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17.02.2016

Violett statt blau

Forscher entdecken die wahre Farbe des Schlafzimmers von Vincent van Gogh

Es ist das vielleicht bekannteste Bild eines Schlafzimmers überhaupt: Der niederländische Maler Vincent van Gogh hat sein "Schlafzimmer in Arles" in drei Versionen als Ölgemälde und in zahlreichen Skizzen und Zeichnungen festgehalten. Doch das Blau, in dem das Zimmer heute in allen Bildern erscheint, ist nicht seine wirkliche Farbe: Der Raum war ursprünglich Violett, doch nun ist die Farbe zum Blau verblasst. Und auch das Gelb war ursprünglich intensiver. Das haben US-Forscher in Laboruntersuchungen herausgefunden.

So schlicht das Motiv ist: Das "Schlafzimmer in Arles" ist eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt. Repro: public domain
So schlicht das Motiv ist: Das "Schlafzimmer in Arles" ist eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt. Repro: public domain

Entstanden sind die drei Ölbilder des "Schlafzimmer in Arles" in den Jahren 1888 und 1889. Sie zeigen den Raum aus immer derselben Perspektive – ein Bett, zwei Stühle, ein Tisch, ein Fenster, dazu einige Bilder an den Wänden. Ein eigentlich sehr schlichtes Motiv, das erst in den Details Einblicke in das Leben seines Urhebers gibt: An der Wand hängt ein Selbstportrait und sowie Bilder von Künstlerfreunden.

In seiner Schlichtheit fasziniert das Motiv die Kunstwelt. So sehr, dass das "Art Institute of Chicago" derzeit alle drei Ölbilder sowie Zeichnungen und Skizzen zu dem Motiv in einer Sonderausstellung vereint. Das Museum hat eines der Ölgemälde in seinem Besitz, die beiden anderen sind sonst in Museen in Paris und Amsterdam zu sehen..

Kunstgeschichtler und Materialwissenschaftler aus Chicago waren es auch, die nun der wahren Farbe des Schlafzimmers auf die Spur gekommen sind. Van Gogh hat in Briefen an seinen Bruder und an Freunde das Zimmer beschrieben und dabei von Wänden in der Farbe Violett geschrieben. Die drei erhaltenen Ölgemälde zeigen jedoch eindeutig blaue Wände – ein Grund für die Forscher, um die verwendeten Pigmente mit Mikroskopen und physikalisch-chemischen Verfahren einer genauen Analyse zu unterziehen.

Bei den Wänden fanden sich die Reste von rosa Pigmenten, die sich im Lauf der Zeit aber nahezu abgebaut hatten. Ursprünglich hatte van Gogh für die Wände also tatsächlich eine Mischung aus Blau und Rosa verwendet – was ein Violett ergibt. In Zusammenarbeit mit Farb- und Materialwissenschaftlern anderer Institute fanden die Forscher aus Chicago jedoch noch andere Pigmente, die sich inzwischen stark verändert hatten. So war auch das für das Bett verwendete Gelb viel intensiver, und der Fußboden hatte einen viel geringeren Grünstich als heute.

Die Wissenschaftlerin Francesca Casadio bei der Präsentation ihrer Ergebnisse während der Tagung der Wissenschaftsgesellschaft AAAS in Washington. Foto: AAAS

Aus den Ergebnissen fertigten die Wissenschaftler eine Replik des Bildes in den originalen Farbtönen an, die nun bei einer Konferenz der amerikanischen Wissenschaftsgesellschaft AAAS der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Sie zeigt viel deutlichere Farbkontraste als die Originale.

Diese Replik vermittle neue Erkenntnisse über das Farbverständnis van Goghs und die Entstehungsgeschichte des Motivs, erklärte Francesca Casadio vom Art Institute of Chicago bei der Präsentation der Ergebnisse. Die Beobachtung, dass sich die Farben in van Goghs Werken verändert haben, sei nichts Ungewöhnliches: Bei anderen Werken hätten Kritiker bereits wenige Jahre nach der Entstehung der Bilder ein Verblassen der Farben bemerkt. (ud)