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03.11.2004

Was Farben in der Politik zu sagen haben

Nicht alle Farbsymbole gehen auf historische Wurzeln zurück – auch der Zufall spielte mit

Rot-Grün, Schwarz-Gelb oder die Ampelkoalition: Farben als Symbole für Parteien sind aus der politischen Diskussion nicht mehr wegzudenken. Dass die Grünen mit Grün, die SPD mit Rot, die CDU mit Schwarz und die FDP mit Blau-Gelb in Verbindung gebracht wird, hat vor allem historische Gründe – auch wenn manchmal auch Kriterien aus der Farbpsychologie eine Rolle gespielt haben könnten.

Auch ohne Beschriftung weiß der Betrachter eines solchen Schaubilds sofort, um welche Parteien es sich handelt: So fest ist die politische Farbsymbolik inzwischen im Bewusstsein der Menschen verankert. Grafik: Forschungsgruppe Wahlen
Grafik: Forschungsgruppe Wahlen

Bereits bei den Römern wurden Parteien mit Farben in Verbindung gebracht: Bei den Wagenrennen im Kolosseum in Rom kämpften meist Wagen aus vier Rennställen um den Sieg. Damit das Publikum die unterschiedlichen Parteien im Staub der Arena leichter voneinander unterscheiden konnte, waren die Rennwagen mit Grün, Blau, Rot und Weiß gekennzeichnet. Es entwickelte sich ein regelrechter Fankult um die einzelnen Rennställe, bei dem die Farbe eine zentrale Rolle spielte. Nero zum Beispiel war ein absoluter Verfechter der grünen Partei. Er soll sich auch gerne grün gekleidet haben, um dies zu demonstrieren. Aus den antiken Renngesellschaften, die zunächst eher sportlicher Natur waren, sind später auch Parteien mit religiösen und politischen Interessen entstanden.

An Nero dachten die Grünen sicherlich nicht, als sie sich nach der Farbe Grün benannten: Seit alters her versinnbildlicht Grün Vegetation, Wachstum und Hoffnung. Kein andere Farbe eignet sich daher derart gut als Signal, dass sich die Partei für Umwelt und Ökologie engagiert. Wieso sich die FDP in Gelb und Blau präsentiert, ist dagegen eher pragmatischer Natur: "Die Farbkombination Blau-Gelb ist zum ersten Mal im baden-württembergischen Landtagswahlkampf 1972 eingesetzt worden und geht auf einen Vorschlag der Werbeagentur Baums, Mang und Zimmermann zurück", heißt es auf der Internetseite des Bundesverbandes der Partei. Mit dem Blau-Gelb machten die Liberalen so gute Erfahrungen, dass auch die Bundespartei bei der Bundestagswahl im Oktober 1972 diese Farbkombination übernahm.

Warum die Farbwahl ausgerechnet auf Blau-Gelb fiel, hatte jedoch keinen besonderen Grund. Der Erfolg der Farbkombination ist farbpsychologisch gut zu begründen: Mit leuchtendem Gelb, einer der Farben mit dem stärksten Signalcharakter, macht die Partei wirkungsvoll auf sich aufmerksam und signalisiert gleichzeitig Lebensfreude und Leichtigkeit. Das Blau steht für Sachlichkeit und Seriosität und bietet dazu eine gute Ergänzung.

Auch wenn die CDU und die CSU zwar kein Schwarz in ihren Parteisignets und Wahlprospekten führen, werden die Christdemokraten häufig als "die Schwarzen" bezeichnet und in den meisten Darstellungen von Wahlergebnissen in dieser dunklen Farbe dargestellt. Schwarz wird häufig mit kirchlichen Traditionen und Werten assoziiert, denen sich auch die beiden Parteien verpflichtet fühlen: Schwarz sind auch die Gewänder der Priester und Pastoren.

Dass rechtsradikale Gruppierungen als braun bezeichnet werden, geht zurück auf die Kleidung der NSDAP-Parteitruppen zur Zeit der Weimarer Republik. Dass die Wahl dabei auf Braun fiel, ist reiner Zufall: Adolf Hitler hatte in diesen Anfangszeiten zufällig günstig einen großen Posten braunen Stoffes für Uniformhemden erworden. "Das wurde auf die gesamte Partei übertragen", erklärt Frank Bösch, Juniorprofessor für Mediengeschichte an der Universität Bochum. "Zum Beispiel wurden Parteigebäude 'Braunes Haus' genannt."

Bei den roten Parteien lässt sich die Farbwahl ebenfalls auf ein konkretes geschichtliches Ereignis zurückführen: Im Mittelalter war sie noch die Farbe der Herrschenden, veränderte sich die politische Bedeutung von Rot mit der Französischen Revolution drastisch. Die extremste Fraktion der Revolutionäre, die Jakobiner, wählte eine rote Kopfbedeckung als Kennzeichen. Die feuerrote Jakobinermütze avancierte schon bald zum Symbol der gesamten Revolution, und Rot, Farbe von Blut und Feuer, gilt seitdem als die Farbe der Revolutionäre. Heute werden die linken Parteien als "Rote" bezeichnet, deren Spektrum von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten reicht.