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27.09.2016

Truthahn-Dinosaurier im Tarnkleid

Forscher analysieren Borsten und Farbe eines kreidezeitlichen Waldbewohners

Er war zwei Meter groß, hatte Borsten am Schwanz und war gut getarnt für ein Leben in dichten Wäldern: Der Psittacosaurus war der Truthahn unter den Dinosauriern, sagen Frankfurter Paläontologen, denn er nutzte seine aufstellbaren Borsten wahrscheinlich bei der Balz, ähnlich wie ein Vogel, der seine Federn aufstellen kann. Und er zeigte bereits die typische Färbung vieler Tiere, die im Wald leben – mit einer dunklen Ober- und einer hellen Unterseite.

In geschlossenen Wäldern war der Psittacosaurus dank seiner Färbung gut getarnt. Die markanten Borsten dienten wohl nur dazu, um Eindruck zu machen. Illustration: Jakob Vinther/Robert Nicholls
Tarndino. Foto: Jakob Vinther/Robert Nicholls

Ungezählte fossile Knochen von Dinosauriern haben Paläontologen in den vergangenen Jahrzehnten ausgegraben und analysiert. Sie verraten so manches Detail über die Anatomie der Urechsen. Doch wie sahen die Dinosaurier aus? Allein mit fossilen Knochen ist diese Frage nicht zu beantworten. Doch immer häufiger gelingt es Wissenschaftlern nun, auch versteinerte Hautstücke oder Abdrücke von Weichteilen zu analysieren. Sie suchen nach Hinweisen, die Rückschlüsse auf das Aussehen der urzeitlichen Tiere erlauben.

Fündig geworden sind Forscher eines internationalen Teams um Gerald Mayr vom Senckenberg Institut und Naturmuseum Frankfurt nun bei Fossilien des Psittacosaurus, der vor mehr als 100 Millionen Jahren im heutigen China lebte. Mit einer neuartigen Lasertechnik konnten die Wissenschaftler bisher unbekannte Details der Haut dieses kleinen Dinosauriers entziffern.

Auffälligstes Merkmal des Tieres sind lange Borsten am Schwanz. "Unsere Untersuchungen zeigen klar, dass es sich dabei um Hautstrukturen handelt." Die Wissenschaftler vergleichen diese mit dem fedrigen Bart von Truthähnen – und sie dienten wohl auch dem gleichen Zweck, nämlich bei der Balz Rivalen oder potentielle Geschlechtspartner zu beeindrucken.

Im Senckenberg Museum in Frankfurt wird das extrem gut erhaltene Fossil des Psittacosaurus aufbewahrt. Foto: Senckenberg
Fossiler Dino. Foto: Senckenberg

Doch auch auf die Färbung der Haut konnten die Forscher aus den fossilen Überresten Rückschlüsse ziehen: Dank der präzisen Analysemethoden zeigte sich, dass die Oberseite der Saurier deutlich dunkler war als der Bauch. Das Wissenschaftlerteam vermutet daher, dass diese Färbung zur Tarnung diente. "Wir haben anhand unserer Untersuchung der Pigmentverteilung in der Haut ein Modell von Psittacosaurus angefertigt und dieses verschiedenen Lichtverhältnissen ausgesetzt. So konnten wir zeigen, dass sich diese Saurierart besonders gut in geschlossenen Waldgebieten tarnen konnte", erklärt Mayr.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Saurier daher in solchen kreidezeitlichen Wäldern lebten. Ob die Tiere grünlich, grau oder eher braun waren, das lässt sich anhand der Befunde bisher noch nicht erkennen – vielleicht zeigen dies ja künftige Untersuchungen mit noch ausgeklügelteren Analysewerkzeugen. (ud)