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10.10.2012

Roter Kern mit Charakter

Das einst verschmähte Holz rotkerniger Buchen wird heute im Möbelbau sehr geschätzt

Was heute noch als hässlich gilt, kann schon morgen als besonders schön geschätzt werden. Das gilt nicht nur in der von kurzlebigen Trends geprägten Mode, sondern auch in einem so bodenständigen Feld wie dem Möbelbau. Ein prominentes Beispiel ist das Holz rotkerniger Buchen: Vor einem Jahrzehnt noch als mangelhafte Ware aussortiert und zu Billigpreisen verramscht, kommt es heute selbst in teuersten Designmöbeln zur Anwendung. Designer schätzen das Holz nun wegen des individuellen Charakters seiner Rotfärbung.

Trocknet das Holz im Kern eines Buchenstammes aus, kann es sich durch chemische Umbauprozesse rot färben. Foto: Denny Ohnesorge, CC-Lizenz
Kernbuchen, Foto: Denny Ohnesorge, CC-Lizenz

Das Holz rotkerniger Buchen stammt nicht etwa von einer eigenen Baumart, sondern von der Rotbuche, der einzigen in Mitteleuropa heimischen echten Buchenart. Ihr Holz ist – der Name lässt es vermuten – rötlich, doch der eigentliche Rotkern tritt nicht bei allen Bäumen auf. Er zeigt sich bei einem Schnitt durch den Stamm als rötlich-bräunlicher Kreis um den Stamm-Mittelpunkt. Junge Bäume im Alter von unter hundert Jahren sind nur selten davon betroffen. Das Phänomen tritt erst bei älteren Exemplaren mit entsprechenden Stammdurchmessern von fünfzig Zentimetern und mehr auf. Doch kann es durchaus auch zweihundert Jahre alte Bäume ohne markanten Rotkern geben.

Wie es zu dieser Verfärbung im Innern des Holzes kommt, ist bis ins letzte Detail noch nicht erforscht. Sicher ist, dass die Rotfärbung auf Abbau- und Umwandlungsprozesse des Stammes zurückgeht: Hat der Baum eine gewisse Dicke erreicht, sterben die Zellen in seinem Innern ab. Der Kern wird trocken, Luft dringt ein und die Bestandteile des Holzes wie beispielsweise Stärke werden chemisch umgewandelt. Dabei bilden sich auch die farbgebenden Stoffe, die den Kern des Stammes schließlich rot färben.

Wegen seiner lebendigen Struktur ist rotkernige Buche inzwischen auch als Furnierholz für den Möbelbau sehr beliebt. Foto: ud
Buchenfurnier, Foto: ud

Da diese Umwandlung nicht gleichmäßig und einheitlich abläuft, entsteht dabei in jedem Baum ein individuelles Muster aus Rot- und Brauntönen. Geprägt wird dieses nicht nur vom Alter des Baumes, sondern auch von äußeren Einflüssen wie dem Standort, eindringenden Pilzen oder von Verletzungen der Rinde.

Qualitativ hat der Rotkern auf die Verarbeitung als Möbelholz keinen Einfluss: Das rotkernige Holz ist ebenso fest und dauerhaft wie helles, gleichmäßig gemasertes Buchenholz. Es ist einzig eine Frage der Ästhetik und des Geschmacks, ob es im Möbelbau eingesetzt wird. Dort war es lange Zeit eher verpönt – zum Leidwesen der Forstverwaltungen, die in vielen Revieren riesige Buchenbestände mit einem entsprechend hohen Anteil rotkernigen Holzes zu bewirtschaften haben.

Buchenaltbestände können nur dann ertragreich bewirtschaftet werden, wenn auch ein Markt für rotkerniges Holz vorhanden ist, sagen Forstwirte. Foto: EINS23, Photocase.de
Buchenwald, Foto: EINS23, Photocase.com

Lange Zeit konnten Förster mit diesem Holz auf dem Markt lediglich Preise erzielen, die um 30 bis über 50 Prozent unter dem Marktpreis von Buchenholz ohne rötliche Verfärbungen lag. In mehreren Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachen und Baden-Württemberg, wurden daher sogenannte Rotkern-Initiativen gegründet. Sie werben für den Einsatz von rotkernigem Buchenholz und verweisen dabei auch auf ökologische Gründe: Die gewünschten Buchen-Altbestände könnten nur dann sinnvoll bewirtschaftet werden, wenn auch ein Markt für das anfallende Holz vorhanden ist. 

Der Erfolg der Initiativen scheint nicht ausgeblieben zu sein: Möbel aus rotkernigem Buchenholz sind heute nicht nur bei Anbietern von Biomöbeln zu finden, sondern auch bei Designermöbeln und Ausstattern edler Küchen und Wohnungseinrichtungen. Die steigende Nachfrage hat sich auch auf die Preise ausgewirkt – aus der einst verschmähten rötlichen Ware ist ein gefragtes Trendholz geworden. (ud)