04.01.2012

Schrille Buntheit gegen das Grau des Alltags

Der Pop-Art-Künstler James Rizzi hat in seinen ungezählten Arbeiten Farbe in das urbane Leben gebracht

Am liebsten hätte er ganze Städte mit seinen bunten Mustern und Figuren vollgemalt: Der New Yorker Pop-Art-Künstler James Rizzi war nicht nur ungeheuer produktiv, er hat auch die verschiedensten Dinge des urbanen Lebens mit seinen Motiven versehen – Häuser, Autos, Rollkoffer, Regenschirme, Turnschuhe, Bücher, Straßenbahnen, Briefmarken und einmal sogar eine Boeing 757. Seine Botschaft: "Ich glaube einfach, dass die Leute die Fröhlichkeit in meinen Bildern mögen. Meine Arbeit bringt die Menschen zum Lachen", erklärte Rizzi in einem Interview. An Weihnachten 2011 starb der auch in Deutschland beliebte Pop-Art-Künstler im Alter von 61 Jahren in seinem New Yorker Atelier.

Das "Happy Rizzi House" in Braunschweig gehört zu den bekanntesten Arbeiten Rizzis in Deutschland. Foto: temporalata, CC-Lizenz
Happy-Rizzi-House, Foto: temporalata, CC-Lizenz

In seiner Geburtsstadt New York verbrachte Rizzi nicht nur fast sein gesamtes Leben, die Metropole war ihm auch eine stete Quelle der Inspiration und Energie. Eines seiner bekanntesten Werke etwa trägt den sperrigen Titel: "New York City is a great place to be but best of all is the people you see" – "New York ist ein großartiger Ort zum Leben, aber das Beste daran sind die Menschen". Und so zeigt das Bild in rechteckige Rahmen gepresste Hochhäuser, Menschen, Gesichter, Autos und die berühmten gelben New Yorker Taxis. So bunt und farbenfroh wie das Leben in der Stadt, so intensiv hat er die typischen Motive der Stadt in dem Bild auf engstem Raum verdichtet.

Der 1950 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene Rizzi hatte ab 1969 an der Universität von Florida in Gainesville Kunst studiert. Erstmals öffentlich gezeigt wurden seine Werke 1973 in New York, was wohl auch den Ausschlag gab, in seine Heimatstadt zurückzukehren. 1975 bezog er im New Yorker Stadtteil SoHo ein Atelier, in dem er auch lebte und seine Arbeiten verkaufte. Seine Popularität wuchs mit zahlreichen Ausstellungen und der Mitarbeit in den verschiedensten Projekten, unter anderem bei Musikvideos.

"Grüße für jeden Anlass" hieß die 2008 erschienene Briefmarkenserie. Repro: public domain
Briefmarke, Repro: public domain

Internationale Bekanntheit erlangte Rizzi in den 1990er-Jahren, unter anderem durch den deutschen Boxer Henry Maske, für den er 1993 einen Boxermantel gestaltete. 1996 wurde Rizzi offizieller Künstler der Olympischen Sommerspiele in Atlanta. Im selben Jahr gestaltete er auch eine Boeing 757 der deutschen Fluggesellschaft Condor, die einige Jahre lang als "Rizzi Bird" die Blicke von Flugpassagieren auf sich zog.

In Deutschland hat Rizzi viele seiner bekanntesten Arbeiten veröffentlicht. Gestaltet hat er unter anderem einen Volkswagen "New Beetle", die Neuauflage des legendären Käfers, eine Sonderausgabe des "Brockhaus" und eine Straßenbahn, die als "Rizzi-Bahn" bis heute zwischen Heilbronn und dem Nordschwarzwald verkehrt.

James Rizzi gestaltete mit seinen typischen urbanen Motiven auch die Kuppel des CentrO. Shoppingcenters in Oberhausen. Foto: public domain
Rizzi-Kuppel, Foto: public domain

Aufsehen erregte auch das 2001 eröffnete "Happy Rizzi House" in Braunschweig, das der Künstler anlässlich der Expo 2000 in Hannover gestaltet hatte. Nicht nur unter Briefmarkenfreunden beliebt sind auch die 2008 von Rizzi gestalteten Sondermarken "Grüße für jeden Anlass". Kaum jemand in Deutschland also, der nicht schon Arbeiten von James Rizzi begegnet ist – wenn auch der Name des Künstlers bei Weitem nicht so bekannt ist wie dessen Kunst selbst.

Schrill und bunt wie die urbane Welt sind auch die Farben, die Rizzi in seinen Arbeiten einsetzt: Grell rosa Herzen fliegen über die Fassade des Happy Rizzi Houses in Braunschweig, weiße Wölkchen segeln auf dem New Beetle vor einem knallblauen Himmel, eine leuchtend gelbe Sonne strahlt auf den Briefmarken eine lächelnde Mondsichel an, und vom Rizzi Bird winken Menschen in schrillen Kleidern den neugierigen Betrachtern zu.

Wo sich die meisten Designer Gedanken um eine dezente und wohl dosierte Farbgestaltung gemacht hätten, hat Rizzi Farbe mit geradezu verschwenderischer Großzügigkeit eingesetzt: Seine Herzen, blinzelnden Augen, seine Sternchen, Fische, Vögel, Wolkenkratzer, seine Autos und lachenden Münder mussten selbstverständlich bunt sein. (ud)