21.08.2013

Rot in der Nacht für ausgeglichene Tage

Wie die Farbe der nächtlichen Beleuchtung die Stimmung beeinflusst

Wer in den Nachtstunden oft und lange wach sein muss, sollte für die Beleuchtung möglichst rotes Licht wählen. Weißes oder blaues Licht könnte sich negativ auf die psychische Verfassung auswirken, sagen amerikanische Wissenschaftler. Die Forscher hatten an Hamstern untersucht, wie die nächtliche Beleuchtung in den verschiedenen Farben das Gefühlsleben der Tiere beeinflusste und waren dabei auf deutliche Unterschiede gestoßen. Das Licht wirkt auf die sogenannten Fotosensitiven Ganglienzellen im Auge, vermuten die Wissenschaftler. Diese Sinneszellen haben Einfluss auf die Taktung der inneren Uhr und wohl auch auf die Psyche. 

Das Schlafverhalten von Hamstern weist viele Ähnlichkeiten mit dem des Menschen auf. Foto: ti.Na, Photocase.com
Foto: ti.Na, Photocase.com

In ihren Experimenten setzten die Wissenschaftler von der Staatsuniversität von Ohio in Columbus den Hamstern im Labor vier Wochen lang in der Nacht entweder rotem, blauem oder weißem Licht aus. Eine vierte Gruppe von Tieren verbrachte die Nächte hingegen in völliger Dunkelheit. Die Forscher untersuchten die Nager anschließend auf depressionsähnliche Symptome. Trinken die Hamster beispielsweise weniger Zuckerwasser als gewöhnlich, so könnte dies auf negative Stimmungen hindeuten.

Anschließend begutachteten die Wissenschaftler die sogenannten Dornfortsätze in den Nervenzellen im Gehirn der Tiere. Diese haarfeinen Fortsätze leiten Signale von Zelle zu Zelle weiter. Eine geringe Dichte deutet auf eine Neigung zu depressiven Gefühlslagen hin, erklärt Randy Nelson, einer der an der Studie beteiligten Wissenschaftler.

Worauf bereits die Menge konsumierten Zuckerwassers hindeutete, fanden die Forscher bei den Hamstern, die blauem Licht ausgesetzt waren, die stärksten Symptome für depressive Verstimmungen. Auf Platz zwei lagen die Nager, die ihre Nächte unter weißem Licht verbracht hatten, gefolgt schließlich von den Tieren unter rotem Licht. In der besten psychischen Verfassung schienen sich hingegen jene Hamster zu befinden, die ihre Nächte in völliger Dunkelheit verbringen konnten.

Rotes Licht stört offenbar den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus und damit auch das psychische Wohlbefinden am wenigsten. Foto: dutch-man, Photocase.com
Glühlampe. Foto: dutch-man, Photocase.com

Den Auslöser für die psychische Wirkung des Lichts vermuten die Wissenschaftler in den Fotosensitiven Ganglienzellen im Auge. Dieser dritte Typ von lichtempfindlichen Zellen – bekannt sind daneben die Stäbchen und die Zapfen – ist nicht direkt für die visuelle Wahrnehmung zuständig. Die erst in den 1990er Jahren entdeckten Zellen steuern vielmehr die sogenannte circadiane Rhythmik vieler Tiere und auch des Menschen – jenen Takt, der durch den Wechsel von Tag und Nacht vorgegeben ist. Studien deuten darauf hin, dass die Ganglienzellen jedoch auch auf die Gehirnregionen einwirken, die die psychische Verfassung bestimmen. Dass die Ganglienzellen auf blaues Licht am stärksten und auf rotes am schwächsten ansprechen, wäre eine Erklärung für die beobachteten Unterschiede im Gefühlsleben der Hamster.

Die Ergebnisse seien durchaus auch auf den Menschen übertragbar, erklären Nelson und seine Kollegen: Schichtarbeiter oder Menschen, die nachts am Computer oder an anderen Geräten arbeiten müssten, sollten rotes Licht bevorzugen. (ud)