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12.04.2006

Warum Trauerschnäpper blaue Eier legen

Intensive Färbung zeigt an, ob der künftige Nachwuchs gesund ist

Äußerlich machen die Weibchen des Trauerschnäppers nicht viel her mit ihrem unauffälligen braunen Gefieder. Doch sie haben einen anderen Weg gefunden, um bei ihren Männchen Aufmerksamkeit für den Nachwuchs zu wecken: Sie legen blaue Eier, und je intensiver diese Farbe ist, desto besser ist es um die körperliche Fitness der Mutter bestellt und desto robuster ist ihr Nachwuchs. Das haben nun spanische Wissenschaftler herausgefunden.

Die typische blaue Farbe der Trauerschnäppereier verrät den Vogelvätern, wie robust der Nachwuchs wird (Bild: Juan Moreno)
Die typische blaue Farbe der Trauerschnäppereier verrät den Vogelvätern, wie robust der Nachwuchs wird (Bild: Juan Moreno)

Mit leuchtenden Farben im Gefieder, auffällig geschwelltem Kamm oder durchdringendem Gesang demonstrieren Vogelmännchen den Weibchen in der Nähe die Qualität ihrer genetischen Ausstattung. Den Weibchen fehlen hingegen diese Möglichkeiten, die Männchen von diesen ihren inneren Werten und ihren Fähigkeiten als Mutter zu überzeugen – und ihn dazu zu bringen, möglichst viel Energie in die Brutpflege zu investieren.

Bei den Trauerschnäppern haben die Weibchen für diese Schwierigkeit eine elegante Lösung gefunden, haben nun Judith Morales und ihre Kollegen vom Naturwissenschaftlichen Museum in Madrid entdeckt: Anstatt sich selbst mit leuchtenden Farben anzupreisen, statten die Weibchen ihre Eierschalen mit einer hellblauen Tönung aus – und verraten damit dem aufmerksamen Partner, wie es um die eigene körperliche Konstitution und auch um die des Nachwuchses bestellt ist.

Die Intensität der blauen Farbe, hervorgerufen durch den in die Schale eingelagerten Farbstoff Biliverdin, spiegelt den Zustand des Immunsystems der Mutter wider: Je mehr Antikörper das Vogelweibchen besitzt und je besser es demnach Krankheiten abwehren kann, desto blauer sind seine Eier. Und da Weibchen mit einer besseren Körperabwehr ihren Nachkommen auch mehr Abwehrmoleküle mit ins Ei geben können, zeigt die blaue Farbe gleichzeitig auch den Antikörpergehalt des Eidotters an.

Dieser wiederum ist für die Küken in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen überlebenswichtig. Nur wer ausreichend mit mütterlichen Antikörpern ausgestattet ist, kann den vielen Infektionen und Krankheiten widerstehen, bis sein eigenes Immunsystem zu arbeiten beginnt. Wird ein Küken also in einem intensiv blauen Ei groß, hat es deutlich bessere Überlebenschancen als ein Vogel in einer nur schwach gefärbten Schale, lautet das Fazit der Forscher.

Gerichtet ist die farbige Botschaft an den Vater des Nachwuchses, glauben die Wissenschaftler: Indem die Mutter dem Partner nämlich schon vor der Geburt der Küken mitteilt, wie gut deren Überlebenschancen sind, bringt sie ihn dazu, sich intensiver um die gemeinsamen Nachkommen zu kümmern. Schließlich lohnt es sich eher, Futter für starke und gesunde Küken heranzuschleppen als für solche, die ohnehin nur eine geringe Chance haben, ihre ersten Wochen zu überleben. Von den Farbsignalen profitieren werden jedoch auch Vogelkundler, glauben Experten: Sie können nun den Gesundheitszustand einer Trauerschnäpperpopulation an der Farbintensität der Eier ablesen und brauchen keine Eier mehr zu öffnen.

Weitere Informationen:

Originalarbeit der Forscher