06.02.2013

Was gelbe Füße mit den Badenern zu tun haben

Der Begriff des Gelbfüßlers ist schon über vierhundert Jahre alt und bezeichnete einst den gesamten südwestdeutschen Volksstamm

Gelbfüßler: Diese Bezeichnung für aus Baden stammende Menschen wird von manchen abfällig gebraucht – von vielen Badenern aber nichtsdestotrotz mit Stolz geführt. Dient sie doch nicht zuletzt der Abgrenzung von den Württembergern, mit denen die Badener seit über sechzig Jahren mehr oder minder glücklich in einem Bundesland vereint sind. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: So ganz auf die Bewohner Badens beschränkt – wie heute – war die Bezeichnung früher keineswegs. Und dass der Name etwas mit der Farbe Gelb zu tun hat, hat sogar eine ganze Reihe von Gründen.

An der Nordseeküste sind gelbe Stiefel heute eine Art Nationaltracht – die Bezeichnung "Gelbfüßler" beanspruchen die Badener im Südwesten Deutschlands jedoch ganz für sich. Foto: Pünktchen., Photocase.com
Gelbe Stiefel, Foto: pünktchen, Photocase.com

Die Badener, die Württemberger und die Bayern: Ganz so klar wie heute war der Bezug zwischen Landschaft und Volksgruppe in den vergangenen Jahrhunderten nicht. Das trifft auch auf die Schwaben zu: So umfasste das Herzogtum Schwaben im 10. Jahrhundert ein Gebiet, das vom Elsass im Westen bis nach Augsburg im Osten und bis zum Hauptkamm der Alpen im Süden reichte – und damit auch Regionen umfasste, deren Bewohner heute weit von sich weisen würden, Schwaben zu sein.

Und von eben diesen Schwaben wurde bereits im 16. Jahrhundert behauptet, sie hätten "gelb Füß", berichtet der Sprachforscher Dr. Rudolf Post von der Universität Freiburg. Laut Post, bis 2009 Bearbeiter des Badischen Wörterbuchs und damit ausgewiesener Baden-Experte, ist eine Passage eines 1582 veröffentlichten Werks des Schriftstellers Johann Fischart die älteste bekannte Quelle, in der von gelber Fußfarbe die Rede ist.

Woher dieser Begriff allerdings kam, darüber kann nur spekuliert werden. Eine Erklärung ist, dass die vielfach ärmlichen Bewohner des Landes meist barfuß unterwegs waren und auf den Straßen auch in allerlei menschliche und tierische Hinterlassenschaften getreten sein mussten. Konkreter wird es dann im 19. Jahrhundert, wo gleich eine Fülle von Hinweisen für die Bezeichnung existiert. Überliefert ist etwa die Anekdote aus dem schwäbischen Städtchen Bopfingen: Deren Bewohner hätten einst als Abgabe an den Herzog unter anderem Eier liefern müssen – und um mehr davon in einem Korb unterzubringen, hätten sie versucht, diese mit den Füßen ein wenig zu verdichten.

Gelb ist neben Rot die zentrale Farbe des einst souveränen Staates Baden – ein möglicher Grund, weshalb die Badener heute als Gelbfüßler bezeichnet werden. Foto: public domain
Baden, Foto: public domain

Verbreitet war auch die Aussage, die gelben Füße gingen auf die von den Weinbauern vielerorts getragenen Hosen aus gelbem Hirschleder zurück – wobei anzumerken ist, dass in den südlichen Dialekten der Begriff "Fuß" nicht nur den Körperteil unterhalb des Unterschenkels bezeichnet, sondern das ganze Bein. Die Rede ist auch von gelben Gamaschen, die von Soldaten badischer Regimente getragen worden sein sollen, sowie von der Bekleidung schwäbischer Hofbediensteter.

Wie dem auch sei: Der Gelbfüßler war zur damaligen Zeit nicht zwingend ein Bewohner des heutigen Badens, sondern konnte fast dem gesamten südwestdeutschen Raum entstammen. Aus heute kaum mehr nachvollziehbaren Gründen wird die Bezeichnung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schließlich nur noch für die Bewohner Badens verwendet. Seither ist der Begriff als Spottname für die Schwaben praktisch ausgestorben und wird nur noch für die Bewohner des einstigen Großherzogtums verwendet, die sich zudem längst nicht mehr als Schwaben verstehen. Dazu beigetragen haben mag auch die Tatsache, dass Gelb die dominierende Farbe des badischen Stammwappens ist.

Die Zusammenlegung Badens und Württembergs zu einem Bundesland im Jahr 1952 scheint die Verbreitung des Spottnamens eher gefördert denn gebremst zu haben – ist die Rivalität der beiden einst souveränen Staaten doch ein steter Quell von Spott und Hänseleien. (ud)