Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

20.03.2013

Warum Curry nicht immer gelb ist

Das Gewürzpulver und die indische Küche haben nur wenig miteinander zu tun

Was haben eine in Stücke gehackte deutsche Bratwurst und die indische Küche gemeinsam? Die Antwort lautet: Curry. Das gelbe Pulver verleiht – unter Beihilfe des obligatorischen Ketchups – der Currywurst Namen und Geschmack. In der indischen Küche bezeichnet dieser Name allerdings eine ganze Klasse von Gerichten – die aber keineswegs mit Currypulver gewürzt sind. Indische Currys unterscheiden sich auch in der Farbe: Sie können außer gelb durchaus auch grün, rot oder orange sein.

Die deutsche Currywurst ist ein Musterbeispiel für die Etablierung von Currypulver in der europäischen Küche. Foto: Julio Costa Zambelli, CC-Lizenz
Currywurst, Foto: Julio Costa Zambelli, CC-Lizenz

Es ist in vielen mitteleuropäischen Küchen ein seit Jahrzehnten vorherrschendes Missverständnis: Das Gewürzpulver, das hierzulande als Curry verkauft wird, ist keineswegs ein Bestandteil der indischen Küche. Dieses Pulver ist eine Mischung von Gewürzen, von der britische Kolonialisten im 18. Jahrhundert glaubten, damit lasse sich die Vielfalt der indischen Gewürze auf einfache Weise auf einen Nenner bringen. Mit der Gewürzmischung sollten auch in Europa Gerichte im indischen Stil gekocht werden können.

Der Erfolg blieb nicht aus: Curry wird längst als eigenständiges Gewürz empfunden und ist wichtiger Bestandteil vieler Gerichte in aller Welt: angefangen mit der erwähnten Currywurst, die ihren Ursprung angeblich 1949 in einem Berliner Imbiss gehabt haben soll, über das in Frankreich bekannte Pain de viande – eine Art Hackbraten mit Speck und Mandeln – bis hin zum japanischen Reisgericht Katsu Kare, bei dem ein Schnitzel in einer Currysauce gereicht wird.

Curry muss nicht unbedingt gelb sein – es gibt auch grüne Gerichte, die diesen Namen tragen, wie hier aus Thailand. Foto: Takeaway, CC-Lizenz
Grüner Curry, Foto: Takeaway, CC-Lizenz

Der farbgebende Bestandteil der Currymischung ist Kurkuma, eine Knolle, die bezeichnenderweise auch Gelbwurz genannt wird. Der darin enthaltene Farbstoff Curcumin hat eine durchschlagende gelbe Farbwirkung und soll vorbeugend gegen Entzündungen und Krebs wirken. Weitere Bestandteile des Currypulvers sind Koriander, Bockshornklee, Kreuzkümmel und schwarzer Pfeffer. Je nach Geschmacksvariante sind daneben unter anderem auch Ingwer, Paprika, Muskatnuss, Muskatblüten, Chili, Senf, Kardamom, Nelken, Zimt und Knoblauch Teil der Gewürzmischung. Fein zu Pulver zermahlen, bleibt von diesen Zutaten dank des Curcumins nur noch ein optischer Eindruck zurück: der eines gelben Pulvers.  

Wenn Inder hingegen von einem Curry sprechen, meinen sie keineswegs das gelbe Pulver, sondern eines der unzähligen indischen Eintopfgerichte: Es gibt kaum ein Lebensmittel, das sich nicht zu einem Curry verarbeiten ließe. So gibt es Currys mit diversen Gemüsesorten, daneben Lammcurrys, Geflügelcurrys und Currys mit Meeresfrüchten oder Fisch. So groß hier die Vielfalt an Zutaten ist, so groß ist auch die Anzahl verschiedener Gewürze, die den Gerichten jeweils ihren besonderen Geschmack verleihen.

Die klassischen indischen Currys sind braun bis gelb. Foto: Kirti Poddar, CC-Lizenz
Curry, Foto: Kirti Poddar, CC-Lizenz

Hier liegen die – wenn auch spärlichen – Gemeinsamkeiten  mit dem Currypulver: Viele der in den Eintopfgerichten eingesetzten Gewürze finden sich auch in der Gewürzmischung wieder, darunter natürlich ebenfalls das Kurkuma. Doch die meisten Currygerichte erhalten ihre Farbe und ihren Geschmack durch individuell ausgewählte Gewürze und nur selten aus würzenden Mischungen. Werden solche Mixturen verwendet, so stellen viele indische Köche sie selbst her – die sogenannten Masalas.

Wegen dieser großen Vielfalt ist Gelb längst nicht die einzige dominierende Farbe von Currygerichten: Ein hoher Anteil von rotem Chili färbt das Essen rot, Linsen können dem Curry zu einer braunen Farbe verhelfen, während beispielsweise grüner Chili auch das Curry grün färben kann. (ud)

 

Artikel zu ähnlichen Themen