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29.05.2013

Tiger in Weiß

Die seltene Fellfarbe bei den Großkatzen ist genetisch ein ganz gewöhnliches Phänomen

Welches Raubtier hat blaue Augen und ist weiß mit schwarzen Streifen? Die Antwort lautet: Der weiße Tiger, wie er unter anderem durch die Shows der beiden deutsch-amerikanischen Illusionisten Siegfried & Roy bekannt geworden ist. Die ungewöhnliche Farbkombination hat keineswegs eine krankhafte Genveränderung als Ursache, haben chinesische Forscher nun herausgefunden. Sie war früher vielmehr eine natürliche Farbvariation der wild lebenden Art.

Weiße Tiger sind heute nur noch in Gefangenschaft zu sehen – wie hier in einem chinesischen Safaripark. Foto: Chimelong Safari Park
Weiße Tiger, Foto: Chimelong Safari Park

Die weißen Tiger sind nicht etwa Albinos: Sie haben keine roten, sondern blaue Augen und außerdem deutlich sichtbare dunkle Streifen. Ungezählte Generationen lang sind sie durch die Dschungel Indiens gestreift – glaubt man den bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden historischen Berichten. Der letzte bekannte weiße Tiger in freier Wildbahn wurde 1958 geschossen. Sieben Jahre zuvor war allerdings in Indien ein männliches Tier eingefangen worden, das zum Urahnen der meisten, wahrscheinlich sogar aller heute etwa 300 in Gefangenschaft gehaltenen weißen Tiger wurde.

Genau das könnte auch die Ursache sein, dass weiße Tiger als besonders anfällig für Totgeburten und eine hohe Sterblichkeit bei Jungtieren gelten: Die mangelnde genetische Vielfalt aufgrund der Inzucht könnte dazu beigetragen haben. Diese Anfälligkeit hat manche Wissenschaftler auch zu der Vermutung verleitet, dass es sich bei den weißen Tigern um krankhaft mutierte Tiere handeln könnte.

Diese Vermutung konnten der chinesische Biologe Xiao Xu von der Universität in Peking und seine Kollegen nun ausräumen: Bei einem Vergleich des Erbguts von 16 weißen Tigern mit deren gelblichen-braunen Verwandten stellten die Wissenschaftler fest, dass sich bei den weißen Tigern lediglich ein genetischer Baustein in einem Gen namens SLC45A2 von dem gewöhnlicher Tiger unterscheidet. Das Gen trägt die Information für die Herstellung von Farbpigmenten. Ansonsten haben beide Farbvarianten eine im Prinzip identische genetische Ausstattung.

Aus den schwarzen Streifen lässt sich schließen, dass es sich nicht um einen Albino handelt. Foto: ?????? ??????, target="_blank" CC-Lizenz
Weißer Tiger, Foto: ?????? ??????,, CC-Lizenz

Die besondere Variante im Gen SLC45A2 beeinträchtigt die Produktion rötlicher und gelblicher Pigmente, nicht jedoch von Schwarz. Daher fehlt bei den weißen Tigern die gelblich-bräunliche Färbung, während die typischen dunklen Streifen auf dem Fell auch bei ihnen auftauchen. Eine ähnliche Genvariante ist übrigens auch bei anderen hell gefärbten Tieren bekannt, unter anderem bei Hühnern, Pferden und sogar bei Fischen. Nicht zuletzt hatten Wissenschaftler auch bei dunkelblonden, hellhäutigen Europäern eine solche Genvariante entdeckt.

Der weiße Tiger sei daher ursprünglich eine natürliche Variante des Königstigers gewesen, schließen die Wissenschaftler aus ihren Ergebnissen. Sie plädieren daher dafür, auch über eine Wiederansiedlung weißer Exemplare in freier Wildbahn nachzudenken. Trotz der auffälligen Färbung dürften diese überlebensfähig sein, vermuten die Forscher – schließlich hatte es bis zu ihrer Ausrottung zahlreiche ausgewachsene Tiere gegeben, die bei der Jagd auf Hirsche und anderes Wild durchaus erfolgreich waren. (ud)