13.06.2007

Silber ist ewig Zweiter und doch ein Zeichen von Eleganz

Mit der Bezeichnung assoziieren die meisten das Edelmetall – als Farbe steht es für Kühle, Technik, Intellekt und Klarheit

Silber, das ist immer nur der zweite Platz. Ewig steht es im Schatten seines Konkurrenten Gold. In den meisten Betrachtungen geht es um den Vergleich der beiden Edelmetalle – und Silber schneidet meistens schlechter ab. Zu Unrecht, denn Silber ist nicht nur das am meisten verwendete Edelmetall, sondern kann auch in seiner Farbbedeutung gegenüber dem Gold auftrumpfen. Wo Gold protzig wirkt, glänzt Silber klar und rein. Es reflektiert hervorragend das Licht und ist daher nicht nur wichtigster Bestandteil in Spiegeln, sondern bringt andere Farben in seiner Umgebung zum Leuchten.

Foto: Audi AG/AudiTradition

Die Silberpfeile von Mercedes waren in den 1930er-Jahren legendär auf den Rennstrecken Deutschlands - wenn auch die Farbe nur dem Zufall geschuldet war. Foto: Audi AG/AudiTradition

Foto: Latina16, PhotoCase.com

Als Schmuck wirkt Silber nie protzig - im Gegensatz zum Gold.
Foto: Latina16, PhotoCase.com

 

Silbern sickert das Mondlicht durch die Fenster. Silbern tanzen die Wellen auf dem Wasser und silbern schimmert der Schnee in der Sonne. Leuchtkraft, Klarheit und Kühle sind in der Farbe Silber vereint. Dementsprechend erklingt eine klare Stimme silbern. Auch ein klarer, kühler Verstand wird mit dieser Farbe assoziiert. Alchemisten ordneten Silber dem Mond zu – und wie diesem wurden dem Silber allerlei magische Kräfte zugeschrieben: So hieß es, man könne einen Werwolf nur mit einer Silberkugel töten. Heute stehen eher die medizinischen Vorteile im Vordergrund. Silber ist antibakteriell und kommt bei Oberflächenbeschichtungen und Cremes zum Einsatz. Es kann also gut sein, dass im Laufe der kommenden Jahre Silber neue Eigenschaften zugesprochen werden, wie "rein" oder "gesund".

Eine schon bekannte Eigenschaft der silbernen Farbe wird bereits seit vielen Jahren eingesetzt: In Kälteverpackungen sorgt sie durch ihre Lichtreflexion dafür, dass die Lebensmittel kühl bleiben. Kalt genossene Getränke werden daher gerne mit silbernen Etiketten beworben. Aber auch Produkte, die durch ausgefeilte Technik und Schnelligkeit glänzen, sind häufig silbern.

Der legendäre Silberpfeil von Mercedes entstand jedoch eher durch Zufall. Er war eigentlich weiß, aber für das Eifelrennen im Jahr 1934 war für die Autos ein Höchstgewicht von 750 Kilogramm vorgeschrieben. Der neu entwickelte W25 war ein ganzes Kilogramm zu schwer. Die Techniker entfernten kurzerhand den Lack, um das erforderliche Gewicht zu erreichen. Im silbernen Aluminiumkleid gewann der Rennwagen – die Legende und ihre neue Farbe war geboren.

Auch heute noch sind viele Autos silberfarben. Obwohl Technik und modernes Design mit Silber assoziiert werden, hat ihre Farbe hier meist nichts mit dem Edelmetall zu tun – eher glänzen hier Aluminium, Chrom, Nickel und Titan. Doch das tut der Farbempfindung "Silber" keinen Abbruch: Es demonstriert Funktionalität.

Im Gegensatz dazu war früher Silber eher die Farbe des Geldes. Der Wert einer Silbermünze entsprach zumindest theoretisch ihrem Gehalt an Edelmetall. Dabei bezeichnete "Schrot" das Gesamtgewicht der Münze, "Korn" den Gewichtsanteil des Edelmetalls. Oft waren die Münzen nicht von "echtem Schrot und Korn", denn viele Herrscher ließen ihre Münzen einfach einschmelzen und heimlich mit geringerem Silbergehalt prägen – das übrig bleibende Silber konnten sie für andere Zwecke ausgeben, versilbern wie man auch sagt. Kein Wunder also, dass Silber ebenso eine Farbe der Habsucht ist.

Doch trotz dieser negativen Aspekte hat Silber gegenüber dem als edler und reiner geltendem Gold einen guten Stand. Zwar bekommt der Sieger nach wie vor Gold um den Hals gehängt, und auch Vermögen wird eher in Gold als in Silber gewogen. Doch das güldene Edelmetall droht schnell protzig zu wirken, vor allem bei Schmuck und Kleidung. Die glitzernde Rolex oder die fette Goldkette drängen sich schreierisch in den Vordergrund, sind nicht zu übersehen. Hier gilt Silber als Zeichen der wahren Eleganz, die es nicht nötig hat, aufzutrumpfen. Da die Farbe zwar glänzt, jedoch bescheiden im Hintergrund bleibt, unterstreicht sie die Persönlichkeit ihres Trägers. (ab)