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30.09.2015

Was der Blues noch mit der Farbe Blau zu tun hat

Traurige Menschen können schlechter Blautöne unterscheiden

"I feel blue", sagen Amerikaner manchmal – "Ich fühle (mich) blau". Sie meinen dabei keineswegs den Alkoholpegel, sondern eine melancholische, traurige Stimmung. Eine solche Verbindung zwischen diesem Gefühl und der Farbe Blau ergibt sich jedoch auch aus der Wahrnehmungspsychologie, haben amerikanische Wissenschaftler nun herausgefunden: Traurige Probanden konnten in Tests Blautöne schlechter unterscheiden.

Blau wird nicht nur im englisch-amerikanischen Sprachraum mit einer melancholischen Stimmung verbunden – das könnte einen wahrnehmungspsychologischen Hintergrund haben. Foto: georghundt, Photocase.com
Blaue Melancholie.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass schwere Depressionen die Fähigkeit beeinträchtigen, Farbkontraste wahrzunehmen. Das ließ die Psychologen um Christopher Thorstenson von der Universität in Rochester vermuten, dass auch ein Zusammenhang zwischen Stimmung und der eigentlichen Farbwahrnehmung besteht. Die Forscher zeigten daher in einem Test 127 Probanden kurze Filmclips. Diese lösten entweder eine traurige Stimmung aus oder sie stammten von Standup-Comedians und erzeugten gute Laune. Anschließend hatten die Freiwilligen die Farbtöne von 48 Farbproben zu beurteilen.

Das Ergebnis überraschte die Wissenschaftler: Waren die Probanden in eine traurige Stimmung versetzt worden, schnitten sie in den Tests deutlich schlechter ab – allerdings nur, wenn sie Farben auf einer Skala zwischen Blau und Gelb unterscheiden mussten. Ging es um Farben auf der Rot-Grün-Skala, entsprachen ihre Leistungen den Probanden, die den lustigen Filmclip angeschaut hatten.

Dem gleichen Test unterzogen die Forscher im zweiten Teil der Studie eine Gruppe von 130 Freiwilligen, die dieses Mal jedoch entweder den traurigen Film oder einen Clip zu sehen bekamen, der keine besondere Stimmung vermittelte. Das Ergebnis: Wieder schnitten die traurigen Probanden merklich schlechter ab.

"Wir waren überrascht, wie markant der Effekt war, dass die Farbwahrnehmung nur entlang der Blau-Gelb-Skala beeinträchtigt wurde", kommentiert Thorstenson die Ergebnisse. Über die wahrnehmungspsychologischen Ursachen können die Forscher bisher nur spekulieren. Da bei den traurigen Probanden die Farbwahrnehmung auf der Rot-Grün-Achse genau gleich gut war, können die Forscher ausschließen, dass diese aufgrund ihrer Stimmung lediglich abgelenkt oder weniger motiviert waren.

Weitere Studien müssten nun zeigen, wie die Farbwahrnehmung genau vom emotionalen Zustand beeinflusst wird. Die Forscher vermuten, dass hierbei dem Botenstoff Dopamin eine tragende Rolle zukommt. (ud)