25.07.2007

Weiße Autos fahren am sichersten

Schwarze, graue und silberne Fahrzeuge werden schlechter gesehen und bergen daher ein höheres Unfallrisiko

Weiße Autos sind am sichersten, schwarze haben das höchste Unfallrisiko. Das sagen australische Wissenschaftler nach einer neuen Analyse von vielen tausend Unfällen, bei denen die Forscher das Unfallrisiko mit der Farbe des Autos in Beziehung setzten. Ihr Fazit: Helle Farben, die gut gesehen werden, sind tatsächlich ein relevanter Sicherheitsaspekt bei Fahrzeugen.

Silbergrau gehört doch nicht zu den sichersten Autofarben, sagen australische Forscher. Foto: tmischek, PhotoCase.com
Silbergrau gehört doch nicht zu den sichersten Autofarben, sagen australische Forscher. Foto: tmischek, PhotoCase.com
Sicher sind all die Farben, die auch bei trüben Lichtverhältnissen noch gut gesehen werden. Foto: wombatonline, PhotoCase.com
Sicher sind all die Farben, die auch bei trüben Lichtverhältnissen noch gut gesehen werden. Foto: wombatonline, PhotoCase.com
 

Schon länger stellen sich Wissenschaftler die Frage, ob die Farbe eines Autos das Unfallrisiko mitbestimmt. Die Antwort darauf zu finden ist allerdings schwieriger als es auf den ersten Blick erscheint. Das Problem: Es gibt einfach zu viele Faktoren, die bei einem Unfall eine Rolle spielen – was sich auch darin widerspiegelt, dass die Ergebnisse der bisher zu diesem Thema durchgeführten Studien alles andere als eindeutig sind.

So kam eine Untersuchung aus Österreich im vergangenen Jahr zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass die Fahrer gelber PKW – umgerechnet auf die gefahrenen Kilometer und die Häufigkeit der Farbe – die wenigsten Unfälle verursachen. Als die unfallträchtigsten Farben stellten sich hell- bis mittelrot und hell- bis mittelgrün heraus. Eine australische Studie aus dem Jahr 2003 bescheinigte hingegen silbernen Autos die niedrigste Unfallwahrscheinlichkeit, wohingegen weiße Fahrzeuge überdurchschnittlich oft in Zusammenstöße verwickelt waren.

Wirklich aussagekräftig ist aber keine von beiden, zeigt eine genauere Betrachtung, denn in beiden Fällen haben die durchführenden Forscher wichtige Einflussfaktoren ignoriert. Die Österreicher etwa hatten ausschließlich selbst verschuldete oder teilverschuldete Unfälle untersucht, nicht die Unfallbeteiligung der unterschiedlichen Autofarben insgesamt. Daher sagt diese Studie mehr über Farbpsychologie als über die Sichtbarkeit von Autos auf den Straßen aus: Die Vorliebe für einzelne Farben geht häufig mit bestimmten Charaktereigenschaften einher, die sich wiederum auf das Fahrverhalten und damit auf das Unfallrisiko auswirken. So bevorzugen junge dynamische Fahrer, die meist auch einen aggressiveren Fahrstil pflegen, Schwarz oder Rot für ihre Autos. Ältere Menschen sind dagegen meist konservativer und wählen ein gediegenes Silber oder ein schlichtes Weiß.

Bei den Australiern verfälschte noch ein anderer Aspekt die Ergebnisse aus 2003: Sie hatten keinen Unterschied in der Art der Fahrzeuge gemacht und Privatwagen genauso wie Taxis und Lieferwagen registriert. Letztere bewegen sich jedoch praktisch ausschließlich in den Innenstädten, wo die Unfallwahrscheinlichkeit per se relativ hoch ist – und sind überdurchschnittlich oft weiß oder gelb, was zumindest zum Teil das schlechte Abschneiden dieser Farben erklärt.

Da es nahezu unmöglich ist, alle potenziellen Einflussfaktoren zu berücksichtigen, entschieden sich die Wissenschaftler Stuart Newstead und Angelo D'Elia von der Monash-Universität in Melbourne in ihrer neuen Studie nun für eine ganz andere Taktik: Sie umgingen das Problem, indem sie Unfälle, bei denen die Sichtbarkeit und damit die Farbe eines Fahrzeugs eine Rolle spielt – etwa Zusammenstöße zwischen zwei PKW an einer Kreuzung oder Unfälle mit Fußgängern – mit solchen verglichen, bei denen dieser Faktor mit einer hohen Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Zu dieser zweiten Gruppe gehörten beispielsweise Kollisionen von Autos mit feststehenden Gegenständen oder auch Unfälle, die nachts passiert waren. Alle anderen möglichen Einflussfaktoren stimmten in den beiden Gruppen im Großen und Ganzen überein, erklären die Forscher. Daher könne man auf diese Weise den Einfluss der Sichtbarkeit und damit der Farbe identifizieren, ohne dass das Alter von Fahrer und Auto oder ähnliches dazwischenfunken.

Unter diesen Aspekten analysierten die Wissenschaftler die Polizeidaten von mehr als 850.000 Unfällen, die zwischen 1987 und 2004 in den australischen Bundesstaaten Victoria und Western Australia verzeichnet worden waren. Taxis und Lieferwagen wurden ausgeschlossen. Tatsächlich deckte die statistische Auswertung einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Autofarbe und dem Unfallrisiko tagsüber auf: Verglichen mit weißen Fahrzeugen war es bei schwarzen um zwölf Prozent erhöht, dichtauf folgen grau und silbern lackierte Autos mit elf und zehn Prozent höherem Risiko. Bei roten und blauen Fahrzeugen besteht immerhin noch eine um sieben Prozent erhöhte Unfallgefahr. Außerdem waren die dunklen Autos überdurchschnittlich häufig in schwerere Unglücke mit Verletzten verwickelt als weiße.

Die dunklen, gedeckten Farben sind weniger auffällig als Weiß und verschmelzen teilweise optisch mit dem Grau des Straßenbelags, erklären die Forscher ihre Ergebnisse. Bei sehr hellen Farben wie Beige, Cremeweiß oder Hellgelb ist das Risiko ähnlich gering wie bei Weiß, sicherer als Weiß war aber keine der Farben.

Ein dunkles Auto zu fahren, kann also tatsächlich die Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden, erhöhen, so das Fazit der Forscher. Sie empfehlen daher den Autokonzernen, ihr Marketing so zu gestalten, dass den potenziellen Käufern die helleren Farben schmackhaft gemacht werden. Auch könne es helfen, wie beispielsweise in Schweden das Fahren mit Licht auch tagsüber zur Pflicht zu machen, sodass der Einfluss der Farbe auf die Sichtbarkeit eines Autos überdeckt wird. Eines sollte man dabei aber nicht aus dem Auge verlieren, mahnen sie: Selbst wenn alle Fahrer weiße oder beigefarbene Autos wählen, sinkt das Unfallrisiko maximal um etwa zehn Prozent – und das ist wenig verglichen mit dem Sicherheitsgewinn, den eine vernünftige vorausschauende Fahrweise und der Verzicht auf Alkohol am Steuer bringt. (cp/ilb)