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10.04.2013

Weißes Muster auf blauem Grund

Der Blaudruck hat in Mitteleuropa eine mehrere Hundert Jahre alte Tradition


Tischdecken mit blauen Blumenmustern, Vorhänge mit farbigen Bordüren, alte Trachten mit blauen Ornamenten: Auf den noch im vergangenen Jahrhundert in ganz Mitteleuropa verbreiteten Blaudruck stößt man heute fast nur noch in Museen. Paradoxerweise ist der Blaudruck eigentlich gar kein Druck, bei dem eine Farbe auf Stoff gedruckt wird, sondern ein Färbeverfahren. Dabei wird auf den Stoff, der in die Farbe getaucht wird, zuvor eine Schutzschicht aufgebracht, die verhindert, dass sich der Farbstoff auf der Textilfaser festsetzt. Die so „imprägnierten“ Bereiche bleiben beim Färben weiß.

Der Druck von Blumenornamenten im bäuerlichen Stil ist die klassische Anwendung der Blaudrucktechnik. Foto: Gernek, CC-Lizenz
Blaudruck, Foto: Gernek, CC-Lizenz

Die Geschichte des Blaudrucks in Europa beginnt mit einem Rätsel: Der römische Geschichtsschreiber Plinius der Ältere berichtete von einem in Ägypten bekannten Färbeverfahren, das auf der Abdeckung von Teilen des Stoffes beruht. Doch die Aufzeichnungen des Gelehrten waren so kryptisch, dass eine Umsetzung in die Praxis über Jahrhunderte hinweg nicht gelang. Erst Handelsreisende  aus Asien, wo dieser sogenannte Reservedruck ebenfalls bereits verbreitet war, brachten schließlich verwertbares praktisches Wissen nach Mitteleuropa. So verbreitete sich Ende des 17. Jahrhunderts der Blaudruck von der Handelsmetropole Amsterdam aus schnell in ganz Europa.

Die Hauptschwierigkeit bei dieser Technik war, eine solide Schutzschicht auf den Stoff zu bekommen, die dem gesamten Färbeprozess standhält. Kritisch war dies vor allem mit dem aus der Pflanze Färberwaid gewonnenen blauen Farbstoff, der überall in Europa weitverbreitet war, ehe dieser durch aus Asien importierten Indigo ersetzt wurde. Die Küpe – jene farbige Flüssigkeit, in die der Stoff getaucht wird – musste bei dem heimischen Färberwaid erwärmt werden, was die teilweise aus Wachs bestehende Schutzschicht leicht zerstörte.

Mit der auch kalt funktionierenden Färbung mit importiertem Indigo und der Entwicklung beständigerer sogenannter Schutzreserven bekamen die Färber Anfang des 18. Jahrhunderts dieses Problem jedoch allmählich in den Griff. Diese Reserven enthielten unter anderem Gummi arabicum, Kupfersulfat, Kaolin und Wasser. Die genaue Zusammensetzung war unter den Blaudruckern oft ein gut gehütetes Geheimnis, das nur innerhalb eines Betriebs weitergegeben wurde. 

Die Modeln wurden üblicherweise aus Holz hergestellt und anschließend plangeschliffen, damit sie auf dem Stoff einen möglichst sauberen Abdruck hinterließen. Foto: Oxyman, CC-Lizenz
Tracht, Foto: Oxyman, CC-Lizenz

Aufgetragen wurde der breiartige sogenannte Papp mit Schablonen, die Modeln genannt wurden. Traditionell bestanden diese aus Holz, in das mit Stechbeiteln die gewünschten Muster eingestochen wurden. Diese Stempel wurden dann plangeschliffen, sodass sie auf dem Tuch ein sauber begrenztes Muster hinterließen. Den Papp ließ man dann auf dem Stoff trocknen und entfernte ihn nach dem Färben mit verdünnter Schwefelsäure. Zurück blieb ein weißes Muster auf dem blau gefärbten Stoff.

Da sich mittels dieser Stempeltechnik mit viel geringerem Aufwand als beispielsweise über Stickereien gemusterte Stoffe herstellen ließen, war der Blaudruck gerade beim ärmeren Teil der Bevölkerung beliebt. So waren und sind blau gedruckte Motive Teil vieler Trachten – von sorbischen Festtagskleidern bis hin zu alten Tiroler Schürzen. Der traditionelle Reservedruck ist dabei allerdings längst die Ausnahme geworden: Gedruckt wird heute meistens direkt in Weiß. (ud)