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18.02.2004

Wasch- oder scheuerbeständig?

Eine neue DIN-Norm macht Schluss mit der Sprachverwirrung: Statt diffuser Begriffe sagt nun eine klare Klassifizierung, wie viel mechanische Belastung eine Farbe aushält

Scheuerbeständig heißt nicht etwa, dass sich eine Farbe durch Scheuern nicht entfernen ließe. Bei starker Belastung geht auch scheuerfeste Farbe nach und nach ab. Doch wie gut bleibt Farbe auf der Wand? Mit der neuen DIN EN 13 300 gibt es erstmals eine leicht nachvollziehbare Definition für dieses Merkmal.

Wie viel mechanische Belastung hält Farbe am Haus aus? Eine neue Norm verschafft Klarheit.
Wie viel mechanische Belastung hält Farbe am Haus aus? Eine neue Norm verschafft Klarheit.

Wer Farbe auf seine Wand bringt, möchte sicher sein, dass diese genau die gewünschten Eigenschaften besitzt. So soll sie meist möglichst viel aushalten, in manchen Fällen aber auch leicht wieder zu entfernen sein. Um zu gewährleisten, dass der Verbraucher bekommt, was er will, galt lange die DIN-Norm 53 778 für Kunststoffdispersionsfarben für innen. Wasch- und scheuerbeständig waren darin Begriffe, mit denen die Qualität von Farben für Innenräume beschrieben wurde.

Doch die Formulierung führte häufig zu Missverständnissen. So erhofften Verbraucher beispielsweise, dass waschbeständige Farbe auch bei wiederholtem Abwaschen fest auf der Wand bleibt – schließlich sei sie ja waschbeständig. Bei scheuerbeständig dachte mancher, dass er das nicht brauche, weil er nicht vorhatte, seine Wände mit einer Wurzelbürste zu bearbeiten.

Doch tatsächlich war weder wasch- noch scheuerbeständige Farbe für die Ewigkeit gemacht. Die Begriffe gaben lediglich an, wie viele Scheuerbewegungen mit einer speziellen, genau definierten Bürste mit indischen Schweinsborsten die Wandfarbe aushält, ohne dass der Untergrund durchscheint. Scheuerfeste Farbe verträgt 5.000 mal Hin- und Herscheuern, waschfeste lediglich 1.000 Bürstattacken. Dem Heimwerker aber war häufig nicht bewusst, dass die Farbe auf Dauer eben doch abgeht.

Um diesem Missverständnis vorzubeugen und um eine für Europa einheitliche Norm zu schaffen, ist seit dem 1. November 2001 eine neue DIN-Norm in Kraft getreten, die DIN EN 13 300. Sie gilt nicht nur für Kunststoffdispersionsfarben, sondern für alle wasserhaltigen Farben für den Innenbereich. Die Definition der so genannten Nassabriebbeständigkeit ersetzt hier die frühere Scheuer- beziehungsweise Waschbeständigkeit.

Mit einem Scheuerprüfgerät wird die Nassabriebbeständigkeit von Farbe ermittelt.
Mit einem Scheuerprüfgerät wird die Nassabriebbeständigkeit von Farbe ermittelt.

Die Nassabriebbeständigkeit ist dabei in Klassen eingeteilt. Diese werden auch für die neue DIN in einem genormten Prüfverfahren ermittelt. Dabei wird die Farbfläche nicht mehr mit einer Bürste aus indischen Schweinsborsten, sondern mit einem standardisierten Scheuervlies bearbeitet. Der Schichtdickenverlust der Farbe wird dann in Mikrometer angegeben. Verliert die Farbe nach 200 Hüben weniger als 5 Mikrometer an Dicke, gilt Klasse 1, von 5 bis 20 Mikrometer Klasse 2. Letztere Klasse entspricht dem früheren scheuerbeständig. Bei einem Verlust von 20 bis 70 Mikrometer wird eine Farbe in Klasse 3 eingeteilt, was früher als waschbeständig galt. Hält die Farbe noch weniger aus, gelten die Klassen 4 und 5.

In der neuen Norm fallen die verwirrenden Begriffe wasch- und scheuerbeständig also weg. Doch in den Köpfen der Käufer von Farben werden sie das so schnell nicht – sie haben sich an die Formulierung gewöhnt und wollen auch so schnell nicht auf sie verzichten. Deshalb geben Hersteller nach wie vor auch die alte DIN auf ihrer Verpackung an und lassen Hinweise auf das missverständliche wasch- und scheuerbeständig langsam weniger werden. Doch bis sie vollständig vom Etikett verschwunden sind, wird es sicher noch einige Jahre dauern.