Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

28.10.2015

Verschwindet Jupiters roter Fleck?

Der größte Wirbelsturm des Sonnensystems verliert an Schwung

Er ist rot, fast 20.000 Kilometer groß und ständig in Bewegung: der rote Fleck auf dem Planeten Jupiter, ein gewaltiger Wirbelsturm, der auf dem Planeten seit mindestens vierhundert Jahren tobt und dessen Bild sich längst in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingegraben hat. Nun könnte er verblassen und verschwinden: Kleiner wird er nachweislich zwar bereits seit einigen Jahrzehnten – so schnell wie in den vergangenen drei Jahren hat er sich jedoch noch nie zusammengezogen, berichten Astronomen. 

Dieses Bild von Jupiter hat sich ins Gedächtnis vieler Menschen eingeprägt – mit dem charakteristischen roten Fleck knapp unterhalb des Äquators. Foto: NASA, ESA, A. Simon (Goddard Space Flight Center)
Jupiters. Foto: Foto: NASA, ESA, A. Simon (Goddard Space Flight Center)

Es war der 9. Mai des Jahres 1664, abends um etwa 9 Uhr, als der britische Universalgelehrte Robert Hooke ein Teleskop auf den Jupiter richtete. In dem ohnehin schon bemerkenswerten Muster aus hellen und dunklen Streifen, das den Gasplaneten umhüllt, fiel dem Universalgelehrten ein roter Wirbel knapp unterhalb des Äquators auf. Als er einige Stunden später nochmals nach dem Fleck suchte, bemerkte er, dass dieser sich ein Stück bewegt hatte. Es war die erste Beobachtung des roten Wirbels, von der wir heute wissen. Ein Jahr später, im Jahr 1665, bestimmte der italienisch-französische Astronom Giovanni Domenico Cassini mithilfe des roten Flecks, dass sich Jupiter in knapp zehn Stunden einmal um sich selbst dreht.

Immer besser und präziser wurden seither die Instrumente, mit denen Wissenschaftler das Geschehen in der Hülle des überwiegend aus Gasen bestehenden Riesen beobachten, der etwa elfmal so groß ist wie die Erde. So konnten sie herausfinden, dass es sich bei dem roten Fleck in der Tat um einen Wirbelsturm handelt, der jedoch – im Gegensatz zu den Wirbelstürmen auf der Erde – ungeheuer stabil ist. So hält sich der Sturm nun schon mindestens seit vierhundert Jahren.

Welches Material ihn jedoch rot färbt, darüber rätseln Forscher allerdings noch immer. Beteiligt daran könnten Kohlenwasserstoffe, Schwefel- und Phosphorverbindungen in der Atmosphäre sein. Der Sturm jedoch scheint allmählich an Schwung zu verlieren: Astronomen schätzen, dass der rote Fleck einst doppelt so groß war wie heute und jetzt immer weiter schrumpfen wird.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Während "red spot junior" – schräg links unterhalb des großen roten Flecks – heute noch da ist, wurde der auf gleicher Höhe liegende dritte rote Fleck von seinem großen Bruder verschluckt. Foto: University of California, Berkeley
Jupiter. Foto: University of California, Berkeley

Doch vielleicht bekommt der größte Wirbelsturm des Sonnensystems einen prominenten Nachfolger: Seit 1998 haben sich drei Stürme, die mit weißen Färbungen einhergingen, zum sogenannten weißen Oval vereinigt, das immerhin so groß ist wie die Erde. Das weiße Oval hat sich seit etwa zehn Jahren allmählich rot verfärbt, was damit zusammenhängt, dass die Stürme jetzt in höhere Atmosphärenschichten heraufreichen. Astronomen nennen den einst weißen und nun roten Fleck daher bereits "red spot junior". Bisher ist er zwar noch deutlich kleiner als sein altehrwürdiger Vorgänger –  aber möglicherweise gewinnt er ja in den nächsten Jahrzehnten weiter an Schwung und Größe.

Einem dritten roten Fleck war hingegen nur ein kurzes Leben beschert: Schon wenige Monate nach seiner Entdeckung im Mai 2008 verschwand er auf Nimmerwiedersehen im großen roten Fleck. (ud)