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23.07.2014

Warten, bis man schwarz wird

Die weitverbreitete Redewendung ist in ein Geflecht anderer Redensarten eingebunden

Es ist eine besonders plakative farbige Redensart  – und bei genauer Betrachtung eine der unappetitlichsten: "Da kannst Du warten, bist Du schwarz wirst", sagt man zu jemandem, der auf ein doch nie eintretendes Ereignis wartet. Das "Schwarzwerden" bezieht sich dabei wohl auf die dunklen Verfärbungen der Haut, die Tote annehmen können. Fraglich hingegen ist, ob auch ein Zusammenhang mit dem Begriff "sich schwarzärgern" besteht.

Schwarz ist die Farbe des Todes – hier in einem Bild von Arnold Böcklin aus dem Jahr 1898 dargestellt. Repro: public domain
Schwarzer Tod. Repro: public domain

Spätestens seit den großen Pestepidemien, die Europa im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit heimsuchten, ist die Farbe Schwarz mit dem Tod verbunden: Bei Pesttoten zeigten sich häufig an den Fingern oder an Körperstellen, wo sich Pestbeulen gebildet hatten, schwarze Verfärbungen. Aus diesem Grund wird die Pest auch als der "Schwarze Tod" bezeichnet – ein Begriff, der jedoch erst im 19. Jahrhundert geprägt wurde. Das Schwarz stand hierbei auch für die dunkle Bedrohung, die für die Menschen von der Krankheit ausging.

Doch auch ohne Pest ist Schwarz eine Körperfarbe, die mit dem Tod zusammenhängt: Sogenannte Totenflecken – Reste von Blut in den Blutgefäßen von Verstorbenen – verleihen der Haut von Toten häufig eine schwärzliche Färbung. Wer also warten muss, bis er schwarz wird, hat keine Chance, dass das ersehnte Ereignis noch zu Lebzeiten eintritt.

Negativ besetzt ist die Farbe Schwarz auch beim Begriff "sich schwarzärgern". Ob er auch hier mit dem Tod zusammenhängt oder woher das Schwarze sonst noch kommen könnte, darüber rätseln Sprachforscher bis heute. Nur indirekt mit der Farbe Schwarz zu tun hat hingegen das illegale Treiben, das auf Schwarzmärkten herrscht: Im Rotwelschen, das bis ins 20. Jahrhundert herein von allerlei fahrendem Volk gesprochen wurde, bedeutete das Wort "Schwärzen" so viel wie "Schmuggeln".

Der "Schwarze Adlerorden" war im Preußen des 19. Jahrhunderts die höchste und begehrteste Auszeichnung – weshalb mancher auch wartete, bis er schwarz wurde, um diese zu erhalten. Foto: public domain
Schwarzer Adler. Foto: public domain

Dabei klingt selbstverständlich noch mit, dass ein solch verbotener Handel häufig im Schutz der Dunkelheit betrieben wird. Aus dieser Wurzel sind schließlich so schöne Begriffe wie Schwarzarbeit, Schwarzfahren sowie Schwarzhören und -sehen entstanden.

Doch zurück zum "Warten, bis man schwarz wird." Diese Redewendung war schon vor fast eineinhalb Jahrhunderten etabliert, denn Theodor Fontane spielt bereits in seiner Erzählung "Schach von Wuthenow" aus dem Jahr 1883 mit ihm. Dort wird die Anekdote eines  von einem preußischen Ministerialen erzählt, der nach langem Warten den sogenannten Roten Adlerorden erhalten hatte. Dieser Orden war jedoch nur die zweithöchste Auszeichnung, die ein preußischer Militär oder Staatsdiener erhalten konnte. Höchstes Ziel war der Schwarze Adlerorden, der nur den illustresten Kreisen vorbehalten war. Besagter Beamter bei Fontane soll den Roten Orden also wütend beiseite geworfen haben mit dem Ausruf: "Da liege, bis du schwarz wirst!"  (ud)