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05.11.2014

Von Nordlichtviolett bis Sunnygelb

Bei Farbbezeichnungen für ihre Fahrzeuge zeigen die Automobilkonzerne eine große Kreativität

Wer kennt die Farbe Racinggelb? Oder den Farbton Nordlichtviolett? Sunnygelb? Oder den Unterschied zwischen Uranograu und Mountaingrau? Man muss schon ein ausgewiesener Autokenner sein, um sich unter diesen Farbbezeichnungen etwas vorstellen zu können. Die Namen entstammen den Produktprospekten deutscher Automobilhersteller und sind Kunstwörter, die in der Regel nur für die entsprechende Marke verwendet werden. Doch wer genau steckt hinter Farbbezeichnungen wie Peridotbraun, Südseeblau oder Tungsten Silver Metallic?

Bei Autofarben gibt es neben den sogenannten Kernfarben wie Schwarz, Weiß, Rot, Blau und Silber auch typische Modefarben. Foto: Limych / 123RF Stockfoto
Autos. Foto: Limych / 123RF Stockfoto

Wie in der Mode gibt es auch bei Autofarben stetig wechselnde Trends: Immer wieder tauchen neue Farbtöne auf – häufig inspiriert durch Mode- und Wohndesign – um dann nach einigen Jahren wieder zu verschwinden. Das seit 2010 für viele Neuwagen aller Klassen gewählte Braun ist ein solches Beispiel: Es findet seine Entsprechung im Trend zum rustikalen Wohndesign und zu Naturtönen. Während braune Autos vor einigen Jahren fast undenkbar waren, machten sie 2012 einen stattlichen Anteil von etwa sieben Prozent bei den Neuzulassungen aus. Heute lässt dieser Trend schon wieder nach. 

Die Zyklen, in denen die Trendfarben kommen und gehen, werden bei den Automobilherstellern meist an die Modellwechsel der Fahrzeuge angepasst. Und zu diesen wechselnden Modefarben kommen die eher zeitlosen sogenannten Kernfarben wie Rot, Blau, Gelb, Weiß, Schwarz und nicht zu vergessen der Dauerbrenner Silber metallic, der bei allen Marken immer wieder große Marktanteile erreicht.

Doch zurück zu den Farbbezeichnungen: Es sind zunächst die Kreativabteilungen, die Designer, die sich Gedanken machen über die Konzepte und die Gefühle, die mit einer neuen Autofarbe transportiert werden sollen, berichtet Michael Taube von der Adam Opel AG in Rüsselsheim. Aus diesen Überlegungen heraus entwickeln die Designer Namen, die zu dem jeweiligen Konzept passen. Grundsätzlich soll der Farbname vor allem die Werte transportieren, die mit der Marke verbunden werden: So müsse rüberkommen, dass es sich um ein deutsches Auto handelt, was eine präzise Namensgebung voraussetze, der Spaßfaktor dürfe jedoch auch nicht zu kurz kommen, und der Name müsse zudem eingängig sein.

Bei dieser Farbe ist nicht nur Autofans sofort klar, um welche Automobilmarke es sich handeln muss. Foto: Renata Sedmakova, Shutterstock.com
Ferrarirot. Foto: Renata Sedmakova, Shutterstock.com

Ein speziell für die Namensfindung zusammengestelltes und dem Marketingbereich unterstelltes Team überprüft bei Opel schließlich die Bezeichnungen und entscheidet, ob sie tatsächlich in die Produktlinien und zur Automobilmarke selbst passen. Zudem ist noch zu klären, ob es rechtliche Konflikte wegen bereits als Marke geschützter Namen geben kann.

Ähnlich läuft die Namensfindung beim Fahrzeughersteller Mercedes-Benz ab: Neue Farbtöne entstehen beim Design und erhalten zunächst eine interne Farbbezeichnung, berichtet Aaron Kroll von der Presseabteilung des Konzerns. "Sobald ein Farbton alle Entscheidungsgremien durchlaufen hat, dieser serienreif entwickelt und erprobt ist, erhält er seinen Verkaufsnamen", erklärt Kroll. Bei Mercedes-Benz entscheiden am Ende vor allem Marketingleute über diese Bezeichnung. Beim größten deutschen Automobilbauer Volkswagen schließlich gibt es eine Farbkommission, die über neue Farbnamen entscheidet, erklärt Unternehmenssprecher Bernd Schröder.  

So kommen die oft extravaganten Farbnamen in die Prospekte und Onlineauftritte der Unternehmen. Die Marketingleute und Designer sehen diesen Namen und die Farbe selbst oft als eine Einheit: "Der Designname einer Farbe kann eine hervorragende Unterstützung zur Erläuterung neuer Farbtrends sein", erklärt Aaron Kroll von Mercedes-Benz. Gerade bei Designpräsentationen sei ein aussagekräftiger Name wichtig, um entweder den Modellcharakter eines neuen Mercedes-Benz-Modells oder eine Ausstattungslinie zu unterstreichen.

So kurzlebig die Farbnamen für Autos meistens sind: Einer hat es sogar geschafft, in das kollektive Gedächtnis einzugehen: Beim Begriff "Ferrarirot" wissen fast alle sofort, welcher Farbton gemeint ist. (ud)