22.09.2004

Warum die Feuerwehr rot und die Post gelb ist

Neben der Signalwirkung der beiden leuchtenden Farben hat die Farbgebung auch historische Gründe

Nur wenige Farbtöne lassen sich so exakt in Erinnerung rufen und wecken derart präzise Assoziationen wie Feuerwehrrot oder Postgelb. Aber warum ist die Feuerwehr eigentlich meist rot und die Post häufig gelb? Ein Grund ist sicherlich der Signalcharakter der beiden auffällig leuchtenden Farben.

Die Post ist gelb: Diese Assoziation ist inzwischen fest in den Köpfen der meisten Deutschen verankert - obwohl die Post noch vor sechzig Jahren gar nicht gelb war. Foto: Deutsche Post World Net
Foto: Deutsche Post World Net
Rot wie die Feuerwehr: In manchen Ländern gibt es diese von vielen als selbstverständlich empfundene Verknüpfung nicht. Foto: Iveco Magirus
Foto: Iveco Magirus
 

Ihre außerordentlich starke Signalwirkung hat der Farbe Rot zu ihrer großen Beliebtheit im Rettungswesen verholfen. "Bei Rot schaut man hin", erklärt Rolf Schamberger vom Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda. "Es ist die auffälligste und alarmierendste aller Farben." Der Grund für den Signalcharakter von Rot ist vermutlich in der Frühzeit der Menschheit zu suchen: Rot als Farbe des Blutes zeigte den frühen Jägern an, wenn sie ein Tier getroffen hatten und erregte damit höchste Aufmerksamkeit.

Doch nicht immer war Rot die erste Wahl der deutschen Feuerwehr. Die leuchtende Farbe wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg verbindlich eingeführt. Vorher war die Feuerwehr uneinheitlich gefärbt, und wenn sie rot war, dann handelte es sich um einen deutlich dunkleren Farbton. Und auch heute machen nicht alle Feuerwehren weltweit in Rot auf sich aufmerksam. So sind zum Beispiel die Feuerwehrfahrzeuge in Swaziland und den Vereinigten Arabischen Emiraten gelb.

Gelb ist auch die Deutsche Post – doch ebenfalls noch nicht so lange. Noch im 19. Jahrhundert war die Farbgebung alles andere als einheitlich. Ebenso wie die Feuerwehr wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Gelb als die Farbe der Post erklärt. Die Ursprünge dieser Farbwahl liegen allerdings bereits Jahrhunderte zurück und sind in den Anfängen des organisierten Postwesens zu suchen.

1490 betraute der deutsche Kaiser Maximilian I. den Fürsten Johannes von Taxis mit der Beförderung der Post. Dabei übernahmen die Fürsten von Taxis auch die kaiserlichen Farben Gelb und Schwarz als Hoheitszeichen. Gelb und Schwarz als kaiserliche Farben gehen vermutlich wiederum auf die Krönung Karls des Großen im Jahre 800 zurück. Dessen Wappen war ein schwarzer Alder auf goldgelbem Grund. Viele Historiker sehen in diesem Gelb die Wurzeln des heutigen Postgelbs.

Weitere Theorien über den Ursprung der Farbe ziehen die gelblichen Korbgeflechte alter Postwagen oder die gelben Pestfahnen zur Verhinderung der Ausbreitung der Epidemie in Betracht. Und auch die Signalwirkung der Farbe Gelb ist nicht zu unterschätzen: Mit der leuchtenden Farbe wurde schon von weitem signalisiert, dass ein Bote unterwegs ist.

Zwar taucht die Farbe Gelb immer wieder für die Kennzeichnung von Postfahrzeugen und Briefkästen auf, jedoch blieb es nicht grundsätzlich bei einer homogenen Farbgebung in Gelb. Im Laufe der Zeit hatte die Post in deutschen Landen viele verschiedene Farben. Auch wechselte sie häufig von Region zu Region. So war etwa die Landespost des Kurfürstentums Brandenburg-Preußen, des späteren Königreichs Preußen, seit 1660 blau. Die preußischen Briefkästen hatten wechselnde Farben – 1766 noch gelbgrau, waren sie 1838 gold- und bronzefarben und 1850 blau. Die königlich-bayrische Post war um 1806 ebenfalls blau, die Uniformen der Post im Königreich Hannover dagegen rot. Die Postillione im Großherzogtum Baden wiederum trugen Gelb. Von Einheit also keine Spur. Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 entschied sich die Reichspostverwaltung, Fahrzeuge und später auch Telefonzellen gelb zu färben. Briefkästen waren allerdings blau. Im Dritten Reich erlebte die Reichspost dann einen Neuanstrich: Alles wurde Rot – vom Postfahrzeug über Briefkasten, Telefonhäuschen und Briefmarkenautomat. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das Rot der Reichspost dann verschwinden, und der Verwaltungsausschuss für das Post- und Fernmeldewesen in Frankfurt am Main beschloss, zum Gelb zurückzukehren.

Bis heute ist das Gelb geblieben. Mit der Privatisierung der Post war das klassische Postgelb allerdings kurzzeitig bedroht. Im Zuge der damaligen Umstellung wurde das Postgelb nach und nach abgebaut. Damit schwand jedoch die Bindung an die Marke Post. Das erkannte auch die Düsseldorfer Designagentur Nitsch, die damals die Betreuung des Corporate Design der Deutschen Post AG übernahm, und rettete das Postgelb gerade noch vor dem Untergang.