Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

28.02.2007

Tausendsassa Titandioxid

Seit fast hundert Jahren sorgt das Pigment für strahlendes Weiß

Herrliches Weiß für jeden: Mit der Entdeckung des Pigments Titandioxid vor knapp hundert Jahren konnte die industrielle Produktion eines auch im Nasszustand gut deckenden strahlenden Weiß beginnen. Erst damit hat sich Weiß als massenhaft verwendeter Farbton durchgesetzt. Bis heute sind die Eigenschaften von Titandioxid unerreicht – nicht nur als Pigment für Farben: Der Tausendsassa wird zum Beispiel in Sonnencremes zum Schutz gegen schädliche UV-Strahlung eingesetzt.

Erst mit Titandioxid als Pigment konnte Weiß zur Massenfarbe werden. Foto: nominella, Photocase.com
Erst mit Titandioxid als Pigment konnte Weiß zur Massenfarbe werden. Foto: nominella, Photocase.com

Weiß ist sauber, weiß ist rein. Weiß duldet keine Ablenkung – zum Beispiel durch hässliche Flecken. Je weißer, desto deutlicher strahlt die Makellosigkeit. Das gilt nicht nur für Kleidung, sondern auch für Wände, Möbel, Gebrauchsgegenstände. Überall, wo Sauberkeit gefordert ist, herrscht das Weiß vor. Ebenso dort, wo die Ästhetik der Form im Vordergrund steht, denn Weiß lenkt nicht ab. Doch so einfach war das mit dem Weiß früher nicht. Die Farbe war zwar vornehm, machte aber krank. Denn das einzige Mittel, mit dem gut deckend gestrichen oder gemalt werden konnte, steckte voller Blei. Das so genannte Bleiweiß glänzte mit guten Verarbeitungseigenschaften, schadete jedoch der Gesundheit. Als Schminke kam es daher im Mittelalter langsam aus der Mode. Die Nebenwirkungen waren oft allzu deutlich in Form von Abszessen im Gesicht zu erkennen.

 

Zur Massenfarbe konnte Weiß erst werden, als 1908 ein neues, ungiftiges Mineralpigment entdeckt wurde, das Titandioxid. Es wird aus schwarzem, so genanntem Ilmenit oder auch Titaneisenerz gewonnen, einem Mineral, das aus Magma entstand und heute größtenteils aus Australien, Kanada und Südafrika kommt. Titaneisenerz ist aber auch in Norwegen, Finnland und Deutschland zu finden.

 

In Norwegen entwickelten Wissenschaftler 1915 ein Verfahren, Titandioxid herzustellen, das noch heute angewendet wird. Dazu wird das Titaneisenerz fein gemahlen und aufbereitet. Das so genannte Sulfatverfahren trennt dann mithilfe konzentrierter Schwefelsäure das Eisen von dem Titan. Es entstehen Eisen- und Titanoxidsulfat. Durch Zugabe von Wasser kristallisiert das Eisensulfat aus und kann abgeschöpft werden. Das Titansulfat wird hingegen gekocht und reagiert mit dem Wasser zu Titanoxidhydrat, das in einem Ofen bei bis zu 1.000 Grad Celsius zu Titandioxid geglüht wird.

Als neutrale Farbe ist Weiß gerade in der Architektur sehr beliebt. DesignTheLine, Photocase.com
Als neutrale Farbe ist Weiß gerade in der Architektur sehr beliebt. DesignTheLine, Photocase.com

Eine heute ebenfalls gängige Aufbereitungsform des Titaneisenerzes ist das so genannte Chloridverfahren, bei dem Chlor, Kohlenstoff und ein ebenfalls 1.000 Grad Celsius heißer Ofen die Trennung von Eisen und Titanoxid übernehmen. Das entstehende Eisenchlorid wird in Wasser gelöst und abgetrennt, während das Titanchlorid durch Kondensation, Destillation und erneute Kondensation erst gereinigt und dann durch Zufuhr von reinem Sauerstoff in Titandioxid umgewandelt wird.

 

Mit der industriellen Produktion von Titandioxid konnten nun endlich in großem Stil der Farbe Weiß gefrönt werden. Ein Farbminimalismus breitete sich nicht nur auf Wänden und Möbeln aus, sondern erfasste Küchengeräte und mit Titandioxid als weiß färbendem Füllstoff sogar Papier, das endlich in strahlendem Weiß erglänzte. Da Titandioxid chemisch stabil ist, erhielt es unter der Bezeichnung E171 als Lebensmittelzusatzstoff sowohl Einzug in Süßwaren wie Bonbons als auch in Kosmetika wie Puder, Seife und Zahnpasta.

 

Doch damit nicht genug. Da Titandioxid das Sonnenlicht so gut reflektiert, eignet es sich auch als Schutz vor schädlicher UV-Strahlung und wurde daher schließlich auch in Sonnencremes eingesetzt. Der deutliche Vorteil gegenüber chemischen Schutzstoffen: Titandioxid zieht nicht in die Haut ein und kann sie so nicht schädigen. Früher ergab sich daraus jedoch der Nachteil, dass eine weiße Schicht auf der Haut zurückblieb. Diese half zwar gegen die Sonne, sah aber nicht schön aus. Heute sind die Titandioxidpartikel in den Sonnencremes so mikroskopisch klein, dass ihr Weiß nicht mehr so auffällt.

 

Bei Anstrichfarben und Lacken soll das Weiß des Titandioxids hingegen hervorstechen. Das Pigment ist daher in zahlreichen Farben, Lacken und Silikat-Putzen enthalten. Seine außerordentliche Deckkraft und Haltbarkeit machen Titandioxid zu einem Qualitätsmerkmal guter Farbe. Durch seine UV-Beständigkeit vergilbt das strahlende Weiß nicht und schützt zum Beispiel als Anstrich im Außenbereich auch die darunterliegenden Schichten vor frühzeitiger Alterung.