Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

05.01.2004

Wie das Gehirn Farbe und Bewegung verarbeitet

Farbeindrücke gelangen häufig schneller ins Bewusstsein als Bewegung. Das menschliche Gehirn verarbeitet verschiedene visuelle Reize unterschiedlich schnell. Es gibt beispielsweise Hinweise darauf, dass Farbe das Bewusstsein schneller erreicht als Bewegung: Wenn ein Objekt schnell und wiederholt die Farbe zwischen Rot und Grün wechselt und gleichzeitig mit der selben Frequenz die Bewegungsrichtung ändert, so müssen die Farbwechsel etwa 80 Millisekunden nach der Bewegungsänderung auftreten, damit ein Beobachter beide Veränderungen als gleichzeitig empfindet.

Nervenzelle: Für unterschiedliche Reize sind im Gehirn auch verschiedene Signalwege verantwortlich. Bild: MPI Martinsried
Nervenzelle, Bild: MPI Martinsried

Grund für die unterschiedlichen Verarbeitungsgeschwindigkeiten ist möglicherweise, dass für die verschiedenen Reize unterschiedliche Signalwege im Gehirn verantwortlich sind. Doch diese Zusammenhänge sind vermutlich weit komplizierter als gedacht, legen Untersuchungen schottischer Psychologen nahe.

Wendy Adams und Pascal Mamassian von der Universität Glasgow untersuchten das Phänomen unter verschiedenen Bedingungen. Sie variierten neben der Farbe und der Bewegung zweier Objekte – ein Kreuz und ein Kreis – auch die Auffälligkeit der Veränderung. Die Versuchspersonen sollten in einer Testreihe einfach nur so schnell wie möglich reagieren, wenn sie eine Veränderung bemerkten. In einem weiteren Experiment sollten sie auf das jeweilige Objekt zeigen, sobald sie die Veränderung bemerkt hatten. Beim dritten Versuch mussten sie per Tastendruck bestimmen, welches der beiden Objekte sich zuerst verändert hatte.

Wie stark eine Änderung ins Auge fällt und welche Aufgabe gestellt wurde, spielt für die Wahrnehmung eine entscheidende Rolle, ergaben die Versuche. Je auffälliger eine Veränderung ist, desto schneller wird sie wahrgenommen. Versuchspersonen konnten Farbveränderungen tatsächlich schneller wahrnehmen, fanden die Forscher – allerdings nur dann, wenn sie bestimmen sollten, welches der beiden Objekte sich verändert hatte. Beim simplen Reaktionstest registrierten sie dagegen die Bewegungsänderung schneller.

Diese Ergebnisse zeigen, dass ein direkter Vergleich zwischen den Verarbeitungsgeschwindigkeiten verschiedener visueller Reize schwierig ist. Dazu sollten auch die Auffälligkeit und die Aufgabenstellung berücksichtigt werden, schreiben die Forscher. Augenfälligere Veränderungen werden ebenso wie für die Lösung der Aufgabe entscheidende Attribute stärker wahrgenommen.