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26.09.2007

Wenn der Schein trügt

Warum die gleiche Farbe unter verschiedenen Lichtquellen anders aussieht

Endlich den passenden roten Pullover zur roten Hose gefunden, gekauft, zu Hause ausgepackt – und die Rottöne von Ober- und Unterteil passen auf einmal gar nicht mehr zusammen. Ärgerlich. Schuld daran ist das menschliche Auge. Die Farbwahrnehmung hängt davon ab, ob etwas unter Kunst- oder Tageslicht betrachtet wird, denn das Auge rechnet die Lichtfarbe einfach mit zur Farbe des Kleidungsstückes dazu.

Gerade bei den Farbtönen von Stoffen kann unterschiedliches Licht sehr unterschiedliche Seheindrücke mit sich bringen. Foto: Willma, PhotoCase.com
Gerade bei den Farbtönen von Stoffen kann unterschiedliches Licht sehr unterschiedliche Seheindrücke mit sich bringen. Foto: Willma, PhotoCase.com

Gelb ist gelb – zumindest für das menschliche Auge. Unser Auge kann nicht unterscheiden, ob es sich um eine "rein" gelbe Lichtquelle handelt oder um ein so genanntes Mischlicht aus Grün und Rot. Beides erscheint gleich gelb. Dieser Effekt heißt Metamerie. Er tritt auf, weil das Auge nur drei Farbsinneszellen, die so genannten Rot-, Grün- und Blau-Rezeptoren oder auch Zapfen, zur Verfügung hat. Alle anderen Farben berechnet das Gehirn aus den Informationen dieser Sinneszellen und ihren Verschaltungen untereinander. Durchaus erfolgreich: Unter optimalen Bedingungen kann der Mensch immerhin einige Millionen Farben unterscheiden.

Doch diese Funktionsweise hat auch ihre Tücken – die dem Menschen unter anderem beim Einkauf von farbig passender Kleidung ein Schnippchen schlägt. Denn für das menschliche Auge besteht kein Unterschied zwischen einer Wellenlänge von beispielsweise 600 Nanometern, was einem bestimmten Gelbton entspricht und einem Mischlicht, das aus zwei verschiedenen Wellenlängen besteht, zum Beispiel aus rotem Licht mit einer Wellenlänge von 700 Nanometern und grünem Licht mit der Wellenlänge von 500 Nanometern. In beiden Fällen werden die rot- und grünempfindlichen Zapfen gleichermaßen angeregt und derselbe Farbeindruck entsteht.

Betrachtet man daher im Kaufhaus unter Kunstlicht eine Farbe, berechnet das Auge die Wellenlängen der Beleuchtung mit ein. Kunstlicht strahlt im Gegensatz zum Tageslicht jedoch nicht alle Wellenlängen aus. Ihm fehlen meist die Blauanteile des Tageslichts, es erscheint gelblich bis rötlich. Das hat Auswirkungen auf unser Farbempfinden. So bekommt der im Kunstlicht des Kaufhauses vormals gelb erscheinende Stoff bei Tageslicht plötzlich einen leichten Grünstich. Anders sieht es hingegen aus, wenn das Gehirn weiß, welche Farbe es sehen "soll". So interpretiert es bei einer weißen Wand im Kunstlicht einfach den leichten Gelbstich weg.

Im täglichen Leben zeigen sich jedoch meist die Vorteile der Metamerie. Denn Farbfernsehen, Computermonitore und Druckerzeugnisse, sie alle profitieren von der Täuschung des menschlichen Auges: Mit in der Regel nur drei Farben werden über winzige Leucht- oder Farbpunkte sämtliche Farben erzeugt. Bei einem Computerbildschirm sind es beispielsweise über 16 Millionen Farben, die mithilfe von Rot, Grün und Blau entstehen.

Für das Problem im Kaufhaus gibt es nur einen altbewährten Trick: Kleidungsstücke ins Tageslicht halten. Passt es dort und unter Kaufhausbeleuchtung, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass beide Farbtöne wirklich übereinstimmen. (ab)