Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

14.03.2012

Zurück in die Klassik und zur Gemütlichkeit

Der Farb- und Trendforscher Professor Axel Venn über die Farbtrends des Jahres 2012

Die Klassik mit getrübten Farben wie Altrosa sowie sanftem Grün und beigen Fassaden mit weißen Gesimsen kommt zurück: So umreißt der Farb- und Trendforscher Professor Axel Venn einen der Farbtrends für das Jahr 2012. Die puristische Ultramoderne sei nicht mehr gefragt und einer Rückbesinnung auf klassische Werte gewichen, die Farbe wieder zulässt und auch der Ornamentik zu neuer Bedeutung verhilft. Eine Fortsetzung dürfte auch 2012 der Trend zu folkloristischen Elementen nehmen, was unter anderem heißt: viel Eiche und Nussbaum, rotkernige Buche, bestickte Kissen und die zugehörigen Karomuster.

Farben, die Gemütlichkeit vermitteln, und florale Muster liegen 2012 im Trend. Foto: Brillux
Gemütlichkeit, Foto: Brillux

Die Rückkehr klassischer Elemente am Bau wertet Venn jedoch nicht als Historismus, der längst vergangene Stilrichtungen einfach nur nachahmt. Vielmehr handele es sich um einen Rückgriff auf Werte, die in der Gestaltung einst große Bedeutung hatten, erklärt der Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Dazu gehöre unter anderem, dass bei der Gestaltung wieder mehr auf Symmetrien geachtet werde.

Generell werde die Wohnung wieder mehr als Rückzugsraum erkannt, erklärt Venn: "Sie wird zum Naherholungsgebiet Nummer 1." Wohlfühlparameter treten dabei in den Vordergrund. Es wird gemütlicher mit Farben, Textilien und lebendigen Mustern. Tapeten mit erzählhaften Motiven seien wieder im Trend, florale Muster ebenso. Ein besonderes Augenmerk legten viele Menschen auf die Bäder, die zunehmend als "privater Hammâm" empfunden werden und die damit weit mehr sind als reine Funktionsräume.

Der Trend zu volkstümlichen Motiven setzt sich auch in diesem Jahr fort. Foto: pontchen, Photocase.com
Volkstümliche Motive,   Foto: pontchen, photocase.de

Welche Trendfarben sind neben den erwähnten klassischen Farbtönen, Ornamenten und folkoristischen Elementen prägend für das Jahr 2012? Venn verzeichnet besonders bei jungen Menschen einen Trend zurück in die 1950er und 1960er Jahre, die Zeit der Nierentische also, mit Braun- und Beigetönen bis hin zum Umbra, kräftigem Gelb und warmem Türkis und Oberflächen aus Resopal.

Viele junge Familien gestalteten – oft ausgehend von ihren Kinderzimmern –"buntstiftfarbige Räume" in ihren Häusern. Orange sei hierbei eine besonders wichtige Farbe, doch das Spektrum der starken Farben, die eine heitere, schwungvolle Atmosphäre schaffen, reicht bis hin zu Neonfarben wie Gelbgrün.

Eher kopfschüttelnd blickt Venn bei seinen Streifzügen durch deutsche Städte auf die unabhängig von aktuellen Trends stets vorhandenen "Bauhaus-Apologeten", wie er es nennt: Abends könne man in ihre hell erleuchteten Wohnungen und kubischen Häuser blicken, und ihr Purismus gehe meistens sogar so weit, "dass sie selbst nicht drin sind", spottet Venn. Farbe suche man in solchen Häusern vergebens: Die Teppiche sind weiß, das Sofa ist grau. Nur die ganz mutigen unter ihnen wagten vielleicht einmal irgendwo ein Blau.

Farbe wagen, gerade an der Fassade: So lautet das Credo des Farb- und Trendforschers Axel Venn. Foto: Brillux
Fassaden, Foto: Brillux

Dieser Trend zu den Wohlfühlaspekten des Wohnens bedeute jedoch nicht, dass sich die Menschen in ihren Wohnungen von der Außenwelt abschotteten. Dieses von manchen Trendforschern als "Cocooning" propagierte Phänomen sei ohnehin nur ein Hirngespinst gewesen, erklärt Venn. Vielmehr werde die Wohnung mehr denn je als Statusobjekt angesehen, das man seinen Freunden und Bekannten gerne vorführe und mit dem man seinen Geschmack und seine Einstellung demonstriere.

Generell plädiert Venn bei der Farbgestaltung am Bau dazu, das Augenmerk wieder mehr auf die Fassade zu legen: "Fassade kommt von Face – sie ist das Gesicht des Hauses", erklärt er. Dieses Gesicht stehe für die, die in dem Gebäude lebten, und sollte daher bewusst gestaltet werden. Hier könne man "ruhig auch mal etwas wagen" und markante Farbtöne wählen, etwa Altrosa, Helloliv, Zinngrau oder Orangegrau.

Nicht müde wird der Trendforscher zu betonen, für wie falsch er es hält, dass sich viele Menschen bei der Gestaltung von Innenräumen "zu Weiß verpflichtet fühlen". Der Irrglaube, der Einsatz von Farbe sei das Zeichen mangelnder Intelligenz, zwinge die Menschen, in weißen Räumen zu leben – dabei bedeute dies so viel Verzicht. (ud)