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11.04.2012

Was Giftgrün mit ungesunden Farben zu tun hat

Die Redewendung vom giftigen Grün gibt es bereits seit Jahrhunderten

Die Farbe Grün steht für Natur und Fruchtbarkeit und ist daher positiv besetzt. Wird der Farbton jedoch zu intensiv, schlägt das positive Image ins pure Gegenteil um: Dann fällt schnell das Wort "giftgrün" – die einzige Farbbezeichnung im Deutschen, die auf eine ungesunde Wirkung hinweist. Doch was ist giftig an der Farbe Grün? Was hat diese Farbe mit schädlichen Substanzen zu tun? Die Antwort findet sich in der Geschichte der Herstellung grüner Farbe: Hier stößt man auf mehrere historische grüne Farbstoffe, die in der Tat giftig sind. Ob darauf das Wort "giftgrün" jedoch tatsächlich zurückgeht, ist allerdings fraglich.

Unter die Bezeichnung "giftgrün" können zahlreiche verschiedene Grüntöne fallen – dieser gehört mit Sicherheit dazu. Foto: Yvonnes_photos, Photocase.com
Grünes Auto, Foto: Yvonnes_photos, Photocase.de

Der bekannteste giftig-grüne Farbstoff ist Kupfer-Arsenit-Acetat – eine Verbindung von Essigsäure, Kupfer und Arsen. Unter dem Namen Schweinfurter Grün wurde er Anfang des 19. Jahrhunderts in Schweinfurt erstmals industriell hergestellt. Bekannt war der Farbstoff jedoch auch unter zahlreichen weiteren Namen, darunter Scheelesches oder Pariser Grün. Das Grün wurde unter anderem zum Bedrucken von Tapeten verwendet, wo es sogar eine besonders perfide Wirkung entfalten konnte: Zersetzen Bakterien das bedruckte Tapetenmaterial, können Arsenverbindungen in die Atemluft übergehen.

Betroffen soll davon kein geringerer als Napoleon bei seiner Verbannung auf St. Helena gewesen sein: Das Haus, in dem er lebte, war mit Tapeten versehen, die mit Schweinfurter Grün bedruckt waren – was bei Wissenschaftlern die Vermutung aufkommen ließ, er sei an einer Arsenvergiftung gestorben. Doch Analysen von Haarproben ergaben, dass der Korse im Lauf seines Lebens mehrfach Arsenbelastungen ausgesetzt war und es wohl nicht diese letzte Dosis gewesen sein konnte, die ihm schließlich im Alter von 51 Jahren den Tod brachte.

Vincent van Gogh gehört zu den Malern, die die Leuchtkraft des giftigen Schweinfurter Grüns schätzten und das Pigment daher in vielen Werken einsetzten. Repro: public domain
Vincent van Gogh, Repro: public domain

Die Giftigkeit des Schweinfurter Grüns wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, und 1882 wurde der Einsatz als Farbstoff in Deutschland verboten. Eingesetzt wurde die Verbindung jedoch bis in die 1940er Jahre hinein in Insektiziden für den Wein- und Obstbau.  Als Farbstoff errang das Schweinfurter Grün auch Popularität durch Impressionisten wie Vincent van Gogh, die es wegen seiner Leuchtkraft schätzten.

Die Verbindung ist jedoch nicht das einzige grüne Pigment, das in hohen Dosen giftig wirken kann. Zu nennen ist hierbei vor allem der Grünspan: Diese Verbindung von Kupfer und Essigsäure ist leicht toxisch und übrigens nicht zu verwechseln mit der grünen Patina, die sich auf Kupferkesseln und -dächern bilden kann und umgangssprachlich oft fälschlich ebenfalls als Grünspan bezeichnet wird. Ein weiteres Beispiel ist das Chromgrün, das aus einem Gemisch von Blaupigmenten und Chromgelb – chemisch Bleichromat – entsteht und ebenfalls giftig ist.

Diese Beispiele belegen, dass es unter den grünen Farbpigmenten tatsächlich eine ganze Reihe giftige gibt. Doch ist das tatsächlich der Ursprung des Wortes "giftgrün"? Wie so oft bei etymologischen Fragen liefert das Wörterbuch der Brüder Grimm den wichtigsten Anhaltspunkt: Es datiert die erste belegte Verwendung des Wortes auf das Jahr 1588. In einer Schrift des Theologen und Predigers Siegmund Suevus taucht das Wort bereits auf: "Der gantze leib erstarret, sich greulich entferbet, gifftgrüne, bleichgelb, und erdfarbig wird", schreibt der Gelehrte in seiner Erbauungsschrift "Spiegel der menschlichen Seele".

Drachen und andere Untiere sind in vielen alten Darstellungen grün gefärbt – auch hier in dem berühmten von Paolo Uccello um 1470 gemalten Bild des Heiligen Georg. Repro: public domain
Drache, Repro: public domain

Das Wort "giftgrün" war also bereits zu Zeiten in Gebrauch, in denen noch niemand von der Giftigkeit von Arsen- oder Bleiverbindungen wusste. Das Wort wurde und wird vielmehr verwendet, wenn von einer ungesunden Körperfarbe die Rede ist – jemand ist "ganz grün im Gesicht", sagt man noch heute.

Die Verbindung von Giftigkeit und der Farbe Grün passt übrigens zudem auch zu den Beschreibungen von Drachen, Lindwürmern und allerhand anderem widerlichen Getier, die in vielen Märchen und Sagen erwähnt werden und denen ebenfalls oft eine grüne Farbe zugeschrieben wird. Und wahrscheinlich hat auch das erst in der jüngeren Geschichte hinzugekommene Wissen um die Giftigkeit vieler grüner Farbstoffe dazu beigetragen, dass sich diese Assoziation in der deutschen Sprache festgesetzt hat. (ud)

 

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