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18.05.2011

Wehender Stoff mit Symbolcharakter

Nationalflaggen: Kaum ein anderer Gegenstand ist mehr mit Bedeutung aufgeladen wie die Fahnen der Staaten der Welt

Sie wehen vor Botschaften, an Grenzübergängen, öffentlichen Gebäuden, an Staatskarossen und in manchen Ländern auch in Vorgärten: Flaggen als Zeichen eines Nationalstaats sind mit Symbolik aufgeladen wie kaum ein anderer Gegenstand. Zentrales Element ist dabei fast immer die Farbe. Sie verweist auf die Vegetation des Landes, auf den Himmel, das Meer und schneebedeckte Berge, auf abstrakte Güter wie den Glauben, den Frieden oder die Einigkeit des betreffenden Volkes oder aber auf ganz profane Dinge wie die Farbe von Uniformknöpfen.

Etwa zweihundert Nationalstaaten gibt es auf der Welt – nur begeisterte Vexillologen erkennen alle zugehörigen Flaggen auf Anhieb. Foto: Photo-Beagle, Photocase.com
Fahnen, Foto: Photo-Beagle, Photocase.com

Knapp zweihundert Staaten gibt es auf der Welt – die genaue Zahl ist Sache der Definition, da es immer wieder Regionen gibt, deren völkerrechtlicher Status unklar ist. Wie jeder dieser Staaten zu seiner Flagge gekommen ist, damit befasst sich eine Wissenschaft, die erst seit gut fünfzig Jahren einen eigenen Namen hat: die Vexillologie. Der Begriff leitet sich auch dem lateinischen Wort vexillium her, das Flagge bedeutet.

Schaut man sich die Flaggen der Welt in einer Zusammenschau an, fällt zunächst auf, dass die Zahl der verwendeten Farben überraschend gering ist: Mit Rot, Gelb, Blau und Grün sowie Weiß und Schwarz lässt sich bereits der allergrößte Teil aller Flaggen abdecken. Ab und zu kommen noch Braun- oder Beigetöne vor, Farbtöne wie Violett, Pink, Grau oder Türkis fehlen hingegen völlig.

Was die in den Flaggen transportierte Symbolik angeht, zeigt sich hier die ganze Vielfalt von Kultur und Geografie der Erde. Alle Flaggen und die Bedeutungen ihrer Farben aufzuzählen, würde Bände füllen. Doch einige Flaggen mit den verwendeten Symbolfarben sind es in jedem Fall wert, vorgestellt zu werden. Beginnen wir mit unseren niederländischen Nachbarn: Deren Flagge ist geradezu ein Klassiker unter den Trikoloren, den dreifarbigen Fahnen. Oben Zinnoberrot, unten Blau und in der Mitte weiß, so flattert die Flagge vor und hinter niederländischen Deichen.

Die niederländische Flagge (links oben) hat die gleiche Farbkombination wie die französische (rechts). Eine Trikolore ist auch die Flagge Boliviens (links unten), während die Landesfarben Jamaikas hierzulande vor allem durch das Schlagwort der "Jamaika-Koalition" bekannt ist. Grafik: ud, public domain
Flaggen, Grafik: ud, public domain

Ihre Geschichte geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals entstand die Trikolore als "Prinsenvlag", als Prinzenflagge zu Ehren von Prinz Wilhelm von Oranien-Nassau, der diese Farben in seinem repräsentativen Mantel trug – allerdings noch mit Orange statt Rot als oberer Farbe. Der Wechsel zum Rot vollzog sich bereits im Lauf des 17. Jahrhunderts, wahrscheinlich aus dem ganz profanen Grund, dass die rote Farbe einfacher herzustellen war. Dennoch ist die Bedeutung von Orange als Farbe der Niederlande nach wie vor groß, nicht nur beim Fußball: Bis heute wird zusätzlich zur Trikolore ein oranger Wimpel gehisst, wenn beispielsweise ein hochrangiges Mitglied des Königshauses seinen Geburtstag feiert.

Ebenfalls aus Weiß, Rot und Blau besteht die französische Flagge – jedoch in Quer- statt Längsstreifen. Hier hält sich die Symbolik in Grenzen: Blau und Rot sind die Farben von Paris, während das Weiß den königlichen Hof repräsentiert. Gebräuchlich ist die Trikolore seit den Zeiten der Französischen Revolution.

Während europäische Flaggen meist Rückblicke in die Geschichte beinhalten, greifen Flaggen jüngerer Staaten häufig die Geografie des Landes auf. Die Flagge Boliviens beispielsweise ist ebenfalls eine Trikolore, nur in den Farben Rot, Gelb und Grün: Rot steht hierbei für das Tierreich oder auch für die Tapferkeit der Soldaten, Gelb für den Reichtum an Mineralien und Grün für die Landwirtschaft. Oder Jamaika mit dem liegenden, gelben X, das von grünen und schwarzen Dreiecken umrahmt wird: Hier steht das Gelb ebenfalls für die Bodenschätze, das Grün für die Hoffnung und die Landwirtschaft und das Schwarz für die Entbehrungen der Menschen im Land in der Vergangenheit und Gegenwart.

Saudi-Arabien (links oben) hat wie viele islamische Staaten Grün als zentrale Farben. San Marino (rechts) und die Ukraine (links unten) kommen mit nur zwei Farben aus. Mit den fünf Teppichmustern ist die Flagge Turkmenistans besonders kompliziert. Grafik: ud, public domain
Flaggen, Grafik: ud, public domain

Grün ist die Farbe des Islam und taucht daher häufig als dominierendes farbiges Element in Flaggen von Staaten auf, in denen überwiegend Muslime leben, beispielsweise Pakistan, Saudi-Arabien oder Mauretanien. Die einfachsten Flaggen bestehen nur aus zwei Farben, darunter beispielsweise die
des europäischen Zwergstaats San Marino: Sie ist oben weiß für den im Winter schneebedeckten Nationalberg Monte Titano, unten blau für den Himmel. Ähnlich einfach ist auch die Flagge der Ukraine, die gelb wie die Getreidefelder der "Kornkammer Europas" und blau wie der Himmel ist.

Einfach, aber wirkungsvoll ist auch die Symbolik der japanischen Flagge: Sie zeigt eine rote Sonnenscheibe auf weißem Grund. Das Weiß soll dabei für Aufrichtigkeit und Reinheit stehen. Als die komplizierteste Flagge überhaupt gilt die Flagge des zentralasiatischen Staates Turkmenistan: Ihre Grundfarbe ist Grün mit einem weißen Halbmond und fünf Sternen für die fünf Stämme des Landes, doch dann wird's schwierig, denn Teil der Flagge ist auch ein Band mit fünf Mustern, die auf altüberlieferten Traditionen in der Teppichherstellung beruhen.

Zum Schluss sei noch die deutsche Flagge erwähnt, hinter der nur teilweise bedeutungsschwangere Symbolik steht: Sie hat ihren Ursprung in den Uniformen des Lützower Freikorps – einer militärischen Einheit, die 1813 für die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft kämpfte und sich auch aus Studenten rekrutierte, die von einem vereinten Deutschland träumten. Die Uniformen des Freiwilligenkorps waren schwarz mit roten Aufschlägen und Goldknöpfen. Aus diesem eher profanen Grund entstanden die Farben Schwarz, Rot und Gold, die allerdings zuvor schon die Farben des Banners des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewesen waren und sogleich wieder durch folgenden Satz mit Bedeutung aufgeladen wurden: "Aus der Schwärze der Knechtschaft durch blutige Schlachten ans goldene Licht der Freiheit." (ud)

 

Arte Themenwoche

Dieser Beitrag ist auch im arte Blog – während der Themenwoche "Farbenfreude" – erschienen: 

http://derblogger.arte.tv/2011/10/19/flagge-zeigen-farbe-bekennen/

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