29.10.2008

Warum ist die Banane blau?

Forscher aus Österreich entdecken unerwarteten Leuchteffekt bei den Südfrüchten

Reife Bananen locken mit leuchtendem Gelb Hungrige an. Doch unter UV-Licht erstrahlen sie in einem weniger appetitlichen Blau. Diese unerwartete Entdeckung machten Forscher von der Universität Innsbruck, als sie die Vorgänge bei der Reifung der Südfrüchte näher untersuchten.

Unter UV-Licht leuchten vor allem reife Bananen in einem intensiven Blau. Copyright: Wiley-Verlag
Copyright: Wiley-Verlag

Äpfel, Birnen, Blätter oder eben Bananen: Bernhard Kräutler und seine Kollegen sind seit vielen Jahren den Farbstoffen auf der Spur, die für die wechselnden Farben von Pflanzen verantwortlich sind. Das Chlorophyll ist der wichtigste von ihnen. Es sorgt für üppiges Grün in Blättern, Nadeln und Stängeln. Auch in unreifen Bananen ist der Farbstoff vorhanden und liefert hier dezentes Grün. Wenn im Herbst die Blätter zu fallen beginnen, baut sich das Chlorophyll im Blatt ab und gelbe Farbstoffe, sogenannte Carotinoide, in den Zellen gewinnen die Oberhand: Das Blatt wird gelb und schließlich braun.

Genau dies geschieht auch bei der reifenden Banane – ob diese Reifung auf natürlichem Wege oder künstlich durch Begasung mit dem Gas Ethen geschieht, ist dabei unerheblich. Doch anders als beim Blatt entsteht beim Abbau des Chlorophylls in der Banane eine vergleichsweise stabile Zwischenstufe – eine sogenannte Proprionsäureestergruppe, wie die Wissenschaftler um Kräutler entdeckten.

Dieses Zwischenprodukt zeigt im ultravioletten Bereich des Lichts fluoreszierende Eigenschaften. Das bedeutet: Wird es mit UV-Licht bestrahlt, so sendet es innerhalb von Sekundenbruchteilen wiederum selbst Licht aus – in diesem Fall handelt es sich um Strahlung mit einem Maximum bei einer Wellenlänge von 450 Nanometern, also ein tiefes Blau, beobachteten die Wissenschaftler. Wie intensiv diese Fluoreszenz ausfällt, hängt vom Reifegrad der Banane ab. Das Leuchten steigt mit Fortschreiten der Reifung an und nimmt wieder ab, wenn der Abbau des Chlorophylls weitgehend abgeschlossen ist.

"Das blaue Leuchten wurde offensichtlich bisher vollkommen übersehen – das ist überraschend", wundert sich Kräutler. Dabei müsste die ungewöhnliche Farbe ja eigentlich ins Auge stechen. Auch hatten Wissenschaftler vergleichbare leuchtende Pflanzenstoffe bisher nur als kurzlebige Substanzen gefunden, nicht als stabile, langlebige Verbindungen.

Über Sinn und Zweck der ungewöhnlichen Abbauvorgänge in den Pflanzen können die Forscher bisher nur spekulieren. Möglicherweise wirkten die Substanzen als natürlicher Konservierungsstoff für die Frucht, vermutet Kräutler. Doch auch die zweite Erklärung klingt plausibel: "Viele Tiere, die Bananen fressen, können im UV-Bereich sehen. Sie könnten das Blau als wichtiges Signal verwenden, dass eine Frucht reif ist." (ud)

Weitere Informationen:
Zur Originalarbeit der Forscher