08.02.2012

Schwarz als Frage der Ehre

Warum Richter und Anwälte bis heute dunkle, aber manchmal auch farbige Roben tragen

Als zimperlich war Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der "Soldatenkönig", nicht gerade bekannt. Und ein Freund von Anwälten scheint er auch nicht gewesen zu sein, ließ er doch im Dezember 1726 eine Kabinettsorder verbreiten, man möge die windigen unter ihnen am besten gleich "ohne Gnade und Pardon aufhängen". Kaum zu glauben, dass eine weitere Passage dieser Order bis heute nachwirkt: Da heißt es nämlich mit kaum zu überlesener Gehässigkeit: "Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, daß die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt." Das – so zumindest wird es immer wieder erzählt – ist einer der Gründe, dass Anwälte und Richter bis heute eine Robe tragen.

Bundesverfassungsgericht, Foto: Lothar Schaack, CC-Lizenz
Die Talare der Richter am Bundesverfassungsgericht sind mit Sicherheit das Eindrucksvollste, was die Robenkultur in Deutschland zu bieten hat. Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F083311-0002 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA, CC-Lizenz

Natürlich waren die langen Gewänder keine Erfindung des Soldatenkönigs, des Vaters des "Alten Fritz". Schon seit dem Mittelalter tragen Gelehrte lange, meist schwarze Mäntel, außerhalb der Rechtssprechung heute meist Talare genannt. Der bitterböse Erlass des Preußen scheint auf jeden Fall Wirkung gezeigt zu haben – hat sich in Deutschland doch eine blühende Roben-Kultur entwickelt. Deren Geschichte von Friedrich Wilhelm bis heute in allen Varianten und Ausprägungen zu erzählen, würde Bände füllen. Zu groß ist die Vielfalt der Kammern und Gerichte in den 16 Ländern der Republik.

Doch aus dem Heer der Roben an deutschen Gerichten stechen einige farbig besonders hervor: Am bekanntesten sind die scharlachroten Roben des Bundesverfassungsgerichts. Eindrucksvoll ist der Auftritt der obersten Hüter der Verfassung schon allein durch die Zahl von acht Richtern pro Senat. Diese tragen nicht nur Roben, sondern auch ebenso rote Barette und weiße Halsbinden, sogenannte Jabots. Dieser Aufzug ist jedoch nicht historisch gewachsen, sondern ein Kunstprodukt: Das Karlsruher Modeatelier Zangl hatte ihn Anfang der 1950er-Jahre nach dem Vorbild einer Florentiner Amtstracht aus dem 15. Jahrhundert entworfen. Die ganz besonders auffälligen Roben sollten der besonderen Bedeutung des Gerichts in der damals noch jungen Bundesrepublik Rechnung tragen.

Schwarze Robe, Foto: 103II, CC-Lizenz
Die Roben der ordentlichen Gerichtsbarkeit sind heute in der Regel schwarz. Foto: 103II, CC-Lizenz

Rot tragen jedoch nicht nur die Richter am Bundesverfassungsgericht, sondern auch andere hohe Bundesrichter, darunter die Richter des Bundessozial- und des Bundesarbeitsgerichts, des Bundesfinanzhofs und des Bundesgerichtshofs. Nicht ganz so spektakulär – da in gedeckten Farben – sind hingegen die Roben von Patentrichtern und -anwälten gehalten: Sie tragen schwarz mit blauen Besätzen an der Knopfleiste und an den Ärmeln. Ebenfalls schwarze Roben, aber mit violetten Besätzen, tragen die Sozialrichter in manchen Bundesländern. Rote Besätze zum Schwarz der Robe haben unter anderem die Richter des Staatsgerichtshofs in Niedersachsen.

Ungewöhnlich ist hingegen die Farbe der Richter des Verfassungsgerichtshofs in Sachsen: Sie tragen grüne Roben mit grünen Besätzen und unterscheiden sich damit von allen anderen Vertretern der Rechtsprechung. In Schleswig-Holstein schließlich sind bei den Landesverfassungsrichtern graue Roben mit schwarzen Besätzen anzutreffen.

Passend zu den Roben waren lange Zeit noch entsprechende Barette in Gebrauch. Diese waren mit silbernen oder goldenen Litzen versehen, aus denen sich der Rang des jeweiligen Richters ablesen ließ. Doch seit den 1960er-Jahren verschwanden die Barette nach und nach aus den deutschen Gerichten.

Auch wenn die Vielfalt der Farben bei den Roben in deutschen Gerichtssälen groß ist: Die meisten Roben sind schwarz mit schwarzen Besätzen, denn sie werden von den Richtern der sogenannten ordentlichen Gerichtsbarkeit getragen. Dazu gehören die Straf- und Zivilkammern von Amts-, Land- und Oberlandesgerichten, die den zahlenmäßig weitaus größten Anteil der Gerichte ausmachen. Schwarz tragen übrigens auch die meisten Rechtsanwälte – die damit bis heute mehr oder minder freiwillig die gehässige Order des "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm erfüllen. (ud)