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15.10.2008

Wenn Fischen rot vor Augen wird

Forscher haben rot leuchtende Fische entdeckt – damit gelangt diese Farbe in bislang ungeahnte Tiefen

Farben haben es schwer unter Wasser. Sie werden gestreut, gebrochen oder gleich ganz ausgelöscht. Am härtesten trifft es Rot: Schon wenige Meter unter der Wasseroberfläche verschwindet es aus dem Spektrum des sichtbaren Lichts, da Wasser rotes Licht am besten absorbieren kann. Blaues und grünes Licht dringen tiefer in das Wasser ein – diese Farben sind auch in fünfzig Metern Wassertiefe noch erkennbar.

Foto: Michiels et al, BMC Ecology 2008

Unscheinbar sind die von den Tübinger Forschern untersuchten Fische. Foto: Michiels et al, BMC Ecology 2008

Foto: Michiels et al, BMC Ecology 2008

Ihr rotes Leuchten offenbaren die Tiere erst mit Hilfe spezieller Rotfilter. Foto: Michiels et al, BMC Ecology 2008

 

Rot verwandelt sich dagegen bereits in zehn Metern Wassertiefe in Grau. Fische wie der Rotbarsch, die außerhalb des Wassers leuchtend rot gefärbt sind, wirken dann unter Wasser plötzlich unscheinbar grau. In der roten Farbe von Fischen sahen Wissenschaftler daher lange Zeit nur eine Tarnungsvariante: Der Wechsel von Rot zu Grau in der Tiefe helfe den Tieren, mit ihrer Umgebung zu verschmelzen und sich vor Feinden zu verstecken, so die Annahme der Forscher.

Der Zoologe Nico Michiels, Professor an der Universität Tübingen, hat aber jetzt eine Entdeckung gemacht, die diese Theorie in Frage stellt. Auf mehreren Tauchgängen konnte der Professor zusammen mit Kollegen beobachten, dass es auch unterhalb von zehn Metern durchaus noch sichtbare Rottöne gibt. Dieses Rot stammt von Lebewesen, die das blau-grüne Licht der Tiefe in rotes Glühen umwandeln. Der wissenschaftliche Ausdruck für dieses Phänomen ist "Fluoreszenz".

Bei Fischen sind für die Fluoreszenz winzige Kristalle in der Fischhaut verantwortlich, die das einfallende Sonnenlicht aufnehmen und als rotes Licht wieder abstrahlen. Im Dunkeln können die Tiere daher nicht leuchten, aber schon geringe Mengen an Restlicht reichen aus, um beeindruckende Effekte zu erzeugen. Vor allem riffbewohnende Fische strahlen mit rotem Licht um die Wette – Michiels und seine Kollegen berichten in einer Veröffentlichung im Fachblatt "BMC Ecology" von 32 Fischarten aus 16 Gattungen, die sie beim Leuchten ertappen konnten.

Der Zoologe und seine Kollegen sind sich daher sicher, dass Rot eine wesentlich größere Rolle im Leben von Fischen spielt als bislang angenommen. Michiels vermutet in der Fluoreszenz eine Art "privaten Kommunikationskanal" für die Fische: Da Rot unter Wasser nur auf sehr kleine Entfernung zu sehen ist, können Fische damit quasi unbeobachtet von anderen Botschaften austauschen. Für diese These spricht auch die Tatsache, dass sich die fluoreszierende Flächen bei vielen Fischen vor allem an Stellen finden, die gerne zum Signalisieren benutzt werden – beispielsweise auf Flossen oder rund um die Augen.

Um das Farbenschauspiel unter Wasser beobachten zu können, benutzten die Wissenschaftler während ihrer Tauchgänge spezielle Rotfilter an Tauchermasken und Kameras – kein ganz ungefährliches Unterfangen, wie Michiels beschreibt: "Desorientierung wird dabei zu einem ernsten Problem", so der Zoologe. Da der Rotfilter nur noch wenig Restlicht zulässt, hat so ein Tauchgang große Ähnlichkeit mit Nachttauchen. Interessierte warnt der Professor daher vor der Nachahmung. Nur erfahrene Taucher sollten mit derartigen Filtern an ihren Masken arbeiten.

Viele der fluoreszierenden Fische lassen sich aber bereits ohne spezielle Ausrüstung beobachten, betont Michiels. Umso bemerkenswerter ist es, dass bislang niemand über die rot fluoreszierenden Fische berichtete – der Zoologe erklärt diesen Umstand mit dem Verhalten von Tauchern und Fischen: Meeresforscher suchten bislang vor allem nachts nach Zeichen von Fluoreszenz, meist mit Hilfe von starken UV-Lampen. Das Licht dieser Lampen ist allerdings ungeeignet, um rot leuchtende Fische zum Glühen zu bringen. Zudem verstecken sich die meisten dieser Fische während der Nacht, sodass sich die Taucher und Fische bis vor kurzem aus dem Weg gehen konnten. Nach Michiels’ Entdeckung dürfte dies jedoch anders werden und die rot fluoreszierenden Fische werden nicht länger im Verborgenen glühen. (zen)

Der Zoologe und seine Kollegen sind sich daher sicher, dass Rot eine wesentlich größere Rolle im Leben von Fischen spielt als bislang angenommen. Michiels vermutet in der Fluoreszenz eine Art "privaten Kommunikationskanal" für die Fische: Da Rot unter Wasser nur auf sehr kleine Entfernung zu sehen ist, können Fische damit quasi unbeobachtet von anderen Botschaften austauschen. Für diese These spricht auch die Tatsache, dass sich die fluoreszierende Flächen bei vielen Fischen vor allem an Stellen finden, die gerne zum Signalisieren benutzt werden – beispielsweise auf Flossen oder rund um die Augen.

Um das Farbenschauspiel unter Wasser beobachten zu können, benutzten die Wissenschaftler während ihrer Tauchgänge spezielle Rotfilter an Tauchermasken und Kameras – kein ganz ungefährliches Unterfangen, wie Michiels beschreibt: "Desorientierung wird dabei zu einem ernsten Problem", so der Zoologe. Da der Rotfilter nur noch wenig Restlicht zulässt, hat so ein Tauchgang große Ähnlichkeit mit Nachttauchen. Interessierte warnt der Professor daher vor der Nachahmung. Nur erfahrene Taucher sollten mit derartigen Filtern an ihren Masken arbeiten.

Viele der fluoreszierenden Fische lassen sich aber bereits ohne spezielle Ausrüstung beobachten, betont Michiels. Umso bemerkenswerter ist es, dass bislang niemand über die rot fluoreszierenden Fische berichtete – der Zoologe erklärt diesen Umstand mit dem Verhalten von Tauchern und Fischen: Meeresforscher suchten bislang vor allem nachts nach Zeichen von Fluoreszenz, meist mit Hilfe von starken UV-Lampen. Das Licht dieser Lampen ist allerdings ungeeignet, um rot leuchtende Fische zum Glühen zu bringen. Zudem verstecken sich die meisten dieser Fische während der Nacht, sodass sich die Taucher und Fische bis vor kurzem aus dem Weg gehen konnten. Nach Michiels’ Entdeckung dürfte dies jedoch anders werden und die rot fluoreszierenden Fische werden nicht länger im Verborgenen glühen. (zen)