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23.04.2008

Wenn Hell und Dunkel aus dem Gleichgewicht geraten

Der Begriff der Farbinversion erklärt, warum manche Farbtöne einfach nicht zueinander passen

Sie begegnet uns überall, viele Menschen nehmen sie wahr, doch nur Fachleute können sie wirklich benennen und damit dingfest machen: Die Farbinversion ist ein grundlegender Begriff in der Farbgestaltung, mit dem sich erklären lässt, warum manche Farbtöne einfach nicht zueinander passen. Geprägt hat den Begriff in den 1940er Jahren der Schweizer Farbforscher Aemilius Müller.

So entsteht eine Farbinversion: Im obigen Beispiel ist das Violett wie gewohnt dunkler als der Gelbton, im unteren ist diese Harmonie gestört. Grafik: Karl Nagel
Grafik: Karl Nagel

So schnell fast jeder Betrachter erkennt, dass "da etwas nicht stimmt", wenn er auf eine Farbinversion stößt, so schwierig ist es, den Effekt in Worten zu beschreiben. Ausgangspunkt ist der Gedanke, dass jede Farbe ihre spezifische Helligkeit besitzt. Die Farbe Gelb ist am hellsten, Rot und Grün rangieren im Mittelfeld, und Blau ist unter allen reinen, gesättigten Farben am dunkelsten. Besonders anschaulich werden die unterschiedlichen Helligkeitswerte der Farbe, wenn man eine Schwarzweiß-Aufnahme, beispielsweise die des Farbkreises, betrachtet. Dann schlagen sich die Helligkeiten in Form unterschiedlicher Graustufen nieder.

Die jedem Farbton zugrunde liegende Helligkeit ist mitentscheidend dafür, ob dieser mit einem anderen Farbton harmoniert. Ist dieses Verhältnis der Helligkeiten gestört, wird die Farbkombination als unharmonisch empfunden. Wird beispielsweise ein Gelb verhüllt oder abgedunkelt, bis ein Lehmocker entsteht, und gleichzeitig ein Blau so aufgehellt, bis es heller wirkt als das benachbarte Gelb, so erzeugt das Disharmonie. Die gewohnte Empfindung, nach der Gelb heller ist als Blau, ist gestört – beide Farbtöne passen nicht zueinander. Genau dann sprechen Farbgestalter von Farbinversion. Aemilius Müller (1909 bis 1989) hat diesen Effekt als erster Farbforscher 1948 in seinem Werk "Moderne Farbharmonielehre" in Worte gefasst.

Solche Farbinversionen begegnen dem aufmerksamen Betrachter nahezu überall. Sie wirken in der Regel befremdlich, was aber keineswegs heißt, dass sie nicht auch manchmal ihre Berechtigung hätten. Modeschöpfer, Raumdesigner und auch Künstler arbeiten immer wieder mit Farbinversionen, um bestimmte Stimmungen zu schaffen. (ud)