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07.10.2009

Vom dezenten Feldgrau zum ausgefeilten Wüstenflecktarn

Tarnen mit Farbe: Nach zaghaftem Beginn in Grau entwickelte das Militär immer spezieller angepasste Tarnmuster

Das Militär hat es von den Tieren gelernt: Diese verstehen es großartig, sich durch Tarnung der Umgebung anzupassen, um zu jagen, aber nicht gejagt zu werden. Auch das Militär versucht, den Soldaten durch farblich angepasste Uniformen und Fahrzeuge Vorteile im Kampf zu verleihen. Die Farbpalette deutscher Soldaten orientiert sich heute am Einsatzort und reicht vom Flecktarn bis hin zu speziell für Einsätze in Wüstenregionen entwickelten Mustern. Begonnen hatte das Tarnen mit Farbe jedoch mit schlichtem, dezentem Feldgrau.

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Flecktarn ist heute Bestandteil der Uniform der Bodenstreitkräfte fast aller Staaten. Foto: PNetzer, Photocase.com

Foto: Pixelfire, wikipedia.de, GNU-Lizenz

Das 1990 bei der Bundeswehr eingeführte Tarnmuster – Flecktarn B (groß) genannt – besteht aus fünf Farben. Foto: Pixelfire, wikipedia.de, GNU-Lizenz

 

Ursprünglich war es auf den Schlachtfeldern sehr bunt zugegangen: Die Soldaten standen sich noch Auge in Auge gegenüber, und da war es vorteilhaft, wenn Freund und Feind durch bunte Uniformen besser zu unterscheiden waren. Hinzu kam, dass Pulverwaffen verwendet wurden und die Schlachtfelder daher häufig in dichten Pulverdampf gehüllt waren, was die Erkennung erschwerte.

Die Kolonialkriege des 19. Jahrhunderts bewirkten schließlich einen Wandel der Strategie: So legten 1857/58 in Indien eingesetzte britische Truppen erstmals leichte, erdbraune oder ockerfarbene Khaki-Uniformen an, da die Kämpfe in der heißen Jahreszeit stattfanden. Mit der Erfindung des Maschinengewehrs wurde es zudem geradezu lebenswichtig, vom Gegner nicht gesehen zu werden. Nach den ersten Kriegsmonaten des Ersten Weltkriegs war es dann endgültig vorbei mit den bunten Uniformen. Im Jahr 1914 diente das deutsche Heer seinem Kaiser bereits im gedeckten Feldgrau.

In dem während des Zweiten Weltkriegs von Deutschland geführten Mehrfrontenkrieg und den daraus resultierenden ständigen Truppenverschiebungen kam es immer wieder zu Pannen bei der Tarnung, besonders von Fahrzeugen: Sommertarnfarben in russischen Wintern oder Winter- oder Wüstentarnungen an der Westfront waren ebenso unnütz wie verhängnisvoll. Hinzu kam ein permanenter Materialmangel. So wurden im gelben Grundton beschichtete Panzer wegen fehlender weiterer Tarnfarben unter anderem an die Westfront geschickt und waren dort für die alliierten Flugzeuge ein leichtes Ziel. Eisenbahntransporte mit gelbem Kriegsgerät waren nur noch nachts möglich. Im Einsatz versuchten dann die Panzerbesatzungen, ihr Gefährt mit Sträuchern und Gebüsch so gut wie möglich zu tarnen.

Bereits im Dritten Reich waren für deutsche Truppen die ersten gefleckten Uniformen entstanden – eine Entwicklung, an die nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Bundeswehr zunächst anknüpfte. In den frühen 1960er Jahren wurde jedoch in Anlehnung an die Uniformen der NATO-Partner ein einfacher Grünton als Uniformfarbe gewählt: RAL 6014, im Bundeswehr-Jargon oft auch "NATO-Oliv" genannt.

Ein einheitliches Flecktarnmuster wurde für die Uniformen der Bundeswehr erst 1990 eingeführt. Das als "Flecktarn B (groß)" bezeichnete Muster besteht aus insgesamt fünf Farben in einer sogenannten Landkartenkomposition, bei der scharf abgegrenzte Flächen unterschiedlicher Größen in- und übereinander gedruckt sind.

Fahrzeuge der Bundeswehr werden seit 1984 entsprechend einer eigens für Tarnanstriche eingeführten RAL-Farbkarte getarnt, der RAL-F9-Karte, die drei Farbtöne enthält. Als Grundfarbe dient ein Bronzegrün, während die Flecken aus Lederbraun und Teerschwarz bestehen. Im Winter wird das Schwarz häufig mit Schlemmkreide übertüncht, die im Frühling wieder entfernt wird.

Da sich in den 1990er Jahren die Einsatzbereiche der Bundeswehr immer mehr auch in Gebiete außerhalb Mitteleuropas verlagerten, wurde 1993/94 der sogenannte Wüstenflecktarn entwickelt, der aus drei Farben besteht und bei dem ein helleres, kargen Landschaften angepasstes Beige dominiert. Entwickelt wird derzeit außerdem ein spezielles Tarnmuster für vegetationslose Wüsten und ein Muster für felsige Gegenden und das Hochgebirge. (ng/ud)