01.09.2010

Warum der Grüne Star eigentlich gar nicht grün ist

Die Bezeichnung der Augenkrankheit beruht wohl nur auf einer unglücklichen Übersetzung

War es Grauer Star? Oder vielleicht doch Grüner? Es ist verflixt mit den Begriffen dieser beiden Augenkrankheiten. Jeder kennt sie, doch welcher Name welche Krankheit bezeichnet, kann sich kaum jemand sicher merken. Kein Wunder, denn nur beim Grauen Star hat die Krankheit sicher etwas mit Grau zu tun. Beim Grünen Star beruht die Farbbezeichnung wahrscheinlich nur auf einer etwas unglücklichen Übersetzung. Und zu dem schwarz schillernden Singvogel gibt es schon gar keinen Bezug.

So sehen manche Patienten mit Grünem Star die Welt: Wegen Schäden am Sehnerv schränkt sich das Gesichtsfeld extrem ein. Foto: phkl, Photocase.com
Grüner Star

Wie der Graue Star zu seinem Namen gekommen ist, lässt sich noch gut nachvollziehen. Bei dieser meist altersbedingten Augenerkrankung kommt es zu einer Eintrübung der Linse im Auge – mit der Folge, dass der Betroffene die Welt zunehmend wie durch einen Schleier wahrnimmt. Das Farbensehen verschwindet nach und nach, und schließlich wird die Welt nur noch grau in grau wahrgenommen. In trübes Grau hat sich dann oft auch die Farbe der Pupillen des Patienten verwandelt, weshalb die Bezeichnung Grauer Star auf der Hand liegt. Der Begriff Star hat wie erwähnt nichts mit dem Vogel zu tun, sondern hängt etymologisch mit dem Wort "Starren" zusammen. Schon im Althochdeutschen gab es das Adjektiv "staraplint", womit ein Mensch bezeichnet wurde, der in die Welt starrte und trotzdem blind war.

Viel komplizierter ist es hingegen mit dem Grünen Star. Mediziner meiden diesen Begriff, nicht zuletzt um die immer wieder auftretenden Verwechslungen zu umgehen. Sie bezeichnen die zugehörige Krankheit als Glaukom – ein Begriff, der ursprünglich auf Aristoteles zurückgeht. Der griechische Gelehrte bezog sich damit auf das griechische Wort "glaukos", was "hell", "glänzend" und "bläulich" bedeutet und auch die Farbe des Meeres bezeichnet. Aristoteles beschrieb damit das farbige Schillern der Iris, wie es bei manchen Augenentzündungen auftritt.

Von welchen Augenkrankheiten der Gelehrte damit genau sprach, lässt sich heute natürlich nicht mehr rekonstruieren. Als wahrscheinlich gilt hingegen, dass die heute übliche Verbindung zwischen dem Begriff "Glaukom" und dem "Grünen Star" auf den schlesischen Arzt Johann Caspar Sommer zurückgeht. Im Jahr 1743 veröffentlichte dieser ein Buch mit dem Titel "Abhandlung von dem Grauen Stahr Und dem Glaucoma Oder Grünen Stahr", eine Übersetzung eines Werks des französischen Mediziners Michel Brisseau. Darin beschreibt er den Grünen Star als eine Augenkrankheit, die ihre Ursache in der Verdunklung der Flüssigkeit im Auge habe – "der Saft, der in grün verwandelt sey". Ob er damit die grünliche Färbung meinte, die bei manchen Glaukompatienten auftritt, ist ungewiss.

In den folgenden Jahrhunderten wurden die Begriffe "Glaukom" und "Grüner Star" immer mehr zu Synonymen, obwohl das Glaukom eine ganz andere medizinische Ursache hat wie die typische Star-Erkrankung: Während der Graue Star wie erwähnt auf eine Eintrübung der Linse zurückgeht, führt beim Glaukom ein erhöhter Augeninnendruck zu Schäden am Sehnerv. Dieser Überdruck entsteht häufig durch eine Störung des Abflusses des sogenannten Kammerwassers im Auge und führt dazu, dass der Sehnerv nicht mehr richtig durchblutet wird. Nervenfasern können dadurch absterben, was massive Sehstörungen zur Folge hat, die von einer tunnelartigen Einschränkung des Sehfelds bis hin zur völligen Erblindung reichen. Auch für die Blindheit ist aus der Medizingeschichte noch eine – heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung – überliefert: der Schwarze Star. (ud)