21.12.2016

Von gelben Kühen und blauen Pferden

Warum der expressionistische Maler Franz Marc farbige Tiere gemalt hat

Es ist eines der bekanntesten Werke des expressionistischen Malers Franz Marc: "Die gelbe Kuh", die in dem gleichnamigen, 1911 entstandenen Bild über die Leinwand springt. Sie gilt als eine Art Pendant zu dem im gleichen Jahr entstandenen "Blauen Pferd" und zeigt, wie sich die Maler des Expressionismus der Abstraktion zuwandten.

Lebenslustig und voller Energie springt "Die gelbe Kuh" über die Leinwand des 1911 entstandenen Bilds. Repro: gemeinfrei
Gelbe Kuh. Foto: gemeinfrei

"Ich habe gar nie das Verlangen, zum Beispiel die Tiere zu malen, wie ich sie sehe, sondern wie sie sind", hatte Franz Marc im selben Jahr 1911 geschrieben. Damit hat er bereits eine Erklärung geliefert, warum er die Kuh in Gelb malte. Die Farbigkeit interpretierte er aus dem Innen- und Gefühlsleben des Dargestellten. Die Kuh war zwar von außen betrachtet nicht gelb, aber aus ihrem Wesen heraus empfand er sie in dieser Farbe.

Damit war er nicht allein: Mit seinem engen Freund, dem Maler Wassily Kandinsky, dachte er über eine eigene Farbsymbolik nach, die eine Darstellung des äußeren Eindrucks durch eine des inneren Empfindens ersetzte. In Bildern wie der gelben Kuh hatte Marc diesen Ansatz umgesetzt. Unverfälschte Spektralfarben wie Grün, Blau, Rot und eben Gelb nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Marc zog die Reinheit dieser Farben den gedeckten Farbtönen vor, wie sie in der naturalistischen Darstellung gebraucht werden.

Das eher nachdenkliche "Blaue Pferd" gilt auch als Selbstportrait Franz Marcs. Repro: gemeinfrei
Blaues Pferd. Repro: gemeinfrei

Das Gelb war für ihn Ausdruck der Energie, welche die fröhlich über eine rote Weide springende Kuh verkörperte. Da das Bild im Jahr der Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Maria Franck entstand, vermuten viele Kunstgeschichtler einen Zusammenhang – auch wenn es zunächst wenig schmeichelhaft scheint, im Bild einer Kuh das Portrait einer Frau zu vermuten.

Doch hatte sich Marc zu dieser Zeit bereits ganz auf die Darstellung von Tieren kapriziert, und zu ihnen hatte er ein besonderes, geradezu menschliches Verhältnis. Mit der Farbe Gelb verband er neben der Energie auch Weiblichkeit und die Freude am Leben – Eigenschaften, die auch seine Frau verkörperte.

Das männliche Pendant zur "Gelben Kuh" ist das "Blaue Pferd", das eher männliche Eigenschaften trägt und von Kunsthistorikern oft als Selbstportrait interpretiert wird. Denn dieses Pferd zeigt nicht nur männliche Kraft, sondern geradezu eine gewisse Nachdenklichkeit. Das weibliche Gelb und das männliche Blau in einem Bild vereint hat Franz Marc schließlich 1912 in einem Bild zweier zusammengerollter Katzen.

"Die gelbe Kuh" empfanden viele Betrachter am Vorabend des Ersten Weltkriegs als Zumutung. Zu modern, avantgardistisch und zudem widernatürlich sei eine solche Darstellung – eine Ablehnung, die auch Kandinsky mit seinem Werk erlebte. Nicht zuletzt aus dieser  Erfahrung heraus gründeten sie noch im Jahr 1911 die Künstlervereinigung "Der blaue Reiter". (ud)

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