bewegt, wird das Blau in alle Richtungen gestreut – auch auf die Erdoberfläche. Daher erscheint der Himmel blau. Befindet sich in den oberen Schichten der Atmosphäre viel kondensierte Flüssigkeit, dann entsteht eine eher weißlich-blaue Farbe.

Das Messinstrument, mit dem Anya Hohnbaum auf Weltreise ging, war ein so genanntes Kolorimeter. Dieses tragbare Messgerät richtete sie immer im gleichen Winkel zur Sonne aus und bestimmte so das Farbspektrum des aufgefangenen Lichts. Der Vergleich der Messwerte ergab: Rio de Janeiro kann nicht nur mit der Copacabana und dem Zuckerhut aufwarten, sondern auch mit dem blausten und klarsten Himmel der Erde.

Hier ist der Streuungseffekt der Atmosphäre am günstigsten, und auch wenig Wassertröpfchen und Staub schwächen das strahlende Blau. Gefolgt wird der Spitzenreiter vom Himmel über Neuseeland und Australien. Die letzten Plätze belegen erstaunlicherweise sonnenverwöhnte Regionen wie Kalifornien oder die Karibik. In Deutschland führte Hohnbaum zwar keine Messungen durch, aber hier ist der Himmel wohl ähnlich matt, wie es die Messwerte für England und Italien zeigten.