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29.06.2005

Rot aus einer Pflanzenwurzel: Krapp

Schon im Altertum galt die Färberröte als Alternative zum kostbaren Purpur.

Aus den Wurzeln des äußerlich eher unscheinbaren Färberkrapps lässt sich ein leuchtend rotes Pigment gewinnen, das bereits seit Jahrtausenden zum Färben von Textilien und in der Kunst eingesetzt wird. Seit dem Mittelalter galt Krapp als wichtigster Lieferant roten Farbstoffs und wurde europaweit intensiv angebaut. Doch damit war es Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend vorbei, denn das Pigment war einer der ersten natürlichen Farbstoffe, die künstlich hergestellt werden konnten.

Neben dem blauen Indigo ist Krapp einer der ältesten und bedeutendsten Pflanzenfarbstoffe. In den Wurzeln der Färberröte Rubia tinctoria, auch Färberkrapp genannt, ist der äußerst lichtbeständige rote Farbstoff Alizarin enthalten. Die bis zu einem Meter hohe Staude ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Rötegewächse. Ab dem dritten Jahr können die Wurzeln zur Gewinnung des Pigments gesammelt und getrocknet werden. Das frische Holz der Wurzel hat eine eher gelbliche Farbe. Alizarin entsteht erst beim Trocknen, weshalb das Rot auch erst dann zum Vorschein kommt. In reiner Form bildet Alizarin, das chemisch in die Gruppe der Anthrachinone gehört, Kristalle in Rot-Orange, die in Wasser schlecht, in Alkohol dagegen relativ gut löslich sind. Einer der ältesten Nachweise für die Krappfärberei stammt aus einem mehr als 3.000 Jahre alten Pharaonengrab: Auf einem Gürtel aus dem Grab Tutenchamuns fanden sich Spuren von Alizarin. In der Antike war die Pflanzenfarbe weit verbreitet – bei Griechen und Römern finden sich Aufzeichnungen, in denen über die Verwendung von Krapp zur Färbung von Wolle und Leder berichtet wird. In zwei Handschriften aus dem 3. Jahrhundert vor Christus wird Krapp als Färbemittel für Rot erwähnt. Die Römer nutzen Krapp als günstigen Ersatz für den kostbaren Purpur, der mühsam aus Purpurschnecken gewonnen wurde.

Auch im Mitteleuropa des Mittelalters war Krapprot ein beliebtes Färbemittel, aber ebenso eines der wenigen Pflanzenpigmente, die auch von Kunstmalern enorm geschätzt wurden. Es ließ sich etwa gut in Öl- und Leimfarben verwenden und hielt aufgrund seiner hohen Lichtbeständigkeit Einzug in die mittelalterliche Tafelmalerei. Um 800 nach Christus verordnete Karl der Große den Anbau der Färberröte. Wichtige Anbaugebiete im 12. und 13. Jahrhundert lagen in den Niederlanden und im Elsass. Weltberühmt war der Elsässer Krapp, der zum damaligen Reichtum von Straßburg beigetragen haben soll.

Der Farbstoff Alizarin bildet rötliche Kristalle, die sich als Farbpigmente für Textilien und in der Kunst eignen. Alizarin war einer der ersten Farbstoffe, die synthetisch hergestellt werden konnten.
Der Farbstoff Alizarin bildet rötliche Kristalle, die sich als Farbpigmente für Textilien und in der Kunst eignen. Alizarin war einer der ersten Farbstoffe, die synthetisch hergestellt werden konnten.

Später im 15. Jahrhundert liefen die Niederlande den Franzosen die führende Stellung im Krappanbau ab. Als jedoch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der französische König Ludwig Philipp befahl, französische Truppen mit krappgefärbten Hosen auszustatten, erlebte der Krappanbau in Frankreich eine erneute Blüte und Frankreich konnte seine Position zurückerobern.

Der Aufschwung währte allerdings nicht lange, denn 1869 gelang es den deutschen Chemikern Carl Graebe und Carl Liebermann, Alizarin erstmals synthetisch aus Steinkohleteer herzustellen. 1871 kam das synthetische Alizarin auf den Markt und verdrängte das Naturprodukt recht schnell. In reiner Form ist das Kunstprodukt noch beständiger als das natürliche Krapppigment, denn letzteres enthält außer Alizarin noch weitere farbgebende Stoffe, die weniger haltbar sind. Heute ist natürlicher Krapp selten anzutreffen. Nur wenige Pflanzenfärber bedienen sich noch des pflanzlichen Pigments.

Krapp ist ein Beizenfarbstoff, was bedeutet, dass die zu färbenden Textilien eine Vorbehandlung mit Beizenstoffen benötigen. Nur so kann sich die Farbe dauerhaft an die Fasern binden. Die Wahl der Beize und des Materials beeinflussen den endgültigen Farbton. Häufig wurde als Beizmittel das Aluminiumsalz Alaun verwendet, was bei der Krappfärbung auf Wolle und Baumwolle zu einem reinen Rot führt. Mit Eisenbeize werden die Farbtöne eher gelb. Verwendet man dagegen Zinnsalze, erhält der Stoff eine eher violette Tönung. Auf Seide wiederum bewirken die Zinnionen eine mehr ins Orange gehende Farbe.

Ein bekanntes und lange geheim gehaltenes Färbeverfahren mit Krapp ist die Türkischrotfärberei. Über einen sehr komplizierten Färbevorgang schufen die Türken mit Krapp ein beeindruckend feuriges Rot, das sich zudem durch eine außergewöhnliche Beständigkeit auszeichnete. Erst im 17. Jahrhundert wurde das Geheimnis der Türkischrotfärberei gelüftet – in Frankreich. Der Trick liegt in einer langen Folge aufwändiger Arbeitsschritte, die früher ganze 26 Tage in Anspruch nahm: Die Baumwolle wird dazu noch vor dem Beizen mit ranzigen Pflanzenölen und Pottasche behandelt. Türkische Einwanderer verrieten dieses Verfahren und brachten damit einen Aufschwung für den Krappanbau im Elsass und der Provence.