08.12.2004

Warum Schwarz, Rot und Gold die Farben Deutschlands sind

Die Farbkombination hat ihren Ursprung in den Freiheitskämpfen im 19. Jahrhundert

Schwarz, Rot und Gold sind seit mehr als 50 Jahren die Farben der deutschen Flaggen. Ihre Bedeutung als Symbol für Einigkeit, Freiheit und Demokratie geht zwar auf das 19. Jahrhundert zurück, doch standen diese Farben zuvor nur in der Weimarer Republik offiziell für die deutsche Nation.

Spätestens seit dem Hambacher Fest 1832 ist die Farbkombination Schwarz-Rot-Gold zum Symbol für die Einigkeit der deutschen Nation geworden.
Schwarz-Rot-Gold

Ihren Ursprung haben Schwarz, Rot und Gold als die Nationalfarben in den Uniformen des Lützower Freikorps. Diese militärische Einheit kämpfte 1813 unter dem Befehl des preußischen Majors Adolf von Lützow für die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft. Sie bestand aus Freiwilligen, vor allem aus Studenten, die von einem vereinten Deutschland träumten. Die Uniformen des Freiwilligenkorps waren schwarz mit roten Aufschlägen und Goldknöpfen.

Auch wenn Lützow die Farben aus eher praktischen Gründen wählte – mit Schwarz etwa konnten die Zivilröcke der Freiwilligen am einfachsten einheitlich gefärbt werden –, wurden Schwarz, Rot und Gold zu einem Symbol des Einheitsgedanken. Das Freikorps hatte in seinen Kämpfen herbe Verluste zu verzeichnen und wurde in einem Hinterhalt der Franzosen im Juni 1813 beinahe vollständig aufgerieben. Das brachte den freiwilligen Kämpfern Anerkennung, Bewunderung und Verehrung in der Bevölkerung. Damit wurde der positive Charakter des Korps auch auf die Farben Schwarz, Rot und Gold übertragen.

Zwei Jahre später gründeten Studenten, die im Lützower Freiheitskorps gedient hatten, die Burschenschaft zu Jena. Frustriert vom Scheitern der Freiheitskämpfe wollten sie nun im Kleinen für ihr Ideal vom vereinten Deutschland kämpfen und eine Verbindung aller deutschen Studenten erreichen. Für ihre Flagge wählten sie die Farben der Lützower: Schwarz, Rot und Gold. Die Studentenbewegung fand Anklang. Schon bald gründeten sich nach dem Vorbild der Jenaer weitere Burschenschaften in Berlin, Göttingen, Heidelberg und Bonn – und alle erklärten die Einheitsfarben zu ihrem Symbol.

Die Studenten kämpften mit zahlreichen Gleichgesinnten weiter gegen die Adelsherrschaft und für ein vereintes Deutschland, traten für nationale und liberale Ideale ein. So präsentierten sich zum Beispiel 1832 auf dem Hambacher Fest 40.000 national gesinnte Studenten und Professoren mit ihren Farben. Die deutsche Einheit allerdings ließ auf sich warten. Die schwarz-rot-goldene Märzrevolution im Jahr 1848 scheiterte schließlich.

Damit verloren auch die Farben Schwarz, Rot und Gold zunächst an Bedeutung, blieben jedoch als Symbol für die Demokratiebewegung in den Köpfen der Deutschen. Als 1866 der Norddeutsche Bund gegründet wurde, entschied sich Otto von Bismarck bei der Wahl der Farben dann für eine Neuschöpfung: Schwarz, Weiß und Rot. Schwarz-Rot-Gold trat erst in der Weimarer Republik nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches am Ende des Ersten Weltkriegs wieder auf den Plan. In dieser Zeit entbrannte ein regelrechter Flaggenstreit, der die Nation spaltete. Demokratisch Gesinnte waren für Schwarz-Rot-Gold, während Konservative und Nationalistische für Schwarz-Weiß-Rot plädierten. Schließlich einigte man sich auf Schwarz-Rot-Gold für die neuen Reichsfarben. Als Kompromiss wurde eine schwarz-weiß-rote Flagge mit diesen Reichsfarben in der oberen inneren Ecke zur Handelsflagge erklärt.

Im Dritten Reich musste Schwarz-Rot-Gold erneut weichen. Hitler nutzte für seine Propaganda, dass das konservative Lager Schwarz-Weiß-Rot befürwortete und setzte seine Hakenkreuzfahne aus diesen Farben des deutschen Kaiserreiches zusammen. Mit seiner Machtergreifung wurde diese gemeinsam mit der schwarz-weiß-roten Flagge zum Reichssymbol. Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes kehrten die Deutschen dann – nach einiger Diskussion – wieder zu Schwarz-Rot-Gold zurück. Sowohl in der Deutschen Demokratischen Republik als auch in der jungen Bundesrepublik entschied man sich wieder für die Farben, die mehr als ein Jahrhundert lang für Einigkeit, Freiheit und Demokratie Deutschlands standen.